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Rege Nachfrage trotz Wirtschaftsflaute

Rege Nachfrage trotz WirtschaftsflauteIn Sachen Aus- und Weiterbildung im Detailhandel kommt man am SIU – Schweizerisches Institut für Unternehmerschulung – nicht vorbei. Das SIU hat einen auf Detailhandel spezialisierten Zweig in Zürich und einen mit Gewerbefokus in Bern.

(as) Das Schulungsunternehmen erreicht im Detailhandel mit rund 5000 jährlichen Kursbesuchern einen schweizweiten Marktanteil von 85 Prozent. Attilia Chiavi, Geschäftsführerin SIU im Detailhandel in Zürich, berichtet von derzeit lebhafter Nachfrage und schildert das mit GS1 Schweiz zusammen aufgelegte Kursangebot.

 

GS1 network: Frau Chiavi, auf die schweizerische Wirtschaft und wahrscheinlich auch den Detailhandel kommen härtere Zeiten zu. Wie beeinflusst das die Nachfrage nach Aus- und Weiterbildungen?
Attilia Chiavi: Noch in den 90er-Jahren war spürbar, dass bei sich ankündigenden wirtschaftlich schwächeren Zeiten von den Unternehmen sofort an den Ausgaben für Weiterbildung gespart wurde. Man glaubte, das kurzfristig am wenigsten zu spüren. Mittlerweile hat sich die Haltung geändert. Die Industrie und der Detailhandel investieren gerade jetzt in Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden. Wir erleben eine gute Nachfrage.

Welches sind die Kernelemente Ihres Angebotes für den Detailhandel?
Grundsätzlich bilden die Ausbildungen mit eidgenössischem Reglement den Kern unserer Angebote. Hier geht es um die vom BDS (Berufsbildung Detailhandel Schweiz) definierten und geforderten Inhalte für jeweilige Qualifikationen, nach denen wir unsere Konzepte ausrichten. Die Umsetzung, was man mit welchen Unterlagen und wie vielen Lektionen lehrt und lernt, liegt dann bei uns. Darüber hinaus haben wir aber viele Kurse und Lehrgänge selbst entwickelt. Ich habe sehr guten Kontakt mit zahlreichen Kunden, die ich im Jahresverlauf regelmässig besuche. Auch von Kursteilnehmern erhalte ich oft Feedbacks und kann daraus erkennen, für welche Wissensbereiche Interesse und Bedarf in der Wirtschaft besteht.

Mit welchen Kursen haben Sie Ihr Angebot in den vergangenen Jahren erweitert?
Da möchte ich auf den Kurs «Filialleiter/ in des Detailhandels» verweisen. Dieser kann – anders als die eidgenössisch anerkannten Abschlüsse – bereits mit weniger als drei Jahren Berufspraxis nach dem Lehrabschluss absolviert werden. Er ist als zehntägiger Lehrgang konzipiert und stellt eine Zwischenstufe dar, gemessen an der bisherigen Bildungskarriere. Als darauf aufbauendes Angebot haben wir den Kurs «Geschäftsführer/in des Detailhandels » lanciert. 

Wie kommen diese Angebote in der Praxis an?
Die Wirtschaft reagiert gut auf unsere Angebote. Telekommunikationsunternehmen oder auch grosse Spielwarenhändler verlangen beispielsweise von ihren Shopleitern und deren Stellvertretern, dass sie den Filialleiterkurs absolviert haben. Für die Unternehmen sind die Kosten und der Zeitaufwand geringer, wenn ihre Mitarbeitenden diesen Kurs anstelle der länger dauernden Vorbereitungskurse für eine eidgenössische Prüfung besuchen.

Sinkt denn im Gegenzug das Interesse an den eidgenössisch anerkannten Abschlüssen?
Unsere neuen Angebote haben nicht zu einer nachlassenden Nachfrage bei den Vorbereitungskursen für die eidgenössischen Abschlüsse geführt. Die Lehrgänge sind eine Vorstufe. Wir erleben jedes Jahr ein konstantes Interesse, besonders von Seiten der Grossverteiler, die von ihren Filialleitern die Berufsprüfung als Detailhandelsspezialist verlangen.

Schwerpunkt Ihrer Kurse ist immer die Vermittlung betriebswirtschaftlichen Grundwissens?
Wir geben einen Überblick über die wesentlichen Disziplinen, doch im Vordergrund stehen Marketing und Personalführung. Das ist später im Berufsalltag auch am meisten gefragt, denn unsere Absolventen müssen in ihrem Laden stehen, Waren verkaufen und Mitarbeitende führen.

Mit GS1 wurde der Kurs «Zertifizierter Category Manager ECR D-A-CH» lanciert. Welches sind die Hintergründe?
Wir haben für dieses Angebot eine Alleinlizenz für die Schweiz und sprechen nicht nur den Detailhandel, sondern auch die Industrie an. Die von GS1 zusammen mit Roland Berger entwickelten Kursinhalte wurden von uns für die Schweiz adaptiert. Vor allem bei Definitionen bestehen nämlich zahlreiche Unterschiede zu Österreich oder Deutschland. Innerhalb der Schweiz gilt es wieder spezifische Begriffe der Romandie oder des Tessins zu berücksichtigen, wenn man die Unterlagen in die jeweilige Sprache übersetzt. Dazu kommt noch, dass viele Firmenbeispie le aus Deutschland mit einheimischen ersetzt werden müssen, da sonst zu viel über Unbekanntes gesprochen wird. Es ist ein praktischer Lehrgang und soll so praxisnah wie möglich sein.

Wie darf man sich das vorstellen?
Der Lehrgang vermittelt die zentralen Elemente von Efficient Consumer Response und dem darauf aufbauenden Category Management mit seinem achtstufigen Prozess. Es geht darum, das richtige Sortiment für die eigenen Kunden zu definieren. In diesem Lehrgang lernt man, die Prozessschritte auf das eigene Sortiment zu übertragen und anzuwenden. Gerade jetzt läuft bei uns ein solcher Kurs. Er hat 10 von maximal 12 möglichen Teilnehmern, weil in dieser kleinen Gruppe intensive Gruppenarbeit und Diskussionen wichtig sind. Ausserdem stellen Gastreferenten Praxisbeispiele vor oder Marktforscher präsentieren umfangreiches Zahlenmaterial.

Und wie gestalten sich die Abschlussprüfungen?
Die Abschlussprüfungen zum «Zertifizierten Category Manager ECR D-ACH » sind dreiteilig. Zunächst ist eine schriftliche Abschlussarbeit zu verfassen, die Ergebnisse sind mündlich zu präsentieren. Dann müssen die Kursteilnehmer 30 Fragen zu Lehrgangsinhalten schriftlich beantwor- ten und drei Antworten davon mündlich begründen. Schliesslich wird noch die Leistung der Kandidaten während des Kurses sowie während der mündlichen Abschlusspräsentationen vom Trainer bewertet. Aus diesen drei Elementen ergibt sich die Gesamtbewertung.

Kommen Ihre Kursbesucher mit der festen Aussicht auf einen Karriereschritt oder mit der Hoffnung auf einen solchen zu Ihnen?
Zahlreiche Teilnehmer, ganz besonders beim Category-Manager-Angebot, besuchen unsere Kurse, weil sie von ihren Unternehmen für eine Funktion vorgesehen sind, die diese Qualifikation voraussetzt. Über alle unsere Kurse gesehen gibt es ebenfalls einen grossen Teil Kursbesucher, deren Qualifikationsmassnahme in der innerbetrieblichen Personalentwicklungspolitik begründet ist. Allerdings kommen darüber hinaus auch viele aus eigenem Antrieb, um für ihre künftige Karriere besser gerüstet zu sein.

Was gefällt Ihnen selbst an Ihrer Arbeit beim SIU?
Ich geniesse die Dynamik meiner Tätigkeit, erlebe viele neue Dinge und kann diese mitgestalten. Mir gefällt die lebhafte Atmosphäre hier im Haus, wenn alle Kursräume belegt sind.

Die Fragen stellte Alexander Saheb.

Joachim Heldt l GS1 Schweiz, Bern

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