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Wert schöpfen ohne zu verschwenden

Entstanden aus dem Grundgedanken der Reduzierung von Verschwendung, bietet Lean Healthcare Spitälern und anderen Gesundheitseinrichtungen eine Methode, mit der sich Wertschöpfung steigern lässt und somit Kosten gesenkt werden können.

(om) Der Kostendruck im Gesundheitswesen nimmt beinahe täglich zu. Spitäler, Direktoren und Gesundheitsorganisationen suchen händeringend nach neuen Möglichkeiten, um kurz-, mittelund langfristig die Kosten zu reduzieren und eine Effizienzsteigerung zu erlangen. Bis anhin haben viele Ansätze versagt oder hatten nur minimale Auswirkungen. Lean Management ist ein Prinzip mit verschiedenen Methoden zur Verbesserung von innerbetrieblichen Abläufen aus jahrelanger Erfahrung in der Wirtschaft, das jetzt auch Einzug im Gesundheitswesen hält.

Effiziente Prozesse
Lean Management bedeutet die permanente, konsequente und strukturierte Anwendung von Prinzipien und Methoden zur effizienten Planung, Gestaltung und Überprüfung der gesamten Wertschöpfungskette bzw. des Patientenflusses sowie die kontinuierliche Verbesserung aller Prozesse im Betrieb. Im Rahmen von Lean Management werden effiziente und verschwendungsfreie Prozesse gestaltet. Im Fokus steht dabei die Wertschöpfung für den Kunden (Patienten), ohne Verschwendung zu generieren. Unter Wertschöpfung versteht man alle Aktivitäten, für die der Patient (Kunde) zu zahlen bereit ist. Im Gegensatz dazu bezeichnet Verschwendung alle Aktivitäten im Prozess, für die keine Zahlungsbereitschaft seitens des Kunden bzw. Patienten besteht. Jede Tätigkeit wird also in Wertschöpfung und Verschwendung unterteilt und dementsprechend analysiert.

Am Anfang war das Auto
Mit dem Buch «Die zweite Revolution in der Autoindustrie» griffen James Womack, Daniel Jones und Daniel Roos in den 1990er-Jahren erstmals den Begriff Lean Management auf. Ihre Untersuchungen galten der amerikanischen und japanischen Automobilindustrie und deren unterschiedlichen Performances. Die drei Professoren vom Massachusetts Institute of Technology sahen massive Unterschiede zwischen der Unternehmensdenkweise bei Toyota (fluss- und wertorientiert) und in der nordamerikanischen Automobilindustrie, wie beispielsweise bei Ford und Chrysler (Massenproduktion). Sie erkannten, dass die schlanken Strukturen bei Toyota den Unternehmenserfolg ausmachen. «Schlank» meint in diesem Zusammenhang Prozesse ohne Verschwendung. Dank dieser Erkenntnis legten sie somit den Grundstein für Lean Management.


 

«Eine Reduktion der Durchlaufzeit um einen Viertel steigert die Produktivität um etwa 50 Prozent und senkt die Kosten um etwa 20 Prozent.» Jones und Womack, Lean Enterprise Institute


 

Von Lean Management zu Lean Healthcare
Lean Healthcare ist nun eine Weiterentwicklung von Lean Management.Die Methoden des Lean Management können auf alle Industrien und verschiedene Unternehmensbereiche angewendet werden und sind so schlussendlich auch ins Gesundheitswesen vorgedrungen. Es gilt, den Wert aus Sicht des Kunden bzw. Patienten in den Fokus zu stellen und die Verschwendung im Arbeits- und Patientenprozess stetig zu reduzieren.

Vermeiden von Verschwendung
Der Kern aller Bemühungen ist die Bekämpfung und Reduktion der sieben Verschwendungsarten, die Lean Healthcare Schweiz für Kliniken und Spitäler weiterentwickelt hat.

    1. Doppelbehandlungen, nicht abgestimmte Therapien
      Der Patient bekommt nicht die notwendige und richtige medizinische Versorgung (zu viel oder auch zu wenig).
    2. Bestände
      Es finden sich hohe Medikamentenund Materialvorräte in allen Lagern, aber auch nicht bearbeitete Patientendossiers (indirekter Bereich, Stapelpapier).
    3. Transport
      Material und Patienten werden im Betrieb bewegt und transportiert (im Krankenbett, Rollstuhl usw.).
    4. Wartezeiten
      Patienten oder Personal warten auf Material (z. B. Analysegerät) oder Menschen (z. B. Patient wartet auf nächste Therapie, da ein vorgelagerter Arbeitsprozess Verspätung hat).
    5. Fehler/Fehldiagnose
      Während des Arbeitsprozesses werden Fehler generiert, die nachträglich behoben werden müssen (auch fehlende Informationen).
    6. Bewegung
      Das Personal bewegt sich im Arbeitsumfeld und ist während dieser Zeit nicht wertschöpfend.
    7. Falsche Arbeitsprozesse
      Für bestimmte Aufgaben und Tätigkeiten sind keine geeigneten Prozesse vorhanden oder sie werden nicht eingesetzt (z. B. Schreibarbeit durch gut bezahlte Ärzte, anstelle kostengünstigeren Sekretariatspersonals).

Qualität steigern
Mit Lean Healthcare lässt sich ein Transformationsprozess im Betrieb einleiten. Dabei lebt Lean Healthcare von der pragmatischen und strukturierten Herangehensweise bei Verbesserungen und Optimierung. Durch die konsequente Beurteilung und Beobachtung der Arbeits- und Patientenprozesse kann Verschwendung erkannt und mit dem Methodenkoffer von Lean Management vermieden werden. Durch genau diese Reduktion der Verschwendungsanteile sinken mittel- und langfristig die Kosten, die Qualität am Patienten wird gesteigert, und die Patientendurchlaufzeiten werden verbessert.

Oliver Mattmann

 

Beispiel aus der Praxis – der Operationssaal

Projektausgangslage
Häufig stellt der Operationssaal in Spitälern einen kritischen Bereich dar. Lange Wartezeiten für die Patienten, extreme Kosten, häufiges Verschieben von Operationen sowie hohe Planungskomplexität erschweren im OP die Situation massiv.

Ziel
Verkürzung der Wechselzeiten zwischen zwei Operationen um 20 Prozent, dadurch Erhöhung des Outputs unter Berücksichtigung der Qualität.

Methoden
5S-Arbeitsplatzorganisation, standardisierte Abläufe mit IT-Unterstützung, Ansätze von Just-in-Time

Vorgehen
Erstellen von Checklisten, Definieren von Routinen gemäss Just-in-Time- Prozessablauf (richtiger Service, im richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort mit der richtigen Qualität).

Ergebnis
Durch die Reduktion der Wechselzeiten kann mit dem gleichen Personalaufwand eine Operation mehr pro Tag durchgeführt werden. Das Spital generiert damit einen höheren Umsatz bei gleichbleibenden Kosten. Der Verschwendungsanteil in der Wechselzeit wurde reduziert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen
Lean Healthcare Schweiz ist eine unabhängige Organisation, welche sich mit innerbetrieblichen Optimierungen und Verbesserungen sowie der Ausbildung und Sensibilisierung im Bereich Gesundheitswesen befasst. Neben Verbesserungsprojekten bietet Lean Healthcare Schweiz auch Mitarbeiterausbildungen und Seminare sowie die Einführung von Lean Management in Spitälern und Kliniken an. Als Experte und Spezialist im Bereich Lean Management und innerbetrieblichen Verbesserungen hat sich Oliver Mattmann, Managing Director von Lean Healthcare Schweiz, landesweit im Bereich Medizinaltechnik und Healthcare einen Namen gemacht.

Kontakt

Lean Healthcare Schweiz
Baarerstrasse 59
CH-6300 Zug
Tel. +41 (0)41 545 41 07
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
http://www.leanhealthcare.ch/

Literatur

  • Womack J.P., Jones D.T., Roos D. (1990), The machine that changed the world, Free Press New York
  • Womack J.P., Jones D.T. (2004), Lean Thinking: Ballast abwerfen, Unternehmensgewinn steigern, Campus Verlag, 1. Auflage
  • Lean Enterprise Institute, Apply Lean Principles in the Health-Care Industry, http://www.lean.org/

 

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