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Wo sich Menschen und Pakete ballen

In Zukunft werden die meisten Menschen in städtischen Ballungsgebieten leben. Dafür braucht die letzte Meile der Logistik neue Konzepte. Das harmonisierte Paketlabel von GS1 ist dafür eine solide Basis.

In der Stadt der Zukunft hat das harmonisierte Paketlabel von GS1 einen festen Platz. Das rasche Wachstum der städtischen Ballungsräume und die konstante Zunahme des Onlinehandels verlangen nach logistischen Lösungen, die nicht nur eine effiziente Warenzustellung gewährleisten, sondern sich auch in das Ökosystem Stadt einfügen, ohne seine Infrastruktur und seine Ressourcen über Gebühr zu belasten.

Standards für die letzte Meile
In diesem Umfeld legt das harmonisierte Paketlabel von GS1 den Grundstein für eine effiziente und unternehmensübergreifend funktionierende Supply Chain, deren Stärke sich auf der hoch beanspruchten letzten Meile zeigt. Wie das aussieht, beschreibt die Studie «Urbane Logistik – die letzte Meile nachhaltig gestalten» von GS1 Switzerland.

Schon seit 2016 arbeitet das Europäische Komitee für Normung an einer Harmonisierung der Paketetiketten. Mittlerweile steht fest, dass der von GS1 bereitgestellte Serial Shipping Container Code (SSCC) auf dem harmonisierten Paketlabel (HPL) verwendet werden kann. Mit dem HPL ermöglicht GS1 den Logistikdienstleistern einen durchgängigen, transparenten und reibungslosen Ablauf über alle Schnittstellen: vom Verlader bis zum Kunden. Das HPL ist deshalb als Schlüsselelement zwischen verschiedenen Partnern in der Lieferkette zu betrachten.

Das Paketlabel weiss alles
Das HPL erlaubt die eindeutige Identifizierung einer Sendung für alle Beteiligten in der Lieferkette. Es macht alle manuellen Eingriffe – etwa das heute noch gebräuchliche mehrfache Umetikettieren – überflüssig. Mit dem HPL lassen sich logistische Abläufe einfach virtuell darstellen und darauf basierend die Lieferqualität und Kundenzufriedenheit verbessern sowie Kosten senken. Die im HPL verschlüsselten Informationen lassen sich via EDI (Electronic Data Interchange) oder EPCIS (Electronic Product Code Information Service) sowohl innerbetrieblich als auch zwischen Betrieben elektronisch austauschen.

Diese Eigenschaften werden ihren Wert künftig noch wesentlich stärker entfalten als heute. Laut den Vereinten Nationen leben 50 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten. Bis 2050 dürften es rund zwei Drittel sein. Die Versorgung solcher Gebiete muss ressourcenschonend erfolgen, ohne den Konsumenten in seinen Gewohnheiten und Bedürfnissen zu stark einzuschränken. Der Warenfluss – und mit ihm der Güterverkehr – nimmt stetig zu. Luft- und Lärmbelastungen beeinträchtigen die urbane Lebensqualität. Gleichzeitig werden Industrie- und Lagerflächen rarer, was zur Erhöhung der Flächenpreise führt. Das wachsende Verkehrsaufkommen führt zu grossen Stausituationen, was sich auf die Kosten der Transporte auswirkt.

So gerät die traditionelle Paketzustellung an der Haustür an ihre Grenzen. Ursachen sind die Verkehrssituation, die Abwesenheit der Kunden, die mangelnde Verfügbarkeit von Chauffeuren. Einige Experten sehen in der «Zustellung nach Hause» künftig sogar nur noch eine Zusatzleistung mit hohen Gebühren. Somit werden neue Zustelloptionen entwickelt und stossen auch auf grosses Interesse, weil sie die Lieferung besser in den Tagesablauf des Kunden integrieren. Darunter fallen Angebote wie Paketboxen an Wohnhäusern, Paketstationen, «Click & Collect», Lieferung hinter die Haustüre oder Lieferung in den Kofferraum. Ferner kommen neue Transportformen zum Einsatz: autonome Zustellfahrzeuge, Lieferroboter oder Drohnen. Es wird auch mit dem Einbezug externer Personen in den Lieferprozess experimentiert, beispielsweise beim Crowd- Delivery oder «Social Shopping».

Ballungsgebiete verlangen Kollaboration
Besonders dringlich wird die Kooperation zwischen allen Beteiligten in der City-Logistik sein, um dort den Verkehr zu reduzieren und die Waren rasch, pünktlich und ökologisch auszuliefern. Laut einer Schätzung des World Economic Forum wird bis 2030 der Anteil der Lieferungen auf der letzten Meile um 78 Prozent steigen. Diesem Trend begegnet man heute mit Massnahmen wie softwaregestützter Tourenplanung, intelligenten Ampelsystemen in Städten oder einer dynamischen Planung von Güterumschlagplätzen. Zudem könnten Nachttransporte ein wichtiges Thema werden.

Für die Transition in die Zukunft favorisiert GS1 unter diversen Szenarien ein «kollaboratives Ökosystem», in welchem der öffentliche und der private Sektor zusammenarbeiten und die gleichen Ziele verfolgen. «Dieses Szenario deckt die Interessen aller Stakeholder ab und hat damit das grösste Potenzial », schreiben die Autoren.

Leuchtturmprojekte in Lucca, Paris und der Schweiz
Schon heute existieren Pilotprojekte für die urbane Logistik im italienischen Lucca oder in Paris. In Lucca wird das Stadtzentrum vom Konsolidierungszentrum Luccaport aus beliefert. Jährlich bringen gegen 700 Elektrofahrzeuge mehr als 200 000 Sendungen zu 1500 Geschäften im Stadtzentrum, was mehr als einer Million Pakete entspricht. Vorher nutzten über ein Viertel der ansässigen Firmen eigene Fahrzeuge und der Güterverkehr wies eine Auslastung von weniger als 30 Prozent auf. Das 2005 auf Initiative der Stadtverwaltung mit Unterstützung der EU gestartete Projekt führte zu einer Verringerung des Güterverkehrsaufkommens mit messbaren Verbesserungen der Luftqualität, Energie- und CO2-Einsparungen sowie einer Erhöhung der Kundenzufriedenheit.

In Paris betreibt das Unternehmen Chronopost drei unterirdische Logistikzentren in der Stadt, wovon eines speziell für die Lebensmittellogistik konzipiert ist. Seit 2012 konnten die zurückgelegten Kilometer pro Paket halbiert werden. Fluggesellschaften können ihre Pakete schon früh vor dem Morgenstau übergeben. Die Lieferrouten werden mit einer Software optimiert und sind kürzer, was Staus zu vermeiden hilft. Künftig soll das Park- platznetzwerk für den Güterumschlag erweitert werden, womit sich die Vorlaufzeiten weiter verkürzen lassen.

Auch das Schweizer Projekt Cargo sous terrain (CST) gehört zu diesen zukunftsträchtigen Vorhaben. Allerdings ist es wesentlich grösser als die erwähnten Beispiele und wird als Gesamtlogistiksystem für den flexiblen Transport kleinteiliger Güter mehrere städtische Zentren verbinden. CST eignet sich sowohl für die Versorgung wie auch für die Entsorgung (Abfall, Recycling).

Gegen den «Wilden Westen»
Eine Prognose für das Jahr 2030 erfolgt zum Schluss der GS1 Studie. Hierbei konkurrieren vier Szenarien. Im heute vorherrschenden «Wilden Westen» bestehen viele Zielkonflikte, die zu einer Überregulierung führen könnten. Dabei dominieren Einzellösungen, die wenig Kooperation erlauben, und der städtische Raum wird stark belastet. Im Szenario «Regulierte Vielfalt» stehen Logistikdienstleister unter starkem Druck durch strenge Vorschriften und Nutzungsbeschränkungen. Bei der «Stadtplattform » existiert zwar eine starke Regulierung, aber auch ein kollaborativer Ansatz. Die Warenströme laufen anbieterübergreifend auf einer Plattform zusammen, die im Zentrum einer ganzheitlichen urbanen Logistik steht. In der «Koexistenz der Grossen» schliesslich gibt es mehrere konkurrierende Plattformen, welche die urbane Logistik dominieren. Voraussetzung hierfür ist das Vertrauen der Behörden, dass sich die verbleibenden grossen Anbieter selbstregulierend und kooperativ verhalten.

Jan Eberle

Weitere Informationen
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Jan Eberle
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