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Viele Daten und noch viel mehr Fragen

Big Data beschäftigt Unternehmen immer mehr und gilt als einer der wichtigsten Trends in der Supply Chain. Am 10. GS1 Forum Logistics & Supply Chain diskutierten über 200 Experten aus Logistik und Supply Chain Management über Chancen, Risiken und erste Anwendungen. Eines wurde dabei schnell deutlich: Big Data steht erst noch am Anfang.

Das diesjährige Tagungsthema „Big Data - Intelligenz in den Supply Chains“ war bei der ersten Auflage der Veranstaltung vor 10 Jahren noch kaum denkbar. Denn erst zwei Jahre später trat das ein, was das weltweite Datenvolumen weiter steigen liess: Das iPhone eroberte die Märkte und läutete eine neue Ära der mobilen und vernetzten Kommunikation ein.

 

Erst überlegen, dann handeln

Heute wird „Big Data“ häufig über die „3 Vs“ definiert: Variety, Velocity and Volume. Es handelt sich dabei um Daten aus verschiedenen Quellen, die strukturiert, halb- oder gänzlich unstrukturiert sind. Viele Sensoren, wie beispielsweise Apps in Smartphones, generieren in Sekundenbruchteilen riesige Datenmengen. Auch wenn die Angaben zu genauen Zahlen schwanken, besteht Einigkeit darüber, dass die Wachstumskurve steil nach oben zeigt. Der effiziente Umgang mit dieser Vielzahl an Daten stellt die Unternehmen vor Herausforderungen, bietet ihnen aber auch Chancen. Dabei betonten einige Referenten, dass das Daten sammeln alleine nicht ausreicht.  Für einen erfolgreichen Umgang mit Big Data müssen sich Unternehmen erst darüber im Klaren werden, wohin die Reise gehen soll: Welche Fragen sollen beantwortet und für welche Aktivitäten sollen die Daten genutzt werden? Mehrere Referenten machten ausserdem deutlich, dass „Big Data“ nicht nur eine IT-Angelegenheit ist. So verfügen die einzelnen Fachbereiche über die wertvollen Daten, die es auszuwerten und zu nutzen gilt. Ausserdem sind Big Data Projekte stark innovationsgetriebene Projekte, die einen hohen Aufwand an personellen und finanziellen Ressourcen bedeuten.

 

Big data is like teenage sex: everyone talks about it, nobody really knows how to do it, everyone thinks everyone else is doing it, so everyone claims they are doing it... Auch Dan Ariely wurde am 10. GS1 Forum Logistics & Supply Chain zitiert.

 

Maschine sticht Mensch

Mehrere Anwendungen wurden präsentiert: von Condition Monitoring, der regelmässigen Auswertung des Maschinenzustandes bei Swisslog über einen Kundenabwanderungsmonitor bei den Gebrüdern Weiss bis hin zum Verkehrsmanagement der Nationalstrassen, um nur drei Beispiele zu nennen.

Deutlich wurde bei allen präsentierten Anwendungen, dass noch Luft nach oben ist, oder wie es im Vortrag von DHL Express hiess: „Die Low Hanging Fruits sind geerntet, jetzt brauchen wir eine Leiter.“ Und daran wird in vielen Unternehmen fleissig gearbeitet. So stellt man bei der Post beispielsweise Überlegungen an, inwiefern Daten dazu genutzt werden können, herauszufinden, wann der Kunde überhaupt zu Hause ist und dementsprechend die Lieferzeit anzupassen. Und inwiefern diese Information wiederum dem Versender zur Verfügung gestellt werden können, damit dieser beispielsweise seine Rüstprozesse anpassen kann. In diesem Sinne beschäftigte ein weiteres Thema die Tagungsteilnehmer: Predictive Applications. Sie ermöglichen automatisierte Entscheidungen, die auf analysierten Daten basieren.

 

Das 10. GS1 Forum Logistics & Supply Chain in Zahlen:
21 Referate
2 Plena
5 Vertiefungssessionen
207 Teilnehmer

 

Rechtliche und ethische Aspekte

Abgesehen von technischen und organisatorischen Aspekten müssen sich Unternehmen auch mit rechtlichen und ethischen Fragen beschäftigen. Das betonten bereits die Redner des Vormittag-Plenums: Unternehmen müssen sich von Anfang an mit Datenschutz- und -sicherheit auseinander setzen: Welche Daten dürfen überhaupt in welcher Form erhoben werden und wie können Anonymität und Datenschutz eines jeden Einzelnen gewährt werden?

Werden die Daten dann ausgewertet und für vorausschauende Zwecke genutzt, stellen sich weitere rechtliche Fragen: Ist beispielsweise der Endkonsument zur Zahlung einer Lieferung verpflichtet, die nicht er bestellt hat, sondern die ihm ein E-Commerce-Händler aufgrund von analysierten Daten automatisch gesendet hat? Ist es ethisch vertretbar, dass Maschinen diese und weitere Entscheidungen des Menschen übernehmen?

Die Besucher jedenfalls schienen diesen Aspekten (noch) kaum Bedeutung beizumessen: Die geplante Vertiefungssession „Datenschutz und -sicherheit“ wurde mangels Interessenten abgesagt - nicht einmal ein Prozent der Teilnehmer hatte sich für diesen Veranstaltungsblock angemeldet.

 

Fazit: „Big Data“ generiert wohl genauso viele Diskussionen wie Daten und wird alle Akteure in den Wertschöpfungsnetzwerken noch nachhaltig beschäftigen. Und wer weiss: Vielleicht müssen die Tagungsteilnehmer ihre Fragen am 20. GS1 Forum Logistics & Supply Chain nicht mehr selbst überlegen, geschweigedenn stellen - vorausschauende Applikationen könnten das für sie übernehmen...

 

Katharina Birk

 

Links
Bilder vom 10. GS1 Forum Logistics & Supply Chain
GS1 netwok 4-2014, Schwerpunktthema "Big Data"
The Internet in Real-Time - How Quickly Data is Generated

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