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Nominiert für den Swiss Logistics Award 2018

Am 28. November 2018 ist es wieder so weit: Der Swiss Logistics Award wird zum 23. Mal verliehen. Die Jury hat eine Vielzahl interessanter Projekte beurteilt. Wir stellen Ihnen die für den Award nominierten Projekte vor.

Cosanum AG und Kantonsspital Aarau 
Radikale Kostenreduktion dank Lieferung der OP-Sets direkt in den Operationssaal 
Das Konzept «cosaOP Logistics» des Gesundheitslogistikers Cosanum ermöglicht die Lieferung von sterilen OPSets direkt in den Operationssaal. Bisher mussten die relativ grossen Sets im Spital gelagert und vom OP-Personal in der OP-Schleuse vor der Lieferung in den Sterilbereich aus dem Transportkarton ausgepackt werden. Diese Arbeitsschritte soll künftig der externe Logistiker übernehmen und so das OP- Personal von zeitintensiven kompetenzfremden Aufgaben entlasten. Durch die Lagerung der Sets bei Cosanum benötigt das Spital weniger Lagerfläche und die spitalinterne Logistik muss sich weder um die Lieferung noch um die Entsorgung der Transportkartons kümmern. Die Prozesskosten des Spitals können so reduziert werden. Und so funktioniert «cosaOP Logistics »: Die Sets werden bei Cosanum gelagert, in einem Reinraum unter kontrollierter Atmosphäre aus den Transportkartons ausgepackt und in speziellen Wagen bereitgestellt. Mit einem eigens entwickelten Wagen-in-Wagen- System werden die Sets zum OP geliefert. Das OP-Personal kann den desinfizierten Innenwagen mit den Sets über eine Rampe des Aussenwagens, der in der unreinen Zone steht, direkt in den Sterilbereich fahren. Der Innenwagen dient zugleich als Lagerfläche im OP und verbleibt dort, bis die Sets aufgebraucht sind. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Aarau entwickelt und getestet. Das Wagen-in-Wagen-System ist für ein Patent angemeldet.

Hirslanden AG
Zenlop – zentrale Logistikplattform für Heilmittel
Die Privatklinikgruppe Hirslanden umfasst 18 Kliniken in 11 Kantonen. Viele administrative und logistische Aufgaben wurden in der Vergangenheit von Fachabteilungen in den Kliniken ausgeführt. Bestellungen wurden dezentral und mehrfach am Tag über verschiedene Medien aufgegeben und die Bedarfsermittlung basierte auf Erfahrungsdaten. Die über 500 Stationslager in den einzelnen Kliniken waren nicht bestandgeführt und wurden durch das Stationspersonal optisch kontrolliert. Die Abwicklung vieler Prozesse war kosten- und personalintensiv. Die Einführung der zentralen Logistikplattform (Zenlop) hat die Beschaffung zentralisiert. Der Bedarf wird gruppenweit eingekauft und in einem Gruppen- Zentrallager umgeschlagen. Die lokalen Zentrallager in den Kliniken wurden aufgehoben, und so konnte Fläche für wertschöpfende Tätigkeiten gewonnen werden. Über Zenlop bestellen die Abteilungen der Kliniken bis zu einmal täglich. Anschliessend werden die Artikel im Gruppen-Zentrallager gerüstet, in Mehrwegbehälter stationsrein kommissioniert und zu einem definierten Zeitpunkt einmal täglich an die Kliniken ausgeliefert, direkt auf die Stationslager verteilt und von Versorgungsassistenten eingeräumt. Für die Lieferanten gibt es nur noch einen Anlieferpunkt, und um Spitzen in der Lieferkette zu brechen, wird mit einem fixen Bestell-Liefer-Rhythmus gearbeitet. Das Management der zentralen Logistikplattform erfolgt über eine eigene Gesellschaft, hingegen übernimmt die Lagerung und Verteilung ein externer Logistikdienstleister. Mit der Zentralisierung und Vereinheitlichung von Strukturen und Prozessen werden Synergien genutzt und Qualität sowie Effizienz innerhalb der Klinikgruppe erhöht.

Modum.io AG
Modum bringt die Blockchain in die Logistik
Die Modum.io AG wurde im Jahr 2016 von Unternehmern gegründet, die in den Bereichen E-Commerce, Blockchain und Pharmazie tätig sind. Modum entwickelt Lösungen zum Monitoring und zur Optimierung der digitalen Supply Chain. Derzeit arbeitet Modum mit der Schweizerischen Post an einem Projekt für den Einsatz der Blockchain- Technologie in der Logistik. Ziel ist die Überwachung und Einhaltung von Temperaturvorschriften bei Medikamentensendungen. Die entwickelte Lösung MODsense basiert auf einem hoch automatisierten und kundenorientierten, vierstufigen Prozess und verbindet diesen mit neuen Technologien (IoT-Geräte, NFC und die Hyperledger Blockchain). Durch die Integration von IoT-Temperatursensoren von Modum in das Track- & Trace- System der Post sollen vordefinierte Bedingungen während des Medikamententransports verfolgt, überwacht und in einer Blockchain sicher gespeichert werden können. Die Lösung soll Pharma-Unternehmen ein zuverlässiges und skalierbares Verfahren zur Überwachung des Warenzustandes auf der letzten Meile zum Empfänger bieten. Dies ist auch aufgrund neuer Vorschriften beim Medikamententransport notwendig. Neuste Anpassungen der Verordnung zur Vertriebspraxis von Arzneimitteln (Good Distribution Practice GDP) erfordern eine lückenlose Temperaturdokumentation, die mit der Lösung gewährleistet wird. Das Blockchain-basierte Datenmanagement bietet ausserdem neue Möglichkeiten der Optimierung der Supply Chain.

onlog (Schweiz) AG
ComuLux revolutioniert das Engineering-Geschäft
Die onlog (Schweiz) AG hat für den Schweizerischen Gemeindeverband Strukturen entwickelt, welche den Gemeinden neue Freiheitsgrade und deutliche Kostensenkungen ermöglichen. Die Tatsache, dass es sich um Modernisierung von Strassenbeleuchtungen handelt, ist dabei weniger essenziell als die Innovationen im Geschäftsmodell, das massgeblich durch schlankes Supply Chain Management definiert ist. Die Supply Chain wird zum Motor der Innovation. Die disruptive Lösung profitiert teilweise von Fördermitteln von ProKilowatt. ComuLux integriert Business-Knowhow und Supply Chain Management und ist beispielhaft für einen entscheidenden Schritt zur Entwicklung von Unternehmen in der Logistik-Branche. Supply-Chain-Dienstleister sind prädes- tiniert für eine Erweiterung ihrer Aktivitäten auf Engineering-getriebene Geschäftsmodelle. Die Bündelung professionellen Projektmanagements in ein Programmmanagement zur repetitiven Abwicklung von standardisierbaren Projekten ist der Schlüssel zum Erfolg. onlog macht genau dies für die Schweizer Gemeinden. Durch die Integration des technischen und kommerziellen Know-hows in die Supply Chain übernimmt das ComuLux-Programm alle Aufgaben von der Bedarfserfassung bis zur Umsetzung und Entsorgung der alten Strassenlampen. Eine Fachkommission hat im Vorfeld mittels einer Ausschreibung dafür gesorgt, dass die besten und effizientesten neuen LEDLeuchten mit intelligenten Steuerungsoptionen zum Einsatz kommen.

Swisslog AG 
Weniger Kosten und mehr Effizienz dank automatischer Mischpalettenkommissionierung 
Dank der vollautomatischen Palettierlösung ACPaQ (Automated Case Picking) von Swisslog, dem Spezialisten für Intralogistikautomatisierung, soll die manuelle Mischpalettenkommissionierung bald Vergangenheit sein. Hinter der Lösung steht ein hoch komplexer, softwaregesteuerter Kalkulationsprozess, bei dem für jeden Karton und jedes einzelne Gebinde die genauen Positionskoordinaten ermittelt und anhand der Daten die Mischpaletten kommissioniert werden. Kernstück des Systems ist ein Fünfachs-Knickarm- Palettierroboter, der mit einem Vierfinger- Greifer ausgestattet ist. Das flexible Greifersystem mit verstellbaren Gabeln ermöglicht das Fassen von Stückgut mit unterschiedlichen Grössen und unterschiedlichem Gewicht. Die vollautomatische Lösung ermöglicht die doppelte bis dreifache Durchsatzleistung gegenüber der manuellen Palettenkommissionierung, spart somit Kosten im Lager und erhöht die Planbarkeit der Prozesse. Veränderungen in der Nachfragesituation können mit ACPaQ problemlos bewältigt werden. Dank der Möglichkeit der optimalen Palettenbeladung, die nahezu exakt dem Regalbild der Filiale angepasst werden kann, können auch auf Filialseite sowohl Kosten als auch Zeit eingespart werden. Ebenfalls erfüllt das System die stetig steigenden Anforderungen an die Prozesssicherheit und an ergonomisches Arbeiten. 

UniversitätsSpital Zürich 
Standardisierte Vollversorgung ab externem Logistik- und Servicezentrum 
Nach dem Konzept der City-Logistik schuf das UniversitätsSpital Zürich ein neues Logistik- und Servicezentrum in Schlieren. Damit wurde sowohl Platz für das Kerngeschäft geschaffen als auch das Stadtzentrum von Zürich von zahlreichen Lkw-Fahrten entlastet. Innovative Technologien optimieren die Logistikprozesse vom Produzenten bis hin zum Patienten. Für die Waren-, Informations- und Werteflüsse kommen branchenübergreifende Standards zum Einsatz. Im Zentrallager werden 1700 vom Spital benötigte Produkte gelagert. Über 20 000 weitere Artikel werden ohne Zwischenlagerungen gebündelt an die verschiedenen USZ-Standorte geliefert. Das automatische Kleinteilelager mit 9000 Behälterplätzen ist speziell für die Lagerung von sämtlichen im Spital benötigten Warengruppen konstruiert worden, und das neue Behälterkonzept für Kleinladungsträger sowie Rollcontainer entsprechen den Bedürfnissen einer modernen automatisierten Spitallogistik. Ab 2020 wird auch die Aufbereitung von Medizinprodukten am Logistik- und Servicezentrum sichergestellt. Alle Ladungsträger sind mit Barcode- Etiketten und RFID-Transponder ausgezeichnet, eindeutige Identifikationen kennzeichnen auch sämtliche Rampen und Räume. Somit können die Sendungen entlang der logistischen Ketten lokalisiert und verfolgt werden. Die GDP-Konformität ist mittels Qualitätsmanagement und eines durchgängigen Temperatur-Monitoring-Systems über die ganze Versorgungskette sichergestellt. Das Gesamtkonzept entlastet die medizinischen Kernprozesse und bietet Potenzial sowohl für horizontale als auch vertikale Kooperationen im Gesundheitswesen. 

Claudia Schön und Joachim Heldt

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