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Neue Geschäftsmodelle

Neue GeschäftsmodelleDas richtige Produkt in der richtigen Menge am richtigen Ort zur richtigen Zeit und möglichst kostengünstig. Bestandführung ist Gold wert. Das Stichwort heisst Konsignation.

(vkw/rb) Bei der Konsignation handelt es sich um ein Geschäftsmodell, welches seit Kurzem auch im klassischen Konsumgütergeschäft auf Interesse stösst.

In der Automobil- und Textilindustrie, der Schmuck- und Uhrenbranche sowie der Produktion wird Konsignation schon lange praktiziert.

Konsignation hat Vorteile
Konsignation ist ein Begriff aus der Materialwirtschaft und bezeichnet ein besonderes Geschäftsmodell für den Handel. Der Lieferant (Verkäufer) lagert die Ware beim Käufer im Konsignationslager. Der Kunde (Käufer) entnimmt die Ware aus dem Konsignationslager, realisiert damit den Kauf der Ware und meldet die Entnahme an den Lieferanten.

Beim Unterschreiten einer festgelegten Menge füllt der Lieferant das Lager wieder auf. Die entnommene Menge wird in regelmässigen Abständen in Rechnung gestellt. Je nach Absprache kann die Rechnungsstellung täglich, wöchentlich oder monatlich erfolgen. Der Übergang der Verantwortung für die entnommene Menge erfolgt zusammen mit dem Werteübergang. Konsignation erlaubt den Marktteilnehmern einerseits, die Marktpräsenz zu erhöhen, eine permanente Versorgung sicherzustellen und ihre Sortimente in adäquatem Umfang an der Verkaufsfront zu präsentieren. Andererseits bedeutet es für die Vertriebspartner, weniger Ware am eigenen Lager zu halten und damit Lager- und Logistikkosten zu senken.

Aktuell und immer einen Schritt voraus
Die Hersteller oder Zulieferer von Autobestandteilen praktizieren Konsignation schon seit längerer Zeit. So werden Komponenten wie Türschlösser sicherheitshalber in dreifacher Bedarfsmenge an die Hersteller geliefert und in die Fahrzeuge eingebaut. Die Restbestände gehen zurück in das Konsignationslager, und nur die eingebauten Teile werden verrechnet.

In der Uhrenbranche liefern die Hersteller ihre Produkte an die Bijouterien und Uhrengeschäfte. Beim Verkauf des Schmuckstücks oder der Uhr erfolgt die Vergütung an den Hersteller. Die in Konsignation (Auswahl) angelieferten Uhren werden periodisch durch die Hersteller zurückgenommen und durch neue Kollektionen ersetzt. So können der Händler wie auch der Hersteller dem Konsumenten stets ein attraktives, abwechslungsreiches Sortiment präsentieren.

Gemeinsamer Verkauf
In der Bekleidungs- und Sportbranche sind die Sortimente infolge ständig wechselnder Mode kurzlebig. Um den Konsumenten stets die neusten Trends zu präsentieren, haben Hersteller wie auch Händler grosses Interesse, über attraktive Kollektionen zu verfügen. So überlassen die Hersteller den Händlern ganze Modelinien in verschiedenen Grössen in Konsignation.
Das hat zur Folge, dass der Hersteller seine Markenkompetenz unter Beweis stellen kann und der Händler Zugang zu attraktiven, ganzheitlichen Kollektionen hat.

Konsignation weckt Interesse
Nun ist auch die Branche der schnell drehenden Konsumgüter (Fast Moving Consumer Goods, FMCG) auf das Konsignationsmodell aufmerksam geworden. Allerdings kann das Modell nicht eins zu eins auf die Konsumgüterbranche übertragen werden. Handel und Hersteller gelangten mit der Bitte an GS1 Schweiz, eine gangbare Lösung zu erarbeiten.

In einem ersten Schritt wird versucht, das Modell auf der Stufe Verteilzentrum umzusetzen, um einheitliche, elektronisch steuerbare Waren-, Informations- und Werteflüsse sicherzustellen. Zu diesem Zweck hat GS1 Schweiz eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit der Problematik intensiv auseinandersetzt. Das zu entwickelnde Modell soll für alle Beteiligten anwendbar sein. Der erarbeitete Prozess ist in Konsignationslagerbeschickung und -entnahme aufgeteilt.

Warenlieferung auf Konsignation
Der Lagerbestand in der Verteilzentrale des Händlers befindet sich im Besitz des Lieferanten. Dieser wird über moderne Kommunikationswege laufend über den Warenbestand informiert.

Aufgrund der noch verfügbaren Ware und der getätigten Abverkäufe übermittelt der Verkäufer einen Auftrag zuhanden des Käufers und stellt dann die entsprechende Ware zur Bestückung des Konsignationslagers bereit. Alternativ gilt, dass auch der Käufer aufgrund der vorliegenden Bestandesbzw. Abverkaufszahlen die Bestellung auslösen kann.

Die beim Lieferanten zur Auslieferung bereitgestellte Ware wird dem Käufer mittels elektronischer Liefermeldung (DESADV) angekündigt und zur Bestückung des Konsignationslagers angeliefert. Die angelieferte Ware ist mittels SSCC (Serial Shipping Container Code) ausgezeichnet, sodass beim Empfänger die Anlieferung elektronisch erfasst werden kann. Damit ist der Beschickungsprozess des Konsignationslagers abgeschlossen.

Die Entnahme erfolgt durch den Käufer auf Basis seiner Filialbestellungen. Aufgrund der entnommenen Ware erstellt er eine elektronische Bestellung (Konsignationsentnahme-ORDERS) an den Verkäufer. Aufgrund dieser Bestellung, die keine Lieferung auslöst, erstellt der Verkäufer zuhanden des Käufers eine Rechnung. Diese wird dann durch den Käufer beglichen.

Probleme und Herausforderungen
Bevor der angestrebte Konsignationsprozess umgesetzt werden kann, müssen noch diverse Problemkreise geklärt werden.

Geeignete Sortimente
Damit der Prozess erfolgreich umgesetzt werden kann, bedarf es einer Klärung, welche Sortimente dafür geeignet sind. Dazu müssen klare Kriterien wie Haltbarkeit, Marken, Eigenmarken usw. vorgängig geklärt werden.

Retourenabwicklung
Genaue Klärung, wie der Prozess bei Rücknahmen durch den Käufer abläuft.

Rückverfolgbarkeit
Wer ist wann zuständig für die Sicherstellung der lückenlosen Rückverfolgbarkeit von Produkten, und wie wird dies durch den Händler sichergestellt?

Verfalldaten
Was passiert mit Produkten, deren Haltbarkeit abgelaufen ist?

Versicherungen
Wer benötigt in welchem Fall welche Versicherungspolicen, und was soll darin abgedeckt sein?

Schwund
Wer ist ab welchem Zeitpunkt zuständig für allfälligen Verlust von Ware?

Inventur
Wer besorgt die Inventur, und wie verhält es sich im Falle von Inventurdifferenzen?

EDI Messages
Wer benötigt welche EDI Messages, und welche Inhalte müssen dabei zur Verfügung stehen?

Kostenfaktoren
Welche Kostenfaktoren sind für die Umsetzung relevant?

Alle diese Fragen werden im Rahmen der zuständigen Arbeitsgruppe behandelt und diskutiert. Gemeinsam versucht man unter Einbezug von kompetenten Fachkräften, eine allgemeingültige Lösung zu erarbeiten.

Valentin Wepfer
René Bürli

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