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Digitale Wächter

Während Migros Ostschweiz bereits auf einige Jahren praktische Erfahrung mit einem überschaubaren RFIDProjekt zurückblicken kann, arbeitet der ganze Genossenschaftsbund an einem Pilotprojekt, das auf millionenfache Anwendung abzielt.


(as) Die Migros Ostschweiz hat schon seit einigen Jahren Erfahrungen mit RFID, und diese sind sehr positiv. Drahtlos überwacht werden die Temperatur der Kühlräume der Fahrzeuge und deren Einund Ausfahrtzeiten auf dem Areal in Gossau SG, von wo aus etwa 120 Filialen beliefert werden. Der Fahrzeugpark aus 80 Zugmaschinen und 160 Anhängern und Aufliegern generiert gegen 250 tägliche Einund Ausfahrten. Dabei werden an vier Lesestellen auf dem Areal die Daten erfasst.

Beständig und erfolgreich
Das System läuft stabil, meint Heinz Hauser, Leiter Transport bei der Genossenschaft Migros Ostschweiz. Mittlerweile wurden zwar die Transponder alle einmal getauscht, weil die Batterien keine Spannung mehr hatten. Die neuen Versionen sollen nun eine längere Lebensdauer haben. Dies hänge jedoch von der Zahl der Auslesevorgänge ab, so Hauser. Das einwandfrei arbeitende System, welches 2005 mit dem 3. Platz des Swiss Logistics Award ausgezeichnet wurde, ist seitdem nicht weiter modifiziert worden. «Wir können damit sehr gut leben und alle Temperaturen nachweisen», meint Hauser. Auch bei den Lesestationen oder der Software wurden keine weiteren Veränderungen vorgenommen. Die Software wurde lediglich in das Dispositionsprogramm integriert, damit der Disponent Zeiten und Temperaturen überwachen kann. Migros Ostschweiz realisiert mit dem 470 000 Franken teuren Projekt jährliche Einsparungen von 280 000 Franken. Die Logistik auf dem Areal wurde effizienter, und eine aus zwei Mitarbeitenden bestehende Werkverkehrsequipe konnte eingespart werden. Ausserdem dienen die Daten zur Tourenoptimierung. Es liegen historische Daten aller Fahrzeuge für die vergangenen drei Monate vor. Falls jedoch eine Temperaturüberwachung der Fahrzeuge in Echtzeit nötig werden sollte, müsste man die bestehende Lösung ergänzen oder eine andere Variante in Betracht ziehen, stellt Hauser fest.

RFID-fähige Mehrwegtransportbehälter
Von einem Pilotprojekt, das aber auf wesentlich grössere Volumen und die ganze MigrosGemeinschaft abzielt, berichtet hingegen René Meyer, Leiter Direktion LogistikTA beim MGB. Diesmal geht es um die Ausrüstung der über 8 Millionen bestehenden MigrosMehrweggebinde mit RFIDTechnologie. Versuche liefen bereits auf der Versorgungskette zwischen EstavayerleLac und der Migros Ostschweiz. Man hat sich mittlerweile auf einen RFIDChip festlegen können, mit dem jetzt für erste Praxiserfahrungen rund 70 000 neue Fleischgebinde ausgerüstet werden. Da Fleisch gut abschirmt, werden je zwei RFIDChips pro Gebinde angebracht. Die Daten werden nach den internationalen Standards von EPCglobal/GS1 gespeichert. Neben dem Global Returnable Asset Identifier (GRAI), welcher das jeweilige Gebinde eindeutig identifiziert, enthält der Chip zusätzlich einen frei beschreibbaren Speicherblock. Damit kann der Informationsgehalt auf einem RFIDTransponder entlang des Wertschöpfungsprozesses dynamisch angepasst, ergänzt oder reduziert werden.

Auslesen steht im Vordergrund
In diesem Fall steht für Migros weniger die Nachverfolgung von Warenwegen im Vordergrund als das rasche Auslesen des Inhalts von Gebinden und eine einfachere Kommissionierung. Vor allem möchte man herausfinden, welche nachgelagerten und nicht direkt gewollten Anwendungen und Auswirkungen sich aus dem Vorhaben ergeben. Meyer zieht dazu den Vergleich zum Barcode, der zunächst das Kassieren an der Einzelhandelskasse einfacher machen sollte und jetzt zur Steuerung der ganzen Nachschubkette dient, was so niemand vorausgesehen hat. Mitte Jahr ist ein Antrag an die Entscheidungsgremien geplant, ob RFID auf weitere Gebinde ausgedehnt wird.

Alexander Saheb

 

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