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Wann funken die EuroPaletten?

Wann funken die EuroPaletten? Die European Pallet Association (EPAL) untersucht seit 2007 den Einsatz der RFIDTechnologie in den EURHolzpaletten. Eine «getagte» Palette könnte der RFIDTechnologie zum Durchbruch verhelfen und ganze Wertschöpfungs systeme effizienter gestalten.

(jh) Seit Jahren wird von den Vorteilen der RFIDTechnologie in der Logistik gesprochen, viele Pilotprojekte wurden durchgeführt und wichtige Erfahrungen gesammelt. Auch die Palettenbewirtschaftung würde damit in eine neue Dimension vorstossen. Viele akute Probleme im grössten Palettenpool der Welt könnten beseitigt werden. Doch sind der Markt und die Technologie dazu bereit?

Die Euro-Palette als Erfolgsmodell
Die EPAL hat die Zielsetzung, die Qualität der PoolPaletten in den Ländern zu garantieren und einheitliche Tauschkriterien durchzusetzen. Die EPAL ist seit dem 1. Januar 1995 tätig, den Gründungsländern Deutschland, Frankreich und Schweiz haben sich bis heute 11 Nationalkomitees angeschlossen. Pro Jahr werden rund 65 Millionen EPALPaletten hergestellt. Dazu besteht ein Netz von rund 1500 EPALLizenznehmern in über 30 Ländern weltweit. Dieser offene Palettentauschpool mit rund 400 Millionen im Umlauf stehenden Paletten ist der grösste und wichtigste der Welt.

Fälschungen, Schwarzmarkt und Ausstieg
Die Paletten werden nach dem «Zug um Zug»System getauscht. Dabei erhält der Versender vom Empfänger jeweils die gleiche Anzahl tauschfähiger Paletten zurück. Das System arbeitet am wirtschaftlichsten, wenn auch der Spediteur in den Tausch eingebunden wird. Damit können die kostspieligen Rücktransporte minimiert werden. Obschon die Tauschkriterien klar geregelt sind, erweist sich die Umsetzung in der Praxis als recht schwierig: eine beladene Palette kann nicht zu 100 Prozent kontrolliert werden. Im Lauf der Zeit haben sich die Markierungen auf den Klötzen verändert, somit sind Fälschungen teilweise nur von Experten erkennbar. Schwund und ein blühender Schwarzmarkt sind die Folge. Die sinkende Qualität der Paletten verbunden mit den steigenden Holzpreisen und hohen Bewirtschaftungskosten haben die Transportbranche dazu bewogen, aus dem Tauschgeschäft auszusteigen. Der Entscheid hat zu Verunsicherung in der Wirtschaft geführt. GS1 Schweiz hat zusammen mit der Astag einen Lösungsansatz erarbeitet. Für den «Zug um Zug»Tausch kann seit dem 1. Januar 2008 der Spediteur dem Verlader pro Palette eine Dienstleistungsgebühr von einem Franken verrechnen. Obwohl der Markt auch geschlossene und kostenpflichtige Mietsysteme wie CHEP, LRP, PAKi und andere anbietet, ist der EPALPalettentausch für den nationalen Verkehr nach wie vor die Nummer eins.

Das Projekt «EPAL RFID System»
Das veränderte Marktumfeld hat die EPAL bewogen, in Zukunft alle Paletten eindeutig zu identifizieren. Eine Arbeitsgruppe traf 2007 erste Abklärungen. Mit dem EPAL RFIDProjekt will die Organisation die Machbarkeit und den Nutzen der funkgestützten Technologie für die Kennzeichnung der Paletten abklären und Entscheidungsgrundlagen für die Umsetzung schaffen. Die Auszeichnung der Paletten mittels RFIDChips stellt für alle beteiligten eine WinwinSituation dar. Die Vorteile für die EPALPalettenBenutzer:
• ermöglicht eine automatische Identifikation der Paletten (RFID und Barcode),
• OnlineQualitätsüberprüfung jeder Palette,
• effizientes Management der Paletten (Assetmanagement),
• Nutzung von RFID in den Wert
• schöpfungsketten. Die Organisation EPAL erwartet folgendes Nutzenpotenzial:
• Effizienz und Transparenz in den Prozessen zu den EPALLizenznehmern,
• Reduktion von PalettenFälschungen,
• Identifikation von Schwarzmärkten,
• Erfüllen der Kundenanforderungen. Ende 2008 konnte die technische und praktische Machbarkeit im Rahmen eines Pilotprojekts beim Palettendienstleister Holliger AG in der Schweiz nachgewiesen werden. Als Technologiepartner stand die Swisscom Auto ID zur Verfügung. Insgesamt wurden
1000 Paletten mit einem RFIDTag bestückt und die Prozessüberwachung mit fünf RFIDGates sichergestellt. Die verwendeten Tags basierten auf den GS1 EPCglobal UHF Gen 2 Standards. Die Befestigung erfolgte mit zwei Nägeln auf der Stirnseite des Mittelbretts. Die Erfahrungen aus dem Pilotversuch haben gezeigt, dass die Machbarkeit grundsätzlich gegeben ist. Für die Umsetzungsplanung und insbesondere für die Entscheidungsfindung der EPAL waren jedoch weitere Abklärungen notwendig. Das Projektteam hat den Antrag zur Durchführung der Phase II «Prototyp 2009/10» gestellt. Die Projektphase soll zu detaillierten Kenntnissen führen und Antworten auf zentrale Fragen liefern wie: Welche Standards verlangt die Wirtschaft, und wie können die Tags an der Holzpalette befestigt werden?

GS1 Standards – der Schlüssel zum Durchbruch
Während des Projekts zeichnete sich ab, dass der Einsatz der GS1 EPCglobal Standards die richtige Wahl ist, da deren Verbreitung im Konsumgüterbereich bereits gegeben ist. Unter der Leitung von GS1 Europe erarbeiteten Fachleute aus den verschiedensten Branchen die Richtlinien für das «pallet tagging». Als europäische Organisation war es für EPAL wichtig, dass die Kennzeichnung der Paletten nur in Abstimmung mit international gültigen Standards erfolgen kann. Der erarbeitete Vorschlag muss noch bewilligt werden, sieht aber folgende Eckpunkte vor:
• Tag EPC Gen2 Class1 (UHF),
• GRAI96 (serialisierte Global Returnable Asset Identifier),
• Minimum zwei Tags (je einer an der
• langen und kurzen Seite), • optionaler User Memory,
• Darstellung des GRAI im GS1128
Strichcode. Die im RFIDTag gespeicherte Seriennummer der Palette wird auf Anregung der Benutzer zusätzlich im GS1128 Strichcode dargestellt. So ist in einer Übergangsphase gewährleistet, dass auch Teilnehmer ohne RFIDInfrastruktur von den Vorteilen der standardisierten Identifikation profitieren können und Zugriff auf das System haben.
Die RFIDTransponder werden jeweils auf dem mittleren Querbrett der langen und kurzen Seiten angebracht. Zurzeit werden verschiedene Befestigungsverfahren getestet: Klebeverfahren, Schweissverfahren und Befestigung mittels Nagelverfahren.

Die intelligente Palette
Bei jedem Lesevorgang werden die eindeutige Identifikation der Palette, die GS1 Basisnummer des Unternehmens, Zeit, Ort und Vorgang via Internet an die zentrale EPALDatenbank übermittelt. In der Datenbank werden alle Ereignisse der EPALLizenznehmer gespeichert. So können in Zukunft die EPALinternen Prozesse automatisiert und die Abläufe betreffend Lizenzgebühr vereinfacht werden. Fälschungen oder nicht qualitätsgeprüfte Paletten werden sofort erkannt. Selbstverständlich können auch die Benutzer auf die Datensammlung zugreifen und Statusinformationen über Paletten abrufen. Da es sich um beschreibbare RFIDTags handelt, können in einem separaten Speicher zusätzliche Informationen wie die eindeutige Identifikation der Versandeinheit (Serial Shipping Container Code, SSCC) auf den Palettentag geschrieben werden. Durch die eindeutige Identifikation der Palette ist ein effizientes und transparentes Poolhandling möglich, und es eröffnen sich neue Geschäftsmodelle. Tracking und Tracing von Paletten werden in naher Zukunft problemlos möglich sein. EPAL ist überzeugt, dass die Einführung der RFIDPalette nur eine Frage der Zeit ist. ||

Joachim Heldt

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