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App ersetzt die Kundenkarten

Eine neue App auf dem Smartphone ersetzt die zahlreichen Kundenkarten. Anstatt die Karte zu zücken, einfach den Strichcode auf dem Handydisplay scannen und fertig. Kein Suchen nach der richtigen Karte mehr. Drei Studenten haben das Programm entwickelt.

(jh) Sie stehen im Supermarkt an der Kasse. Und auf die Frage nach der Kundenkarte geht das Suchen los. Kundenkarten im Scheckkartenformat sind beliebt. Ein oder zwei Karten, das geht ja noch, aber da kommen noch Kreditkarten, Bankkarten, Fahrzeugausweis, Halbtax-Abonnement, Krankenkassenausweis und weitere dazu. So sammeln sich schnell mal an die zehn unterschiedliche Plastikkarten an.

Kuka adieu
Drei Studenten der Universität Mannheim haben jetzt eine App für das iPhone und für Android-Smartphones entwickelt, welche die Kundenkarten ersetzen soll. Stocard, so heisst das kleine Programm, macht das Handy zur digitalen Kundenkarte (http://www.stocard.de). Das Prinzip ist denkbar einfach: Mit der Kamera des Smartphones wird der Barcode der Kundenkarte eingescannt; die App erstellt die dazu passende digitale Kundenkarte. Stocard wurde sogar von Apple als eine der besten Apps des Jahres 2011 ausgezeichnet. Karten ohne Barcode können über die Tastatur des Smartphones eingegeben werden. Um eine Karte hinzuzufügen, wählt man den Händler aus einer Liste von voreingestellten Kundenkarten. Sollte eine Kundenkarte nicht aufgeführt sein, ist das kein Problem: einfach den Namen des Händlers selbst eingeben, Barcode scannen oder eintippen und fertig ist die digitale Kundenkarte. So erhalten Sie im Geschäft weiterhin alle Rabatte und Punkte. Anstatt sich durch alle Kundenkarten zu wühlen, genügt es nun, an der Kasse das Smartphone mit der digitalen Kundenkarte zu zeigen. Probleme kann es momentan noch beim Einlesen des digitalen Barcodes geben, dann nämlich, wenn Geschäfte noch veraltete Scannertechnologien einsetzen. Auch David Handlos, Geschäftsführer von Stocard, kennt die Misere: «Leider benutzen manche Händler immer noch veraltete Systeme wie Laserscanner oder Flachbettscanner statt moderner Imager. Diese älteren Scanner können aufgrund ihrer Beschaffenheit keine Handydisplays auslesen», sagt er. «In diesem Fall kann man an der Kasse aber trotzdem die digitale Kundenkarte in der App vorzeigen und die Kundennummer eintippen lassen.»

Original oder digital
Laut den Stocard-Erfindern akzeptieren die meisten Geschäfte, Airlines und Hotels die digitalisierten Kundenkarten. Die Rezensionen im App Store lauten aber etwas anders. Die App wird als genial und super bezeichnet, aber offensichtlich gibt es da und dort Probleme. Laut einem Eintrag werden die Mitarbeitenden bei Coop dazu angehalten, diese Form der Coop Supercard nicht zu akzeptieren. Wir haben bei Coop nachgefragt. «Gemäss den Allgemeinen Vertragsbedingungen zur Supercard darf ein Teilnehmer am Supercard-Programm nur die originale Supercard verwenden. Es ist untersagt, die Supercard und den sich darauf befindenden Strichcode zu kopieren oder auf andere Weise zu vervielfältigen. Diese Bestimmung wurde aus Sicherheitsgründen ergriffen. Wir haben das Kassenpersonal darauf hin geschult, dass nur Original-Supercards entgegengenommen und keine kopierten Karten oder Strichcodes eingelesen werden dürfen, um möglichst den Missbrauch von Supercards auszuschliessen. » Auch bei Migros gibt es Probleme mit dem digitalen Strichcode. Hier liegt das Problem bei den Scannern. Die Ablösung der älteren Modelle durch die neuen Imager erfolgt laufend. Ansonsten akzeptiert Migros den Cumulus- Code wie auch immer – ob Originalkarte, Kleber oder auf dem Handydisplay. Trotz vereinzelter Kritik schaffte es die App in Deutschland kurz nach der Veröffentlichung im September 2011 unter die Top 30 der deutschen Download- Charts im iTunes-Store. Die drei Studenten arbeiten bereits an der Erweiterung: Künftig sollen Angebote und Coupons zu den einzelnen Kundenkarten in der App angezeigt oder per Benachrichtigung an die Nutzer gepostet werden. Das hört sich alles gut an, doch der Handel schläft nicht. Der App-Dschungel wird immer dichter. Die Aktions-Apps von Denner, Lidl und Aldi sind unter den Top Ten im iTunes- Store gelistet. Und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Migros- und Coop-Apps mit der Kundenkarte kombiniert werden können.

Joachim Heldt

Download und Anzahl Apps

Der Apple App Store, die Download-Plattform für iPhone, iPod Touch und iPad, hat im März 2012 die Marke von 25 Milliarden heruntergeladener Apps überschritten. Nach dem Start des App-Geschäfts im Juli 2008 dauerte es neun Monate bis zur ersten Milliarde, und im Januar 2011 wurde die Download-Anzahl von zehn Milliarden überschritten. Der Android Market zählt per Dezember 2011 zehn Milliarden Downloads. iPhone-User haben im App Store derzeit Zugriff auf rund 500 000 Apps. Das Wachstum wird mit 10 Prozent angegeben. Auf Platz 2 folgt der Android Market mit rund 390 000 Anwendungen. Das Wachstum ist mit 11 Prozent ähnlich.

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