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Logistik oder Supply Chain Management?

Logistik oder Supply Chain Management?Diese zwei Begriffe führen immer wieder zu Irritationen. Löst das Supply Chain Management gar die Logistik als Fachgebiet ab? Welche Wege führen zu welchen Jobs? Wie sollen sich Weiterbildungsinteressierte orientieren?

(hb) In der Literatur finden sich unterschiedliche Definitionen der Begriffe «Logistik» und «Supply Chain Management». Wir stellen in der Folge dar, was gemeint ist, wenn GS1 Schweiz diese beiden Begriffe verwendet.

 

Die Logistik
Der Begriff «Logistik» lässt sich wie folgt definieren: Logistik ist die Organisation, Planung, Steuerung, Abwicklung und Kontrolle des gesamten Warenflusses mit den damit verbundenen Informations- und Werteflüssen. Historisch hat die Logistik ihren Ursprung im Militärwesen. Sie stellte den Nachschub für die Kämpfer sicher, oder genauer: Die Logistik beinhaltete die Verwaltung, Lagerung und Steuerung des Transports der für die Kriegsführung notwendigen Güter (Waffen, Munition, Verpflegung usw.) zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort. In den letzten Jahrzehnten hat die Logistikbranche tief greifende Veränderungen durchgemacht. Damit hat sich auf das Berufsbild verändert. Die hohe Kunst der Logistik besteht heute darin, alle betriebsinternen und unternehmensübergreifenden Güter, Materialund Informationsflüsse so zu planen, zu koordinieren und zu steuern, dass wir täglich unser frisches Brot kaufen können, die Internetbestellungen ausgeliefert werden und das neue Auto zum vereinbarten Termin beim Händler abholbereit ist. Der Kunde und die Kundin stehen in der Logistik an erster Stelle.

Berufsbilder in der Logistik
Logistikleiterinnen und Logistikleiter übernehmen im Logistikmanagement Führungs- und Leitungsaufgaben. In Produktions-, Handels und Dienstleistungsbetrieben sind sie mit komplexen Aufgaben der inner- und überbetrieblichen Logistik betraut und leiten die Entwicklung, Einführung und Umsetzung von Logistikkonzepten. Sie analysieren und optimieren insbesondere den Waren und Informationsfluss und übernehmen die Verantwortung für einen oder mehrere Bereiche der Unternehmung oder den gesamten Logistikbereich. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zum nachhaltigen Unternehmenserfolg und zur Kundenzufriedenheit. Die Logistikkader entwickeln prozessorientierte, integrierte Konzepte und Strategien für den LogistikGesamtprozess, aber auch für die Teilprozesse Beschaffungs-, Produktions, Lager, Distributionsund Entsorgungslogistik. In der prozessorientierten und gesamtheitlich zu optimierenden Logistik sind Generalisten gefragt. Die Logistikleiterin und der Logistikleiter führen Managementfunktionen im Feld der Unternehmenslogistik aus. Als Linienvorgesetzte, aber auch als Projektleiter/in oder Fachspezialist/in erledigen sie primär konzeptionellplanerische Aufgaben in einem oder mehreren Logistikbereichen der Unternehmung. Als Mitglieder des oberen Kaders übernehmen sie Aufgaben auf Unternehmensebene. Sie sind in der Lage, auf oberster Kaderstufe zu führen und/ oder den Gesamtprozess von den Lieferanten bis zur Kundin bzw. zum Kunden zu optimieren.

Die Logistikleiterin und der Logistikleiter übernehmen die Verantwortung für die reibungslose Versorgung der Kundschaft über den gesamten Logistikprozess und tragen so zur Wertschöpfung im Unternehmen bei. Ein wichtiger Teil dieser Verantwortung besteht aus der systematischen, kontinuierlichen Verbesserung der Nachhaltigkeit aus einer gesamtheitlichen Sicht. Diese gesamtheitliche Sicht umfasst die zueinander ausgewogenen Aspekte der wirtschaftlichen, der ökologischen und der sozialen Nachhaltigkeit. Insbesondere sorgen die Logistikleiterin und der Logistikleiter dafür, dass die staatliche Umweltpolitik und die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen im eigenen Unternehmen, in den relevanten Bereichen umgesetzt werden.

Das Supply Chain Management
Der Ausdruck «Supply Chain Management» (SCM) oder «Lieferkettenmanagement» bezeichnet die Pflege, Planung und das Management der Beziehungen und der Zusammenarbeit aller am Wertschöpfungssystem beteiligten Unternehmen und Organisationen. Dabei wird der komplette Weg des Produkts mit den dazugehörigen Geld und Informationsströmen vom Zulieferer über den Hersteller und den Handel bis hin zum Kunden betrachtet. Das Supply Chain Management ist eine Erweiterung des LogistikBegriffs. Dabei gibt es zwei wichtige Unterschiede zwischen SCM und Logistik. Die Logistik beschäftigt sich vor allem mit den Informationsund Güterflüssen eines einzelnen Unternehmens. Das Augenmerk liegt hier auf den innerbetrieblichen Prozessen sowie den Informations- und Güterströmen von und zu den unmittelbaren Geschäftspartnern. Dagegen betrachtet das Supply Chain Management das komplette Netzwerk vom Rohstofflieferanten zum Endverbraucher, ohne auf Unternehmensgrenzen zu achten. Eine solche Netzwerkorientierung zählt zu den Erfolgsfaktoren für Unternehmen. Zusätzlich zu den Material und Informationsströmen werden beim SCM auch die Geldströme betrachtet.

Die Profession
Die Supply Chain Managerin und der Supply Chain Manager übernehmen im Lieferkettenmanagement Projekt und Führungsaufgaben. In Produktions-, Handels und Dienstleistungsbetrieben sind sie mit komplexen Aufgaben der über und innerbetrieblichen Logistik betraut und leiten die Entwicklung, Einführung und Umsetzung von Demand und Supply-Chain-Konzepten. Das Supply Chain Management zielt auf eine strategische, taktische und operative Verbesserung der Effektivität und Effizienz von Wertschöpfungsketten ab. Supply Chain Manager/innen analysieren und optimieren die Waren und Informationsflüsse, berücksichtigen die Finanzströme als integrierten Bestandteil ihrer Aufgaben und koordinieren alle beteiligten Partner. Im Rahmen der Verantwortung als Fachspezialisten für die gesamte Wertschöpfungskette leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Kundenzufriedenheit und damit zum nachhaltigen Unternehmenserfolg. Je nach den Bedürfnissen des Unternehmens ergeben sich verschiedene Funktionen im Supply Chain Management. So ist ein Einsatz als Fachspezialist/in, Projektleiter/in, Change Agent oder Linienmanager/in möglich. Je nach Unternehmensgrösse und organisatorischen Strukturen sind die entsprechenden Stellen auf allen Hierarchiestufen angesiedelt. Supply Chain Manager/innen verhandeln auf verschiedenen Ebenen mit Geschäftspartnern. Idealerweise sprechen sie mehrere Sprachen und verfügen über eine hohe Sozial, Methoden und Führungskompetenz.

Und nun – wie weiter?
So umfassend wie das Angebot, so vielfältig sind auch die Weiterbildungsmöglichkeiten in der Branche. Sie reichen vom Lageristen, der Einkäuferin, dem Logistikleiter bis zur Supply Chain Managerin und führen bis hin ins Management. Das Vorurteil, dass es sich bei den Logistikberufen um schmutzige und schwere Arbeit handelt, ist dank Einsatz von Technik und Hilfsmitteln schon lange nicht mehr zutreffend. Obwohl die Branche häufig als Männerwelt verkannt wird, nimmt der Frauenanteil in der Logistik langsam zu. In Europa beträgt er laut Umfrage der Europhia Consulting 21 Prozent. Die Befragten sind der Meinung, dass sowohl Hochschulen als auch die Branche insgesamt mehr tun sollten, um Frauen zu ermutigen, eine Karriere in der Logistik aufzunehmen. Mit dem wachsenden Stellenwert der Branche steigt auch der Bedarf an qualifizierten Fach und Führungskräften. Die Wirtschaft braucht Spezialisten in den verschiedenen Prozessbereichen und auch Generalisten im Sinne von Logistikfachleuten, Logistikleitern und Supply Chain Managern. Die Berufsbilder sind heute fester Bestandteil in jedem Unternehmen.

Überall auf der Welt, ob in China oder Ostermundigen, planen und steuern Expertinnen und Experten logistische Prozesse, damit die richtige Ware in der richtigen Menge in der richtigen Qualität beim richtigen Kunden zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und zu den richtigen Kosten zur Verfügung steht. Der Logistik und dem Supply Chain Management gehören die Zukunft.

Hans Bossard

 

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