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Auf Stellensuche mit Facebook und Co.

Jobsuche über Social Networks ist populär. Laut dem 3. Trend Report Online Recruiting gehen 78 Prozent der Deutschschweizer über das Businessportal Xing auf Jobsuche. Auf der Arbeitgeberseite nutzen 28 Prozent der Unternehmen die sozialen Netzwerke für die Stellenausschreibung.

(ak)Die Arbeitsmarktstudie der Prospective Media Services AG analysiert die Entwicklungen bei der Personalbeschaffung im Online-Bereich im Jahr 2011. Das Fazit gleich vorweg: Facebook und Co. verändern die Rekrutierungslandschaft, und dank der Verbreitung von Smartphones entwickelt sich das Mobile Recruiting zum nächsten Trend.

Neun von zehn Stellensuchenden nutzen das Internet
Die Studie, die auf einer Umfrage unter mehr als 2200 Personen basiert, hat interessante und richtungsweisende Resultate zutage gebracht: Reine Online- Plattformen sind nach wie vor die beliebteste Anlaufstelle für Stellensuchende. Soziale Netzwerke gewinnen jedoch zunehmend an Bedeutung.
Auch Unternehmen setzen für die Personalsuche vermehrt auf alternative Kanäle. Social Networks haben der Rekrutierung neue Möglichkeiten eröffnet, sie aber auch vor Herausforderungen gestellt. So rückt die Online- Reputation, sprich «der gute Ruf», von Bewerbern und Arbeitgebern zunehmend in den Fokus.
Online-Instrumente sind aus der Rekrutierung kaum mehr wegzudenken. Das älteste Online-Rekrutierungsinstrument, die Stellenbörse, ist gesamtschweizerisch gesehen mit 89 Prozent nach wie vor das beliebteste Werkzeug. In der Westschweiz hingegen sind überraschenderweise Anzeigen in Printmedien noch immer wichtiger als Online-Plattformen. Gesamtschweizerisch rangiert Print an zweiter Stelle, gefolgt von persönlichen Kontakten, Anzeigen auf Firmenwebsites und Personalberatungen.
Mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke hat in der schweizerischen Rekrutierungslandschaft ein Wandel eingesetzt. Während alle anderen Stellenausschreibungsplattformen im Vergleich mit dem Vorjahr rückläufige Tendenzen aufweisen, haben Social Networks beträchtlich an Bedeutung gewonnen.

Internet-StellenbörsenDeutliche Zunahme der Stellensuche über Social Networks
Der Trend Report zeigt auf, dass Arbeitnehmer zunehmend vom Web 2.0 Gebrauch machen, um nach Vakanzen zu suchen. So greift mittlerweile jeder Fünfte bei der Stellensuche auf Social Networks zurück. In der Deutschschweiz hat Xing ganz klar die Nase vorn: 78 Prozent der Deutschschweizer suchen Jobs über das Businessportal. Facebook liegt mit 41 Prozent an zweiter Stelle. LinkedIn wird lediglich von 27 Prozent genutzt.
Interessanterweise zeigt sich jedoch in der Romandie ein anderes Bild: Die Westschweizer nutzen mit 80 Prozent am häufigsten Facebook, gefolgt vonLinkedIn mit 42 Prozent. Nur 13 Prozent geben an, Xing für die Stellensuche einzusetzen. Dieser Unterschied in der Beliebtheit der Netzwerke erstaunt aber wenig, schliesslich ist Xing vorwiegend im deutschen Sprachraum bekannt, während Facebook und LinkedIn international über die Sprachgrenzen hinaus viel stärker verbreitet sind.
Auch auf Arbeitgeberseite erfahren Social Networks eine immer häufigere Nutzung: Bereits 28 Prozent (2010 waren es noch 16 Prozent) der befragten Unternehmen setzen die sozialen Medien für Stellenausschreibungen ein. Nicht alle Unternehmen aber machen von den Möglichkeiten gleich stark Gebrauch: Während sich einige sehr professionell mit dem Thema auseinandersetzen, bedient sich das Gros der Unternehmen dieser Instrumente nur selektiv.

Noch viel Potenzial im Web 2.0
In den vergangenen Jahren wurde festgestellt, dass innovative Ansätze in der Rekrutierung eher selten sind. Offene Stellen werden üblicherweise an den zu erwartenden Orten ausgeschrieben. Viele Unternehmen Iassen die Möglichkeit einer aussergewöhnlichen Platzierung von Angeboten ungenutzt und beziehen Display Ads, Facebook Ads, Blog-Anzeigen sowie Spots auf IP-TV nicht in die Stellenausschreibung mit ein. Auf diese Weise können aber Personen angesprochen werden, die nicht aktiv auf Stellensuche sind. Im Vergleich zum Vorjahr ist in diesem Bereich ein signifikanter Wandel spürbar: Die Zahl derjenigen, die im Internet schon einmal an einer für sie überraschenden Stelle auf eine Jobanzeige gestossen sind, hat sich von 6 Prozent auf 12 Prozent verdoppelt.
Weiter bietet auch Facebook grosses Rekrutierungspotenzial. Während sich viele der Befragten vorstellen können, einen Job über Facebook zu suchen, sind die Arbeitgeber diesbezüglich eher zurückhaltend. Unternehmen erachten Facebook als Freizeitnetzwerk und zögern, offene Stellen auf dieser Plattform auszuschreiben.

Die Online-Reputation wird für Stellensuchende immer wichtiger
Zahlreiche Internet-Nutzer sind sich immer stärker bewusst, dass publizierte Online-Inhalte wie Fotos oder Videos beim Googeln schnell gefunden werden können. «Ego-Googeln» wird vermehrt zur Kontrolle der eigenen Online-Reputation eingesetzt. Auch Arbeitgeber achten auf die elektronischen Spuren der Stellenbewerber: 72 Prozent der Befragten gaben an, einen Kandidaten im Vorfeld zu screenen. Bereits in jedem vierten Unternehmen wurde schon einmal ein Bewerber aufgrund negativer Ergebnisse des Online-Monitorings nicht eingestellt.
Der eigenen Web-Reputation räumen eine Vielzahl der Unternehmen allerdings keinen hohen Stellenwert ein. Für knapp die Hälfte ist sie nicht von Interesse. Ein Grund für diese Unbekümmertheit könnte die Unterschätzung extern publizierter Informationen sein. Viele Unternehmen sind der Ansicht, extern publizierte Informationen verfügten über weniger Relevanz als selbst ins Internet gestellte Inhalte. Auch hier macht sich der Röstigraben bemerkbar: Während die Deutschschweizer die selbst publizierten Informationen als deutlich relevanter einstufen, gehen die Westschweizer von einer gleichwertigen Bedeutung aus.

In Zukunft nur noch Mobile Recruiting?
Mobile Recruiting könnte der nächste grosse Trend in der Personalarbeit werden. Technisch gesehen steht dem jedenfalls nichts im Wege. Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones könnte die Rekrutierung über das Handy rasch vorangetrieben werden. Das Interesse an diesem Thema erfährt auf Unternehmensseite eine stetige Zunahme: Während 6 Prozent der befragten Unternehmen bereits erste Erfahrungen mit dem Mobile Recruiting gemacht haben, prüfen 17 Prozent (im Vorjahr waren es noch 13 Prozent) entsprechende Möglichkeiten und können sich einen Einsatz der mobilen Rekrutierung durchaus vorstellen.

Wozu noch Personalberater?
Durch die immer bessere Verfügbarkeit von aktuellen Online-Daten der Stellensuchenden sollte es ein Leichtes sein, den optimalen neuen Mitarbeiter zu finden. Offenbar ist aber häufig das Gegenteil der Fall. Immer mehr Unternehmen stellen fest, dass die Quantität an verfügbaren Daten von Interessenten zwar zunimmt, nicht aber deren Qualität und Passgenauigkeit. Das Screening und die Ansprache all der verfügbaren möglichen «Online-Kandidaten» werden eher komplexer und aufwendiger. Als Personalrekrutierungs- Dienstleister erhalten wir deshalb von suchenden Unternehmen zunehmend die Bitte um Unterstützung, da die eigene Rekrutierung nicht erfolgreich war.
Wechselwillige, fähige Spezialisten und Kaderpersönlichkeiten in Logistik, Einkauf, Transport und Supply Chain Management sind und bleiben rar. Das Finden der berühmten «Nadel im Heuhaufen» bleibt trotz Social Networks und Mobile Recruiting kein einfaches Unterfangen. Ein Trend, welcher sich in den nächsten Jahrzehnten aufgrund der demografischen Entwicklung und des daraus entstehenden Fachkräftemangels in der Schweiz und in Europa mit Sicherheit weiter verschärfen wird.

Andreas König
Logjob AG

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