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Farbenspiel im Handel

Farbenspiel im HandelDas Einkaufen im Hiebermarkt in Grenzach (Deutschland) ist ein Erlebnis. Im Einzugsgebiet der Schweizer Konsumenten hat das Familienunternehmen am Rheinknie einen Supermarkt gebaut, der Frische und Innovation ausstrahlt.

(jh) Der Supermarkt ist von Weitem schon zu erkennen. Das 88 Meter lange und 66 Meter breite, freistehende Gebäude setzt in Grenzach-Wyhlen einen städtebaulichen Akzent. Ein schnörkelloser Grundriss.

Aussen bestimmen gerade Linien die Formgebung. Der Eingangsbereich ist voll verglast. Die Ladenfläche beträgt 3500 Quadratmeter, die Raumhöhe 6,3 Meter. Das gibt Luft. Es hat Platz. Wir staunen und gucken uns um. Das Ladenlayout ist grosszügig. Wir fühlen uns nicht eingeengt. Eine angenehme Beleuchtung, warme Farben und freundliches Personal vermitteln eine Atmosphäre, die zum Wohlfühlen und Verweilen einlädt.

Die Anordnung der Warengruppen ist schon beim Betreten zu erkennen. Die Regalhöhe beträgt 1,6 Meter. Das gibt Überblick. Themeninseln in geometrischen Formen beherrschen das Innere. Die gute Kennzeichnung hilft bei der Orientierung. Sie heissen Babystrasse, Getreideplatz oder Pumpernickelweg.

Farben fallen auf
Das Farbleitsystem ist augenfällig. Gleich zu Beginn steht die Obst- und Gemüseabteilung. Das frische Grün vermittelt Ruhe und stärkt das Auge für andere Eindrücke. Grün steht für Frühling und fruchtbare Wiesen. Frisches Obst und Gemüse wird wie auf dem Wochenmarkt in Körben präsentiert. Die Frischeinsel bietet je nach Saison etwa 100 Produkte an. Neben Exoten aus den unterschiedlichsten Ländern finden wir auch viele Bioprodukte. Gärtnereien und Biobauern aus der Gegend haben sich zu einem Ökoring zusammengeschlossen und liefern saisonales Gemüse und Obst. Die Initiative hat Seniorchef Jörg Hieber ins Leben gerufen. «Der Anteil aus der Gegend liegt bei 40 Prozent», erklärt Sven Stiegler, Marktleiter in Grenzach. In der Kühltheke werden in Frischeschalen geputztes und geschnittenes Gemüse und Salate angeboten.

Für die Frische, Breite und Tiefe des Sortiments wurden letztes Jahr gleich zwei Hiebermärkte ausgezeichnet. Den Chilled Food Award 2008 erhielt das Frische Center in Binzen. Der Markt in Weil erhielt unter 1028 Mitbewerbern in Deutschland den Preis «Mein Lieblingsmarkt » in der Kategorie Obst und Gemüse. Auch mit der Kindergartenund Schulaktion hat der Markt in Weil bei der Jury gepunktet. Die Stärke des Händlers liegt ganz klar beim Frischesortiment. Über 55 Prozent beträgt der Anteil am Umsatz.

Erlesene Weine
Gleich nach der grünen Oase gelangen wir in die Weinabteilung. Das Licht scheint hier orange-gelblich und wirkt dezent. Auf dunklem Holzboden stehen übersichtlich angeordnet die Weinregale. Sie bilden eine Einheit. Hier werden mehr als 2300 verschiedene Weine unterschiedlicher Herkunft angeboten, darunter auch ausgesuchte Bioweine.

Wir werden auf einen langen Holztisch aufmerksam. Auf der dicken Tischplatte stehen, gut in Szene gesetzt, lokale Weine und ausgewählte Spirituosen. «Jeden Samstag finden hier Weinverkostungen statt», erklärt der Weinfachberater Baldo Clementi. Teil der Marketingstrategie ist auch der 2007 gegründete Weinbeirat. Er unterstützt die Weinfachberater mit Ideen und Tipps und hilft bei der Sortimentsgestaltung mit. Ergänzend zum Sortiment werden Weinreisen oder Weinseminare angeboten. Auf der Weinradtour 08 standen Bioweine im Mittelpunkt. «Das Angebot stösst auf wachsendes Interesse», so Clementi. 

Moderne Technik im Einsatz
An allen Regalen sind elektronische Preisschilder angebracht. Ein zentrales System steuert die Preisanzeige. Keine Klebeetiketten verunstalten die Produkte. Die batteriebetriebenen LCD-Preisschilder sind mit einem kleinen Funkempfänger und einer Miniantenne ausgerüstet. Neben dem Verkaufspreis kann so auch der 100-GrammPreis angezeigt werden.

Die elektronischen Preisschilder können aber noch mehr. Sonderangebote werden durch Blinken visualisiert, und für das Personal können Regal- und Bestellmenge kommuniziert werden. Die Daten werden im Warenwirtschaftssystem erfasst und über ein Funknetz an die einzelnen Preisschilder übertragen. Der aufgedruckte Strichcode unterstützt das Personal bei der Nachbestellung.

Von der Region für die Region
Unsere Blicke schweifen über die Regale. Wir finden uns gut zurecht. Dort drüben leuchtet das kühle Blau der Fischabteilung und signalisiert uns Frisches aus dem Meer. Die Fleischabteilung präsentiert sich in kräftigem Rot. Die langen Bedientheken für Fleisch und Wurst sind grossflächig und übersichtlich.

Auch hier stossen wir auf Produkte aus der Region. Der Händler unterstützt die ökologische Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung. Als regionaler Frischeanbieter versteht der Detaillist unter Regionalität, dass die ganzen Prozesse wie Aufzucht und Schlachtung, Zerlegung und Produktion von Wurstwaren in der Region stattfinden müssen. 

Ein richtiger Hingucker ist die grosse Frischetheke in der Mitte des Marktes. Auf der Längsseite wird ein reichhaltiges Käsesortiment angeboten. Auf der anderen Seite liegen übersichtlich arrangiert italienische Spezialitäten. Am Wochenende demonstriert hier der Pastachef Rafaele Solito sein Können. In einer eigenen Pastaküche wird der frische Teig hergestellt. Gekonnt füllt Solito die Teigstücke mit leckeren Inhalten. In der Kühltheke liegen die frischen Tortelloni und Co. Die hausgemachte Pasta wird von hier auch an die anderen Frische Center ausgeliefert.

Klare Formen
Auffallend ist die Anordnung der Verkaufsgestelle. Die Regalenden weisen die Form eines Ypsilons auf. Jeweils zwei dieser Ypsilongestelle bilden eine Einheit. In der Mitte steht ein gerades Verkaufsregal. Zusammen bilden sie Produktegruppen, die Knabberstrasse, Brotweg oder Bonbonplatz heissen. «So sind Shop-in-Shop-Präsentationen möglich», erklärt Sven Stiegler. Wir sehen in keine Regalschluchten, sondern blicken immer auf Produkte, egal wo wir stehen. In den einzelnen Themenstrassen ist viel Platz für den Kunden. Er braucht keinen Slalomlauf zu absolvieren, hier kommen spielend zwei Einkaufswagen aneinander vorbei. Ganz anders die Warenpräsentation bei den Artikeln für Körperpflege und Kosmetika. Hier sind die Warenträger ovalförmig angeordnet. Die Produkteinseln sind gut gekennzeichnet. Wir finden sofort, was wir suchen. «Auch bei dieser Anordnung nehmen wir in Kauf, dass wir weniger Artikel platzieren können als bei den herkömmlichen Verkaufsgestellen», ergänzt der Marktleiter Sven Stiegler. 

Schlemm-meer-bar
Die Frischfischabteilung weist eine Besonderheit auf: Nebst der Kühltheke, die die Form eines Segelschiffes aufweist, kann sich der Kunde in der Auslage den Fisch selber aussuchen und gleich vor Ort zubereiten lassen. Gebraten, gegrillt oder gedünstet, der Koch kennt sein Handwerk. Serviert wird der Fischteller auf Wunsch mit einem Glas Prosecco oder einem lokalen Weisswein.

Zum Schluss erreichen wir den Back- Shop. Hier riecht es nach frischem Brot. Der Verkaufsstand ist in den Farben Gelb und Braun gehalten. Im Gegensatz zu anderen Supermärkten befindet sich der Back-Shop innerhalb der Verkaufszone nahe den Kassen. «Die Mitarbeitenden müssen hier kein Geld entgegennehmen, sondern können sich ganz und gar auf den Verkauf konzentrieren », erklärt Sven Stiegler. Für Kunden, die wirklich nur ein Brot kaufen wollen, ist der Back-Shop auch direkt erreichbar. Er ist auch am Sonntagvormittag geöffnet.

Fingerprint und Co.
An der Kassenzone angelangt, hat der Kunde die Wahl zwischen 12 bedienten Kassen oder einem von vier Selfscanning- Checkouts. «Kunden mit einem kleinen Einkaufskorb entscheiden sich vermehrt für das Selfscanning, darunter auch ältere Kunden», so Sven Stiegler. An den bedienten Kassen sehen wir nirgends eine Schlange. «Stehen mehr als drei Kunden an einer Kasse, eröffnen wir weitere» erklärt Sven Stiegler.

Der Kunde kann an allen Kassen mit dem Fingerprint bezahlen. Dazu ist ein einmaliges Registrieren für die biometrische Erkennung an der Kasse notwendig. Mit der Unterzeichnung der Teilnahme am digiPROOF-Verfahren ermächtigt der Kunde den Händler, die für die Verifizierung des Fingerabdrucks notwendigen Informationen zu speichern.

Wir haben es gleich ausprobiert. Die Wartezeit für den Bezahlvorgang dauert knappe 2 Sekunden. «Kunde erkannt » erscheint auf der Anzeige. «Das neue Bezahlsystem stösst auf eine grosse Akzeptanz. Zurzeit zählen wir 6000 registrierte Kunden. 20 Prozent davon sind Schweizer», erklärt Norbert Schoeffel, Geschäftsführer bei Hieber’s  Frische Center KG in Lörrach. DigiPROOF wird in allen Hieber Frische Centers angeboten.

Benchmark für eine ganze Branche
Mit einer Tasse Kaffee im angrenzenden Bistro ist unser Rundgang durch den «Store of the Year 2008» beendet. Der Einkaufsmarkt hebt sich ganz klar von der Welt der üblichen Supermärkte ab. Das Sortiment ist mit über 48 000 Artikeln umfangreich und wird auf 3500 Quadratmetern regelrecht in Szene gesetzt. Die Kunden sind von diesem Einkaufserlebnis begeistert. Das Energiekonzept ist innovativ. Mit Solarzellen und einer Holzschnitzelanlage wird das Einkaufscenter geheizt. Neu wird sogar das Verpackungsmaterial als Energielieferant verwertet. Das energiesparende Beleuchtungskonzept ermöglicht erhebliche Einsparungen.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels bezeichnet den Hiebermarkt in Grenzach-Wyhlen als Benchmark für die ganze Branche. Die Jury zeichnete ihn mit dem Titel «Store of the year» für das Jahr 2008 in der Kategorie Food aus. «Auch Gäste aus der Schweiz haben sich schon das Hieber- Konzept vor Ort zeigen lassen», ergänzt Sven Stiegler und ist sichtlich stolz.

Joachim Heldt

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