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«Je mehr Sie sich in den Unterricht einbringen, desto mehr profitieren Sie.»

Angehende Supply Chain Manager erwarten drei intensive Semester Weiterbildung, die mit einer anspruchsvollen Prüfung abgeschlossen werden. GS1 Schweiz bereitet sie vom ersten Tag an gut vor.

«Das ist eine Premiere», sagt Franco Miani, Studien- und Prüfungsleiter bei GS1 Schweiz, zur Begrüssung. Es ist 8 Uhr 25. «Das ist die erste Klasse, bei der alle pünktlich sind. Starten wir!» Die Klasse SCM 26 ist in weiterer Hinsicht speziell: Es ist die Klasse mit dem bisher höchsten Frauenanteil. Fünf von elf, ein neuer Rekord. Und es ist gleichzeitig die jüngste Gruppe: Das jüngste Mitglied ist 23, das älteste 37.

Von Anfang an vorbereitet
Es herrscht Aufbruchstimmung. Neugierde und Aufregung sind zu spüren. Kein Wunder, Franco Miani stimmt die «Schulanfänger» auf harte Zeiten ein. «Die nächsten zwei Jahre werden verdammt anstrengend. Dafür haben Sie am Ende ein eidgenössisches Diplom in den Händen. Und glauben Sie mir: Diese Weiterbildung wird Sie nicht nur fachlich, sondern auch menschlich weiterbringen.»

Und so geht es auch gleich ans Eingemachte: Nach einer aktiven Vorstellungsrunde erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Schulungsunterlagen, vier randvolle Ordner. «Die gute Nachricht: Sie haben eineinhalb Jahre Zeit, diese zu studieren. Die schlechte: Das ist nur die Hälfte.» Aber niemand wird alleine gelassen. Praxisbezug steht bei den Weiterbildungen von GS1 Schweiz im Vordergrund. So auch fürs Lernen. Franco Miani verteilt einen knifflig anmutenden Fragebogen. «Keine Sorge, es sieht komplizierter aus, als es ist.» Der Fragebogen ist eine Art Standortbestimmung fürs Lernen. Die Teilnehmenden erkennen ihre Stärken und Schwächen und können so gezielt daran arbeiten.

Der Studien- und Prüfungsleiter geht noch einen Schritt weiter und verteilt die «Motivationszettel». «Und jetzt schreiben Sie ein konkretes Lernziel auf und wie Sie sich belohnen möchten, wenn Sie es erreicht haben. Kleben Sie diesen Zettel an den Kühlschrank oder einen anderen zentralen Ort, sodass Sie das Ziel immer vor Augen haben.»

Ohne Prüfung kein Diplom
Egal ob ein feines Essen mit dem Partner, eine Massage oder eine Woche Ferien: Eine erste Gelegenheit, von ihrem Motivationszettel zu profitieren, haben die Teilnehmenden bereits in einem halben Jahr. Dann steht zum Abschluss des ersten Semesters die Zwischenprüfung SSC HFP (Swiss Supply Chain Höhere Fachprüfung) an. «Prüfung» ist das Wort, das zahlreiche Fragen nach sich zieht. Franco Miani beantwortet sie geduldig, auch wenn die Abschlussprüfung heute noch weit weg scheint. «Es geht nicht darum, wie gut Sie Wissen wiedergeben können, sondern darum, wie Sie dieses Wissen anwenden.» Aus diesem Grund sind die Schulungsunterlagen nicht als Hilfsmittel zugelassen.

Die Ergebnisse der Höheren Fachprüfung erhalten die Prüflinge erst nach ihrer mündlichen Diplomarbeits- Prüfung. «Das heisst, wir schreiben an unserer Abschlussarbeit und wissen noch nicht einmal, ob wir die Prüfung überhaupt bestanden haben?», fragt ein Teilnehmer besorgt. Franco Miani nickt. «Das ist vom Gesetz so vorgegeben. Sehen Sie es als Vorteil: Sie werden zwischen einzelnen Prüfungsteilen nicht abgelenkt. Und Sie müssen auch nur das wiederholen, was ungenügend ist. Alles andere haben Sie in der Tasche.»

Fragen, verstehen, im Kopf behalten
Damit die Teilnehmenden von Anfang an richtig lernen, erhalten sie heute erste Lerntipps. Dafür motiviert Franco Miani sie zu einem kleinen Experiment. Er projiziert die Definition von «Regler» an die Wand. Nach ein paar Minuten wird der Bildschirm schwarz, und er fragt die genaue Definition ab. Kopfkratzen, Grübeln, angestrengte Blicke.

Es harzt. Jeder steuert einen kleinen Definitionsfetzen bei. Aber es reicht nicht. «Überlegen Sie mal, wo Sie im Alltag Regler haben.» Die Klasse diskutiert verschiedene Beispiele. Nach und nach rekonstruiert sie die Definition. Miani schmunzelt zufrieden. «Das wollte ich Ihnen zeigen: Lernen Sie nicht auswendig, sondern versuchen Sie es zu verstehen.» Und er ermuntert sie: «Nutzen Sie den Unterricht zum Diskutieren und um Fragen zu stellen. Je mehr Sie sich einbringen, desto mehr profitieren Sie und Ihre Klassenkollegen. »

Selbst ist der Supply Chain Manager
Die Eigenverantwortung jedes Einzelnen hebt Franco Miani mehrmals hervor. Während im Lehrgang zum Logistikfachmann der Stoff von A bis Z erklärt werde, laste für den Lehrgang zum Supply Chain Manager und zum Logistikleiter mehr Verantwortung auf den Schultern der Teilnehmenden. «In manchen Fächern geben wir richtig Gas», sagt Miani. Wer hier Lücken entdecke, müsse selbst über die Bücher.

Notenbasierte Standortbestimmungen gibt es im Lehrgang keine. «Eine simple Note sagt auch kaum etwas aus. Wichtiger ist, dass Sie erfahren, woran es genau gefehlt hat.» Deshalb erhalten die Teilnehmenden in den vielen Gruppenarbeiten präzises Feedback. «Sie merken schnell, wo Sie Nachholbedarf haben.» Unterstützung bieten die Lerngruppen, die anhand der Wohnorte und des fachlichen Hintergrunds gebildet werden. «Wichtig ist, dass Sie zusammen die Rahmenbedingungen festlegen: Was besprechen Sie wann, welche Vorbereitung ist nötig?» Und er appelliert nochmals an die aktive Teilnahme. «Ihre Klasse ist sehr heterogen. Das ist eine Chance für Sie. Je mehr Sie sich einbringen, desto mehr profitieren alle vom Lehrgang.»

Gegen halb fünf hat es die Klasse für heute geschafft. Aber viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht. In 14 Stunden geht es richtig los: Dann steht das Modul «Projektmanagement» auf dem Programm.

Katharina Balande

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