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Textiles Vertrauen

Ökotextilien gehört die ZukunftUndurchsichtigen Billigimporten aus allen Teilen der Welt werden Grenzen gesetzt, denn nachhaltige Produkte haben Konjunktur. Mit der Gründung des Labels Oeko-Tex 100 durch ein österreichisches und ein deutsches Textilforschungsinstitut begann die Zertifizierung textiler Produkte und damit die verlässliche Zeitwende ökologischer Qualität.

(naf) Entlang der globalen Wertschöpfungskette im Bereich der Textilindustrie werden umweltverträgliche Verfahren immer wichtiger. Nur wenn ein europäisches Unternehmen einheitliche Standards mit sozialökologischem Bewusstsein in seine Firmenphilosophie einbindet, wird die Verantwortung für die Missstände in seinen ausländischen Produktionsstätten geschärft. Dies führt zu einem erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Konkurrenten in der Textilproduktion. Zudem legen Konsumenten zunehmend Wert darauf, dass insbesondere Bekleidung unter Berücksichtigung ökologischer und sozialverträglicher Aspekte hergestellt wird.


Label mit Transparenz
In den 90er-Jahren wurde das Oeko- Tex-Label auf der Frankfurter Textilmesse Interstoff vorgestellt; es gewann schnell das Interesse internationaler Hersteller. Schwerpunkt der Zertifizierung bilden hautnah verwendete Artikel wie zum Beispiel Unterwäsche (53 Prozent), dicht gefolgt von Babybekleidung (43 Prozent). Die restlichen Prozente entfallen auf Ausstattungsmaterialien (Bodenbeläge, Polster). Geprüft werden Roh-, Zwischen- und Fertigprodukte aller Verarbeitungsstufen inklusive Zubehör wie Reissverschlüsse und Knöpfe. Vier Produktklassen werden unterschieden, wobei der Grundsatz gilt: Je intensiver der Hautkontakt eines Textils und je empfindlicher die Haut, desto höhere humanökologische Anforderungen müssen erfüllt werden. Das Testverfahren umfasst drei Schwerpunkte:

• Welche Menge vorhandener Substanzen im Textil löst sich beim Schwitzen?
• Welche Folgen bewirkt die orale Aufnahme eines Babyartikels (zum Beispiel beim Nuckeln)?
• Welche potenziellen Schadstoffe entwickeln sich beim Einatmen?

15 unabhängige Oeko-Tex-Mitgliedinstitute und deren zahlreiche Vertretungen haben 9500 Textilunternehmen in mittlerweile 90 Ländern nach dem Standard 100 zertifiziert. Die Vergabe des Zertifikats erfolgt für ein Jahr, die maximale Verlängerung beträgt weitere 12 Monate. Während der Gültigkeitsdauer verpflichtet sich das Unternehmen, die Standards beizubehalten, und muss sich auch unangekündigten Kontrollen und Stichproben zur Verfügung stellen.

Das weltweit einheitliche Profil dieses Systems bürgt für dauerhafte Qualität, verbunden mit gesundheitlicher Sicherheit, und schafft Vertrauen für den Verbraucher. Industrie und Handel profitieren von der Produktionssicherheit, es gewährleistet internationale Transparenz, Glaubwürdigkeit und erleichtert die Lieferbeziehungen.


Oeko-Tex 1000 und Oeko-Tex 100 plus
Während der Oeko-Tex Standard 100 sich der Sicherstellung gesundheitsverträglicher Textilien verschreibt und bestimmte Giftstoffe in der konventionellen Textilindustrie unterbindet, stellen die weiterführenden Labels direkten Bezug zu allen betriebsrelevanten Bereichen her. Geprüft und zertifiziert werden Produktionstechnologien wie Umweltverträglichkeit, die Qualitätssicherung und auch die sozialen Arbeitsbedingungen.

Beim Oeko-Tex Standard 1000 gelten gesetzliche Bestimmungen und die Vorgaben des Kriterienkatalogs als Mindestanforderungen. Er deckt alle relevanten Bereiche der Betriebsökologie ab und geht mit seinem Konzept über nationale gesetzliche Vorgaben hinaus. So fordert der Oeko-Tex Standard 1000 von den Unternehmen die Einhaltung festgelegter Kriterien zur Vermeidung bzw. Beschränkung des Einsatzes von Schadstoffen in der Produktion. Dazu zählen die Beachtung und Einhaltung strenger Grenzwerte im Abwasser- und Abluftbereich, der optimierte Energieeinsatz und die Vermeidung von Staub und Lärm.

Sofern alle an der Herstellung eines Fertigartikels beteiligten Lieferanten lückenlos die jeweiligen Anforderungen des Oeko-Tex Standards 100 und 1000 erfüllen, kann das entsprechende Produkt mit dem Oeko-Tex Standard 100 plus ausgezeichnet werden. Das Label 100 plus ist die derzeit umfassendste Zertifizierung für gesundheitlich unbedenkliche, sozialverträglich und ökologisch hergestellte Textilien aus «konventioneller» Produktion.

Ökotextilien gehört die Zukunft
Die Hermann Bühler AG, bereits seit 1993 mit dem Oeko-Tex Standard 100 zertifiziert, kann sich seit 2004 auch die Folgezertifizierung auf die Fahnen schreiben. Die Traditionsfirma, die im kommenden Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiern wird, spezialisiert sich auf die Verarbeitung bester Baumwolle. Mehrere tausend Tonnen dieser Baumwolle fertigen sowohl 130 Mitarbeitende im Kanton Zürich als auch 147 Angestellte im US-amerikanischen Bundesstaat Georgia.

Dabei wird nicht nur feinste Qualität gesponnen, sondern es werden auch Massstäbe umweltbewusster Produktionsmethoden vom Baumwollfeld bis zur Spinnerei gesetzt. Von Air-Jet- Spinnmaschinen bis zur örtlich befeuerten Holzschnitzelheizung für die Büroräume – umgesetzt werden viele ökologisch wertvolle Kriterien. Dieses Engagement zahlt sich auch hervorragend im Hinblick auf Marketingstrategien aus. Grosskunden wie die Eterna AG oder die Jenny Fabrics AG (auch mit Oeko-Tex 1000 Zertifizierung prämiert) unterhalten langjährige Geschäftsbeziehungen.

Auch Martin Kägi, CEO und Dele- gierter des Verwaltungsrats bei der Hermann Bühler AG, ist sich da ganz sicher. «Humanökologisch unbedenkliche Produkte sind heute ein Muss. Sowohl der Detailhandel als auch die Markenartikelhersteller wollen Sicherheit. Sie verlangen, dass das Textil von unabhängiger Stelle auf Schadstoffrückstände geprüft und zertifiziert ist.»

Gerade wenn es um Nachhaltigkeit geht, hat die Bühler AG aber noch viel vor. So erklärt Martin Kägi: «Es beginnt schon mit dem Garnsortiment und der Auswahl der Fasermaterialien. Unser Sortiment Organic besteht aus biologisch produzierter Extralangstapel- Baumwolle, und unsere Rainbow-Garne setzen ökologisch neue Massstäbe, da ohne Salz und Soda gefärbt und viel weniger Farbstoff benötigt wird.» Jährlich werden mehr als 10 000 Zertifikate durch die unabhängigen Prüfinstitute weltweit ausgestellt. Der Konsument schätzt die Verlässlichkeit des Labels, und die Hersteller profitieren in jeglicher Hinsicht von der Transparenz und Vergleichbarkeit in der globalen Wertschöpfungskette. Oeko-Tex ist zu einem international hoch angesehenen Label geworden und trägt massgeblich zur Qualitätssicherung in der Textilindustrie des 21. Jahrhunderts bei.

Nathalie Francio

 

Fair Fashion

Die Erklärung von Bern hat in einer breit angelegten Firmenbefragung im Rahmen der Clean Clothes Campaign 80 führende Hersteller dazu befragt, wie fair sie ihre Kleider produzieren lassen. Nur gerade vier Unternehmen zeigen sich wirklich engagiert (Switcher, Remei, Odlo und Mammut), 47 weitere verharren im mässigen Mittelfeld und die restlichen 26 haben offenbar andere Prioritäten als ihre soziale Verantwortung. Die erstmals erhobenen Streetwear- und Skatewear-Firmen wie Burton, Carhartt oder Quiksilver investieren zwar viel in ihr Image, schweigen sich zu den Produktionsbedingungen ihrer coolen Klamotten aber aus – und landen deshalb Allesamt in der schlechtesten Kategorie.
Weitere Informationen: Erklärung von Bern (EvB), www.evb.ch

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