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Mode braucht besondere Logistik

Massarbeit für Fashion-Kunden bei DHLAuf Modelogistik hat sich DHL Supply Chain Fashion spezialisiert. Im Logistikcenter Pratteln wird aber nicht nur kommissioniert und ausgeliefert, sondern auch gebügelt und gelagert. Ob hängend oder liegend, bei DHL Supply Chain Schweiz in Pratteln können Kleider ankommen, wie sie wollen. Im Logistikzentrum teilen sich die Wege der Textilien dann aber rasch.

(as) «Grundlegend gibt es zwei Abläufe», erläutert Peter Jost, Leiter Fashion Schweiz. Der eine, volumenstärkere, ist das Cross-Docking für fertig kommissionierte Ware. Die geht ohne weitere Bearbeitung rasch wieder weiter an die Endempfänger. DHLs Leistung umfasst die Zwischenlagerung, gegebenenfalls die Verzollung und dann die Feinverteilung. Ein grosser Kunde in diesem Bereich ist beispielsweise Esprit, für den DHL den kompletten Import, die Verzollung, die Zustellung «just in time» sowie die Warenverschiebungen zwischen den Schweizer Filialen übernimmt.

Die Ware unterschiedlicher internationaler Kunden kommt ebenfalls in diesem Lagerbereich an, nachdem sie eine weite Reise hinter sich hat, die oft auf einem anderen Kontinent begonnen hat. Hängeware auf Stangen, Liegeware in Kartons und auf Paletten. Meist sind es Textilien, allerdings findet sich heute auch ein Kinderwagen auf den Paletten, die vor der Kartonsortieranlage auf die weitere Verarbeitung warten. Zunächst werden die von Absendern und Partnerfirmen angebrachten Barcode-Etiketten – meist ein GS1-128 Code – gescannt. Dann erfolgt eine Meldung an die eigene Disposition. Gleichzeitig wird im Scanner ersichtlich, ob bei Importware die Zollfreigabe bereits erfolgt ist. «DHL muss sicherstellen, dass nicht verzollte Ware nicht ausgeliefert werden kann», erläutert Jost. Ausserdem erfolgt bei diesem Schritt die Kontrolle, ob die Lieferadresse im Datensatz korrekt ist. Dies geschieht durch die visuelle Gegenprüfung mit dem gedruckten Verpackungsetikett.


Grosse Volumen im Cross-Docking
Von der Disposition werden die Sendungen automatisch erfasst und dann nach Postleitzahl auf die verschiedenen Touren verteilt. Nun wird entschieden, ob ein Fahrzeug ausreicht oder ob ein Anhänger und allenfalls eine weitere Tour notwendig ist. «Im Prinzip erfolgt die Volumen- und Gewichtskontrolle elektronisch», erläutert Jost. Bei Importwaren arbeitet man mit den bei der Verzollung angegebenen effektiven Gewichten. Anschliessend wird die Ware durch den Sorter auf die jeweiligen DHL-Touren verteilt. Auch wenn die Ware in der Regel bereits vom Lieferanten oder Spediteur mit einem Barcode versehen wurde, bringt DHL nochmals einen eigenen Barcode (GS1-128) an, auf dem zusätzlich in Klarschrift das Auslieferfahrzeug und die Auslieferpositionsnummer angedruckt sind. Diese Informationen werden einerseits für die Sortierung und Warenbereitstellung verwendet, andererseits auch zur Qualitätssicherung bei der Verladung. Täglich starten 45 bis 50 Touren ab Pratteln, die ersten schon um 1.30 Uhr nachts, damit auch an entfernten Destinationen morgens ab 6 Uhr ausgeliefert werden kann.

In Pratteln laufen auch die Sammelkisten der Firma I:CO ein. Diese hat sich mit einem neuen Recyclingkonzept auf dem Markt positioniert. In den Filialen teilnehmender Unternehmen können Kunden gebrauchte Kleider und Schuhe zum Recycling in eine Box werfen. Diese werden von DHL eingesammelt und regelmässig nach Deutschland zur Weiterverwertung transportiert.


Massarbeit für Fashion-Kunden
Den Verteilungsprozess auf die einzelnen Touren durchläuft indessen nicht nur die Cross-Docking-Ware, sondern auch die, welche das DHL-Logistikcenter im oberen Stock anliefert. Hier sind die Prozesse nun umfassender, es werden wesentliche Serviceleistungen für die Textilindustrie erbracht, wie etwa Aufbereitung, Einlagerung und Kommissionierung. Dabei handelt es sich um sogenannte Value-added Services (VAS). Der Wareneingang kann hängend oder liegend erfolgen, man ist für beide Varianten technisch voll ausgerüstet. Zunächst wird die Ware ausgepackt. Wenn keine Packliste des Lieferanten oder Dispoliste des Kunden vorliegt, wird eine Bestandsaufnahme gemacht. Diese wird via EDI an den Kunden gemeldet, damit er über den Umfang der Lieferung informiert ist. Im Gegenzug kommen Anweisungen zur weiteren Verarbeitung. Ein Kunde dieses Bereichs ist beispielsweise die Zürcher Firma Zimtstern. DHL empfängt sämtliche Importware für dieses Unternehmen und bestätigt den Eingang via EDI. Dann wird die Ware ausgepackt und aufbereitet, je nach Bedarf aufgehängt und gebügelt. Zimtstern liefert Anweisungen, welches Modehaus welche Ware erhält und welche Bestände noch eingelagert werden sollen. «Die Waren werden aufbereitet, wie sie der Kunde haben möchte, und dann so verteilt, wie es aus dem Lieferschein von Zimtstern hervorgeht», sagt Jost. Somit offeriert DHL die Aufbereitung, Etikettierung und Kommissionierung sowie Verteilung der Ware. Auch die Rechnungsstellung könnte man für den Kunden übernehmen. Und, so fügt Jost an, DHL könne sogar die Rohware, sprich die Stoffe, beispielsweise aus Italien nach Fernost transportieren.


Hängend-Transporte nehmen eher ab
Heute sind nicht mehr alle Zusatzangebote neben dem Transport so gefragt wie einst, stellt Jost fest. Dennoch kommen der Hosentopper, die Dampfpuppen und vor allem der Dampftunnel regelmässig zum Einsatz. Aus Fernost kommt die Ware oft liegend, um platzsparend verpackt werden zu können. So hat ein Mehrfaches der maximalen hängenden Stückzahl auf gleichem Raum Platz. Doch wenn eine Lederjacke oder eine wattierte Outdoorjacke einen Monat in einem Container war, hat sie Aufbereitungsbedarf. Dann wird sie mit Dampf behandelt und sieht wieder frisch aus. Diese Zusatzleistung wird im Bereich Fashion verlangt, da durch eine Komprimierung des Platzbedarfs während des Seetransports der Vorteil der geringen Frachtkosten eine Aufbereitung in der Schweiz lohnend macht.

Allerdings, so stellt Jost auch fest, dürfte der Anteil von hängend angelieferter Ware langfristig eher abnehmen. Die Hersteller setzen stärker auf Liegeware, weil der Transport auch von KEP-Dienstleistern durchgeführt werden kann. Für Hängeware braucht es im Lastwagen selbst die nötige technische Spezialausrüstung, ebenso für das Handling der Ware im Gebäude. Ausserdem unterliegt die Auslastung des Logistikcenters zyklischen Schwankungen. Vier Monate sind sehr stark, vier sozusagen «normal» und vier recht ruhig. Die Differenz der verarbeiteten Volumen zwischen den starken (Februar/März und August/ September) und schwachen Monaten kann dabei bis zum Fünffachen betragen. Der variierende Arbeitsanfall wird mit zum Teil langjährigen Temporärkräften bewältigt.

Bisher ist es der Textillogistik noch nicht wirklich gelungen, eine ausgleichende Aktivität zu finden. Andere Anbieter hätten mit Spielwaren oder Kosmetika experimentiert, doch sei dann in Spitzenzeiten der Peak absolut gemessen einfach noch höher gewesen, statt dass man einen Ausgleich erzielt hätte.

DHL Supply Chain Fashion Schweiz verfügt über drei Niederlassungen in Pratteln, Balerna und Wolfurt (A) sowie 100 Mitarbeitende. Die Lagerkapazität beträgt 15 000 Quadratmeter, die eingesetzte Fahrzeugflotte umfasst 40 Transporter. Pro Jahr werden rund 60 Millionen Einheiten verarbeitet, davon sind 90 Prozent Tageslieferungen. Unter den Kunden finden sich Firmen wie Betty Barclay, Esprit, aber auch PKZ oder New Yorker.

Alexander Saheb

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