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In der Fashion-Logistik hat sich viel verändert

Ines Furler, Geschäftsführerin von DHL Supply Chain SchweizFashion-Logistik ist für DHL ein wichtiges Geschäft. Das bestätigt Ines Furler, Geschäftsführerin von DHL Supply Chain Schweiz. In den letzten Jahren haben sich die Ansprüche der Kunden verändert. Während im Fashion-Bereich B2C an Bedeutung gewinnt, hat RFID noch keinen Einzug gehalten.


GS1 network: Welche Rolle spielt der Fashion- Bereich für DHL?
DHL gliedert den Markt in verschiedene Segmente, welche strategisch angegangen werden. Eines dieser Segmente ist der Fashion-Bereich. Der Transport beispielsweise aus Fernost, die Veredlung im Empfangsland – der Schweiz – sowie Lagerung, Distribution und Retourenmanagement sind Dienstleistungen, mit denen DHL 2012 seit 40 Jahren am Markt sein wird.


Ines Furler: Wie haben sich die Ansprüche der Fashion-Kunden in den letzten Jahren verändert?
Bis vor rund zehn Jahren wurden Textilien noch mehrheitlich hängend, am Bügel, transportiert. In den letzten fünf bis sieben Jahren haben sich Kunden vermehrt entschieden, ihre Waren liegend zu transportieren. Der Stellenwert der Aufbereitung jedoch hat abgenommen. Das hat Ursachen in Modetrends und neuen Stoffen und Materialien. Obwohl dies in der Logistik in der Schweiz zu viel komplexeren Prozessen geführt hat – schliesslich müssen Karton- und Hängend-Textil- Logistik zusammengeführt werden –, bestimmt am Markt das Preis-Leistungs- Verhältnis. Einzig im Bereich «Time to Market» werden deutlich höhere Ansprüche an den Dienstleister gestellt. Die ursprünglichen starken saisonalen Schwankungen sind durch die kurzen Lieferzyklen der Retailer und deren Ziel der kontinuierlichen Neubestückung am Point of Sale geglättet worden.


Welche Synergieeffekte gibt es mit den anderen Geschäftsbereichen von DHL?
Die Kombination der verschiedenen Transportträger in einem globalen Netzwerk unter dem Dach von DHL ermöglicht es dem Kunden, aus einer breiten Palette von Geschwindigkeiten und Leistungen zu wählen. Von Express- Paketsendungen für Musterkollektionen, welche keinen Tag zu spät eintreffen dürfen, über Luftfracht- Sendungen für Nachlieferungen bis hin zu Seefracht-Basislieferungen für den Saisonstart – DHL macht es möglich. National können Kunden beispielsweise neben ihren Läden auch den B2C-Versand durch DHL abwickeln lassen. Aus einem DHL Zentrallager können Verkaufsstellen wie auch Privatkunden bedient werden. So lässt sich eine redundante und somit erhöhte Bestandsführung eliminieren.


B2C wird ja auch dank Internetbestellungen für Fashion immer wichtiger. Welche Aktivitäten können Sie sich da vorstellen?
Der B2C-Kanal wird immer wichtiger. Verschiedene Marken beliefern den Schweizer Markt bereits aus dem EU-Raum. Der Endkunde will aber auch im B2C-Geschäft immer die Kostentransparenz und eine einfache Retourenmöglichkeit. Bei der Beschaffung aus dem EU-Raum stellt sich dann die Zollabwicklung als Herausforderung dar. Gerade die Zollabwicklung von Retouren ist oft nicht zufriedenstellend gelöst. DHL bietet neben dem physischen Logistikprozess zum Kunden und zurück auch die Option, Retourware über Drittkanäle zu veräussern. Hier spielen DHL Supply Chain, DHL Express und DHL Freight eng zusammen.


Dann müssten Sie ja auch Nachnahmesendungen möglich machen.
In der Schweiz besteht noch immer eine sehr hohe Affinität zur Post. DHL hat in den vergangenen Jahren jedoch einen starken Aufwärtstrend im B2CGeschäft mit Nachnahmen erfahren dürfen. Dies kann auf die gute Leistung, aber auch auf die stete Reduktion des Poststellennetzes zurückgeführt werden. Grundsätzlich sind bei DHL auch Nachnahmen möglich.


Welche Perspektiven sehen Sie für RFID im Fashion-Bereich?
Das Thema RFID wird durch die Logistikdienstleister stark gefördert. Verschiedene Modelle wurden von DHL im Retail, nicht Fashion, erprobt und sind erfolgreich in der Umsetzungsphase. RFID macht dann Sinn, wenn die gesamte Supply Chain von den Potenzialen profitieren und die aktuell noch hohen Initialkosten mittragen kann. Eine Implementierung ab Ursprung reduziert potenzielle teure Auszeichnungskosten an Umschlagsplattformen. Die Technik sollte eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit ermöglichen, was bis anhin aber noch nicht im angestrebten Mass der Fall ist.


Können Sie etwas zu DHLs Versuchsprojekt und dessen Partnern sagen?
Wir haben mit dem Ziel der Effizienzsteigerung eine Auszeichnung der Ware mit RFID am Umschlagspunkt in der Schweiz analysiert. Die Initialinvestition konnte durch die aufgezeigten Optimierungen in der letzten Prozessmeile noch nicht vollständig gerechtfertigt werden.

Die Fragen stellte Alexander Saheb.

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