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«Transport- und Logistikprozesse müssen schnell, reibungslos und verlässlich ablaufen.»

Klaus-Dieter Ruske kennt die Transport- und Logistikbranche aus dem Effeff. Er leitet bei PricewaterhouseCoopers das Global Transportation & Logistics Team. Im Gespräch mit GS1 network nimmt er Stellung zu Herausforderungen der Branche, Chancen der Kollaboration und einem verbesserungswürdigen Image.

GS1 network: Wie sieht die Zukunft der Logistik aus?
Klaus-Dieter Ruske: Grundsätzlich positiv, aber volatil. Durch die Globalisierung ergeben sich weiterhin gute Entwicklungschancen, insbesondere für höherwertige Dienstleistungen und neue Produkte. Neue Märkte führen zu neuen Transportkorridoren weltweit, insbesondere in Schwellenländern und sogenannten Frontier Markets. China entwickelt sich von einem reinen Beschaffungsmarkt zu einem Beschaffungs- und Absatzmarkt. Afrika wird zunehmend in den Fokus rücken. Die Logistik ist aber auch besonders stark von konjunkturellen Schwankungen betroffen und wird noch flexibler auf Schwankungen der Nachfrage, der Kosten – Stichwort Ölpreis – und der Erlöse reagieren müssen.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen, die die Transport- und Logistikdienstleister in den nächsten Jahren meistern müssen?
Die Herausforderungen sind vielfältig. Neben der bereits genannten Flexibilität steht die Effizienz im Mittelpunkt. Transport- und Logistikprozesse müssen schnell, reibungslos und verlässlich ablaufen. Aber auch die indirekten Bereiche, zum Beispiel IT und Finanzund Rechnungswesen, bergen oftmals noch erhebliche Optimierungspotenziale Auch das Thema Sicherheit wird die Logistiker zunehmend beschäftigen, sowohl im Bereich der physischen Sicherheit – Stichworte Piraterie und Terrorismus – als auch bei der IT; Logistiker werden zunehmend Opfer von Cyberkriminalität.

Welchen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderungen müssen Politik und Gesellschaft leisten?
Die zentrale Herausforderung für die Politik liegt darin, eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur bereitzustellen und auszubauen. Diese gehört nach wie vor zu den wichtigsten Standortfaktoren. Das gilt in den Schwellenländern ebenso wie in den industrialisierten Ländern, in denen oft allein die Instandhaltung die Budgets strapaziert. Bei regulatorischen Eingriffen muss gewährleistet sein, dass faire Wettbewerbsbedingungen für Transport- und Logistikdienstleister herrschen, die ja in der Regel im internationalen Wettbewerb stehen.

Welchen Stellenwert nimmt in Zukunft die firmenübergreifende Zusammenarbeit (Kollaboration) in der Logistik ein?
Sie wird weiter zunehmen. Und zwar nicht nur vertikal entlang der Wertschöpfungskette, sprich Kollaboration und Integration zwischen Zulieferern, Logistikern und Abnehmern. Es wird auch vermehrt horizontale Kollaboration geben, also Zusammenarbeit von Wettbewerbern. Darin liegt ein Schlüssel für Effizienzsteigerung. Beispiele sind die Belieferung des Einzelhandels oder auch die Logistik auf der letzten Meile. Wenn intelligente Lösungen gefunden werden, gehen Kosten- und Ökoeffizienz oft einher.

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Kaufkriterium geworden. Was wird von der Branche bezüglich Nachhaltigkeit erwartet?
Unter dem Stichwort Nachhaltigkeit wird in der Branche weitgehend das Thema Lärm- und Abgasemissionen verstanden. Wenn man bedenkt, dass die Branche weltweit mehr als zehn Prozent zu den CO2-Emissionen beiträgt, ist das auch verständlich. Andererseits können Güter nun mal nicht vom Lager zum Konsumenten gebeamt werden, und insofern werden Emissionen nie ganz auszuschliessen sein. Man sollte allerdings nie vergessen, dass jeder Kaufmann per se Kostenreduktionen im Fokus hat und insofern neben dem ökologischen auch der ökonomische Aspekt zur Reduzierung der eingesetzten Energie und damit zu einem Rückgang der Emissionen führt.

Die Branche kämpft mit einem Imageproblem und wird bei Arbeitnehmern als wenig attraktiv bezeichnet. Mit welchen Strategien muss dem Mangel an qualifizierten Fachkräften entgegengetreten werden?
Das Image der Branche ist in der Tat verbesserungsbedürftig. Die Unternehmen, aber auch die Branchenverbände sollten aktiv daran arbeiten, die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu verbessern. Dazu müssen der herausragende Beitrag der Logistik für die Gesellschaft, aber auch die Vorteile der Branche als Arbeitgeber deutlich gemacht werden, so zum Beispiel der hohe Internationalitätsgrad. Gleichzeitig sind die oft schwierigen Arbeitsbedingungen zu verbessern, Berufsbilder und Karrierewege klarer zu zeichnen und Weiterbildungsangebote zu optimieren. Natürlich muss die Branche auch für weibliche Bewerberinnen deutlich attraktiver werden. Noch ist der Frauenanteil in der Logistik im Vergleich mit anderen Branchen unterdurchschnittlich. Aber die gute Nachricht ist: In logistiknahen Studiengängen hat der Frauenanteil in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Die Fragen stellte Joachim Heldt.


Zur Person
Nach dem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften schloss sich Klaus-Dieter Ruske dem Unternehmen PricewaterhouseCoopers an (PwC). Dort legte er die Examen als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ab. Seit 1996 ist er Partner bei PwC und leitet global den Bereich Transportation & Logistics (T&L) mit mehr als 147 Partnern und 1740 Spezialisten in 150 Ländern. Des Weiteren ist er Mitglied im Prüfungsausschuss der Wirtschaftsprüferkammer sowie mehreren Lenkungskreisen des Deutschen Verkehrsforums und des Wirtschaftsrates, Autor und Lektor an der Ruhr Universität in Bochum, sowie Gastredner bei nationalen und internationalen Branchenveranstaltungen.

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