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Suche Supply Chain Manager mit IT-Expertise

Die Schweizer Logistikmarktstudie 2015 deckt auf: 22 Prozent der befragten Verlader erwarten in den kommenden fünf Jahren einen Engpass bei den Supply Chain Managern. Einen Nachwuchsmangel bei Spezialisten für Supply Chain-IT sehen 18 Prozent.

Auch die parallel befragten Logistikdienstleister prognostizieren im genannten Zeitraum einen Mangel an Spezialisten für die Supply-Chain-IT (10 Prozent). «IT-Lösungen und neue Technologien, etwa im Zusammen-hang mit E-Commerce, gewinnen zunehmend an Bedeutung für das Management von Supply Chains», sagt Professor Wolfgang Stölzle, Inhaber des Lehrstuhls für Logistikmanagement an der Universität St.Gallen und Mitautor der Studie. «Das erhöht den Bedarf an entsprechend ausgebildeten Experten.»


Will bestehende Berufsbilder gemeinsam mit der Wirtschaft weiterentwickeln: Thomas Bögli, Leiter GS1 Academy. Das Produkt «eidgenössisch anerkannter Supply Chain Manager» sei zwar schon in der schweizerischen Bildungslandschaft integriert. «Aber es ist noch etwas Neues am Markt, das muss sich erst etablieren», sagt Bögli.
Gemeinsam gegen Nachwuchskräftemangel
Thomas Bögli, Leiter GS1 Academy, kann die Nachfrage, die in der Studie prognostiziert wird, «derzeit so noch nicht bestätigen». Er stimme zwar grundsätzlich dem zukünftigen Nachwuchskräftemangel im Bereich Supply Chain Manager respektive IT-Ex- perten zu. «Allerdings stelle ich auch fest, dass die Umfragewerte, wie sie in der Logistikmarktstudie Schweiz vor- liegen, nicht immer mit der Praxis übereinstimmen», sagt er. «Wir bieten die Ausbildung zum sogenannten Supply Chain Manager bereits seit mehreren Jahren an.» GS1 Schweiz ist Auftraggeber der Logistikmarktstudie Schweiz.

Dass zukünftig Supply Chain Manager gefragt sind, die einerseits über ein Logistikverständnis verfügten, andererseits  aber auch IT-affin genug seien, um Supply Chains etwa in SAP-Systemen abbilden zu können, «darüber herrscht kein Dissens. Das sehen wir ganz genau so, wie es in der aktuellen Logistikmarktstudie aufgezeigt wird», sagt GS1 Geschäftsführungsmitglied Bögli. «Supply Chain bedeutet insbesondere auch Zusammenarbeit, Kollaboration mit allen Beteiligten in einer Wertschöpfungskette. Und das heisst,dass, nebst dem physischen Warenfluss, die IT-Unterstützung in diesen Gesamtprozessen sehr wichtig ist.» Die Ergebnisse der Logistikmarktstudie müssten sich nicht  mit  dem aktuellen Befund von Bögli in der Praxis beissen, merkt Stölzle in  diesem  Zusammenhang an. «Oftmals wird grundsätzlich ein Bedarf gesehen, aktuell beugt man sich dann aber Wirtschaftlichkeitszielen und verzichtet auf die Rekrutierung von solchen Spezialisten, die man eigentlich brauchen würde.»

Wege zum Erfolg
Lösungsansätze, um die noch zu zaghafte Nachfrage auf das Jobprofil des Supply Chain Managers mit IT-Expertise anzuheizen, sieht Bögli im eigenen Anspruch von GS1 Schweiz: «Wir wollen bestehende Berufsbilder gemeinsam mit der Wirtschaft weiterent- wickeln. Das Produkt eidgenössisch anerkannter Supply Chain Manager ist in der schweizerischen Bildungslandschaft integriert. Aber es ist noch etwas Neues im Markt, das muss sich erst etablieren.»

«Wir wollen bestehende Berufsbilder gemeinsam mit der Wirtschaft weiterentwickeln.»  Thomas Bögli, Leiter GS1 Academy

Einen Wettbewerb zum Logistiklehrstuhl in St. Gallen sieht Bögli indes nicht. «Unser Zielpublikum ist ein an- deres. Wir fokussieren auf die höhere Berufsbildung, die Uni St.Gallen auf den Hochschulteil, mit einem stärkeren strategischen Fokus.» Der Diplom-Studiengang Supply-Chain- und Logistikmanagement spricht Teilnehmer an, die über grössere Führungserfahrung verfügen und sich oft mit strategischen Themen befassen. «Dieser ist nicht im anerkannten MBA anzusiedeln, der auch mit restriktiven Aufnahmekriterien verbunden ist. Dennoch öffnet dieses Weiterbildungs Diplomstudium in St. Gallen eine Tür, die nicht zwingend einen akademischen Background verlangt», erklärt Bögli. «Das heisst auch, dass für jemanden, der bei uns eine höhere Berufsbildung ab- geschlossen hat, die Weiterbildung an der Uni St.Gallen der nächste Schritt sein kann.»  Bögli sieht hier die GS1
Academy als «Sprungbrett, um bei Professor Stölzle weiterzukommen».

Neukundengewinnung
In Sachen Akquise stellt Bögli fest, dass die gute alte Mund zu Mund Propaganda immer noch etwas zählt. «Wir sind schon längere Zeit am Markt, das bedeutet: unsere Qualität stimmt. Schlussendlich sind es die Logistikchefs, die ihre Mitarbeiter zu einer weiteren Ausbildung bei uns motivieren», sagt er. Wie beim Einkaufserlebnis gilt jedoch auch für die GS1 Academy der Omni-Channel-Aspekt. «Es ist für uns wichtig, alle Kanäle für die Akquise zu nutzen. Da musst du auf dem ganzen Klavier spielen können, sonst verlierst du», sagt Bögli.

«IT-Lösungen und neue Technologien, etwa im Zusammenhang mit E-Commerce, gewinnen zunehmend an Bedeutung für das Management von Supply Chains», sagt Prof. Dr. Wolfgang Stölzle von der Universität St.Gallen, Mitautor der Logistikmarktstudie Schweiz.

«IT-Lösungen und neue Technologien, etwa im Zusammenhang mit E-Commerce, gewinnen zunehmend an Bedeutung für das Management von Supply Chains», sagt Prof. Dr. Wolfgang Stölzle von der Universität St.Gallen, Mitautor der Logistikmarktstudie Schweiz.

Stölzle, Mitautor der Logistikmarktstudie Schweiz, findet, «dass sich Unternehmen zahlreicher Personalmanagment-Massnahmen bedienen können». Fast zwei Drittel der befragten Industrie- und Handelsunternehmen setzten dabei Ausschreibungen in Print- und Onlinemedien stark ein, um Fachkräfte im Supply-Chain-Bereich zu gewinnen. GS1 Schweiz nutzt alle klassischen Mittel via Internet, sämtliche sozialen Netzwerke sowie Newsletter per E- Mail, aber auch Print- und Onlinemedien. Als «etwas Spezielles» ordnet Bögli die Informationsveranstaltungen ein, die von der GS1 Academy 30 Mal im Jahr organisiert werden. Sie stellen eine Beratung für diejenigen dar, die sich für eine Weiterbildung im Berufsfeld Logistik interessieren. «Dort machen wir genau auf die Matrix zum Bildungssystem aufmerksam, um Ausbildungsmöglichkeiten   aufzuzeigen», erklärt Bögli (siehe Grafik). So kommt die GS1 Academy pro Jahr auf rund 1000 Prüfungskandidaten, 6400 Teilnehmertage, 180 Dozenten und Prüfungsexperten, 2500 Teilnehmer an Veranstaltungen mit  176 Referenten. «Das sind Zahlen, die beweisen, dass GS1 in diesem Berufsfeld extrem viel macht», betont Bögli.

Tim-Oliver Frische

 

GS1 Academy
Die Idee der berufsbegleitenden höheren Berufsbildung an der GS1 Academy ist es, schneller die Karriereleiter hinaufklettern zu können als andere Mitbewerber. Dafür bietet GS1 kostenpflichtige Lehrgänge jeweils freitagabends und an Samstagen an. Die Teilnehmenden müssen hier keine Stelle suchen, sondern können sich neben ihrem festen Arbeitsplatz im Unternehmen weiterentwickeln. Dies ist ein kardinaler Unterschied etwa zum System der dualen Hochschule in Baden-Württemberg, wo die Logistikausbildung mit dem Studium kombiniert wird. Die Chancen auf eine anschliessende attraktive Festanstellung im Unternehmen stehen zwar nicht schlecht, sind aber keineswegs sicher.

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