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X Labels und (k)ein bisschen schlauer

Nachhaltige Lebensmittel sind gefragt. Regelmässig entstehen neue Labels. Das macht es den Konsumenten nicht leicht, sich zu orientieren.Fair, bio, regional oder am besten gleich alles zusammen: Konsumenten legen insbesondere bei Lebensmitteln immer mehr Wert auf nachhaltige Produkte. Doch die Vielzahl der verschiedenen Labels macht es nicht immer leicht, sich zu orientieren.

Am Interesse fehlt es nicht. Das zeigt auch der GS1 Report 2014 «Nachhaltige Wertschöpfungsnetzwerke», wonach Nachhaltigkeit für den Konsumenten ein wichtiges Einkaufskriterium ist. Bei Lebensmitteln ist die Nachfrage am grössten. Dabei orientieren sich knapp 70 Prozent der Konsumenten an Labels sowie an den Informationen auf Produktverpackungen. Doch 60 Prozent gaben an, dass fehlendes Vertrauen in Nachhaltigkeitslabels sie am entsprechenden Konsum hindere.

Definition gesucht!
Bereits bei der Definition beziehungsweise Unterscheidung von Labels irrt der Konsument durch den «Labeldschungel »: Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen «Label», «Eigenmarke » oder «Logo»? Das Eidgenössische Büro für Konsumentenfragen geht dieser Frage in seiner Publikation «Labels und labelähnliche Zeichen» nicht nach, hält jedoch fest, dass sich «die Unterscheidung zwischen Labels, Marken sowie anderen Zeichen und Deklarationen als schwierig erweist.»
Die Plattform www.labelinfo.ch verwendet den Begriff «Label» als «Oberbegriff für die unterschiedlichen Zeichen, die auf Produkten (…) sichtbar sind. Ein Label ist ein Hinweis auf bestimmte Eigenschaften oder besondere Qualitäten eines Produktes.» Dabei unterscheidet Labelinfo.ch zwischen Gütesiegel und Deklaration. Die Deklaration bezieht sich auf das fertige Produkt und lässt Kriterien zur Verarbeitung und Herstellung aussen vor.
Die Gütesiegel können, müssen aber nicht, von einer unabhängigen akkreditierten Zertifizierungsstelle überprüft werden. Zu unterscheiden ist nach dieser Definition zwischen staatlichen Gütesiegeln wie dem EG-Bio-Siegel, Gütesiegeln einer Organisation oder eines Verbandes wie Knospe Bio oder auch firmeneigenen Gütesiegeln.

Die Liste ist lang
Um den Konsumenten die Orientierung zu erleichtern, veröffentlicht die Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) seit mehreren Jahren auf der Website www.labelinfo.ch zu über 120 verschiedenen Gütesiegeln Informationen wie beispielsweise Inhalte und Kriterien des Labels oder Bewertungen durch andere Organisationen.
Knapp 70 der 120 Labels betreffen Lebensmittel. «Die Tendenz ist steigend», sagt Sarah Herrmann, Projektleiterin bei Pusch. 2014 hat Pusch Gütesiegel auf die Glaubwürdigkeit des Labelsystems hin untersucht. Interessantes Ergebnis: Lebensmittellabels schneiden hier tendenziell besser ab als Labels im Non-Food-Bereich. Besonders glaubwürdige Labelsysteme basieren auf den Richtlinien von Bio Suisse oder ähnlich hohen Standards.Dies ist durch die vorbildlichen Zertifizierungssysteme
bedingt. «Gerade bei Lebensmitteln ist die Konkurrenz hoch», meint Sarah Herrmann. «Die umfangreichen Kontroll- und Zertifizierungssysteme sind hier vor allem auf gesetzliche Grundanforderungen zurückzuführen.»

Konkurrenz belebt das Geschäft
Doch braucht es überhaupt so viele Labels? Dr. Sibyl Anwander, Vorstandsmitglied des Konsumentenforums (kf ), relativiert dies: «Bei näherer Betrachtung hält sich die vermeintliche Vielfalt in Grenzen. Es werden jeweils unterschiedliche Aspekte der Nachhaltigkeit angestrebt, wie beispielsweise korrekte Arbeitsbedingungen oder Biodiversität.» Der Markt werde schlussendlich über die richtige Anzahl entscheiden.
Bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) steht man der Vielzahl mit gemischten Gefühlen gegenüber. «Es ist positiv, dass es neben Bio noch weitere Standards gibt», meint Josianne Walpen, Leiterin Ernährung und Landwirtschaft bei der SKS. Beim Tierwohl oder der Biodiversität tragen einige Labels zu Verbesserungen bei, ohne auf Bio zu setzen. «Grundsätzlich ist auch bei den Labels eine gewisse Konkurrenz gesund und fördert deren Weiterentwicklung», so Walpen. Bio- Labels müssen mindestens die Schweizer Bio-Verordnung erfüllen. «Bei den anderen Labels ist es für den Konsumenten jedoch schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Im Moment geht die Tendenz dahin, dass jeder Anbieter seine eigenen Labels auf den Markt bringt. Das schadet der Glaubwürdigkeit, der Wirkung und der Beachtung aller Labels.»
Auf positive Effekte des Wettbewerbs zwischen Labels weist auch Dr. Sibyl Anwander hin. «In den Bereichen Tierwohl und Regionalität sind eigene Kontrollen möglich. Händler können sich hier über Labels oder Marken differenzieren », erklärt sie. «Das belebt den Wettbewerb im Interesse der Konsumenten. Schlussendlich entscheidet der Konsument, wie viel er für Marken oder Labels zu zahlen bereit ist.»
Während es von der EU-Kommission das EG-Bio-Siegel gibt, fehlt in der Schweiz ein gesetzlich geregeltes Bio- Siegel. «Die Schweizer Bio-Ordnung regelt die Anforderungen an die Auszeichnung von Bio-Produkten genau. Hier besteht kein Handlungsbedarf. Der Vorteil einer privatrechtlichen Standardorganisation wie Bio Suisse ist sicher, dass sie ein grosses Interesse hat, die Glaubwürdigkeit sicherzustellen und gegen Missbräuche vorzugehen », meint Dr. Sibyl Anwander. «Diese internen Regeln greifen stärker als Kontrollen durch Beamte.»
Aus ihrer Sicht braucht es keine stärkere Regulierung seitens des Gesetzgebers im Bereich der Labels, wohl aber im Bereich der Mindestanforderungen, welche in der Regel nicht auf dem Produkt ausgelobt werden. «Vom Staat braucht es allenfalls neutrale Informationen. Und es braucht genügend Ressourcen, um gegen Missbräuche vorzugehen.»

Katharina Birk

Weitere Informationen
www.labelinfo.ch
Autor: Pusch
Informationen zu rund 120 Gütesiegeln. Ende 2015 publiziert Pusch eine inhaltliche Bewertung der wichtigsten Lebensmittellabels.
Ratgeber «Lebensmittel Labels»
www.gs1.ch/n151.03
www.wwf.ch/foodlabels
Autoren: WWF, Stiftung Konsumentenschutz und Schweizer Tierschutz
Bewertung von 32 Lebensmittellabels. Die Beurteilung aus dem Jahr 2010 wird Ende 2015 aktualisiert.
Labeltabelle «Labels und labelähnliche Zeichen in der Schweiz»
www.gs1.ch/n151.04
Autor: Eidgenössisches Büro für Konsumentenfragen
Übersicht über zahlreiche Labels ohne inhaltliche Bewertung.

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