gs1-neton-header-04.jpg

Mit dem Ampelsystem durch den Verpackungsdschungel

Von EU-Regulierungen betreffend Nachhaltigkeit und Recycling getrieben, hat ECR Austria einen Leitfaden für zukunftsfähige Verpackungen erstellt. Das Dokument erlaubt eine einfache Navigation. Der Fachbeirat Konsumgüter/ Retail bei GS1 Switzerland prüft die Adaption der Richtlinien für den Schweizer Verpackungsmarkt.

Die Vielfalt der Verpackungswelt dürfte kleiner werden. Mit dem Kreislaufwirtschafts-Paket, welches die EU schon 2018 beschlossen hat, erhalten die Reduktion von Verpackungsabfall, die Wiederverwendung und das Recycling ein höheres Gewicht. Bei Kunststoff soll die Recyclingquote bis 2030 auf 55 Prozent steigen. Ausserdem wird das getrennte Sammeln von Getränkeflaschen mit bis zu drei Litern Inhalt (und ihren Verschlüssen) mit einer Quote von 77 Prozent bis 2025 und von 90 Prozent bis 2030 vorgeschrieben.

Die Arbeitsgruppe «Circular Packaging Design» von ECR Austria hat sich intensiv mit diesen Regelungen befasst und ihre Empfehlungen im Dokument «Packaging Design for Recycling» präsentiert. In der Arbeitsgruppe waren von Anfang an über 80 Firmen vertreten, der Fachbereich Verpackungsund Ressourcenmanagement der FH Campus Wien brachte wissenschaftliche Erkenntnisse ein. Der entstandene Leitfaden eignet sich für alle Primär-, Sekundär- und Tertiärverpackungen sowie Food-, Near-Food- und Non-Food- Verpackungen.

Mehrweg wird empfohlen
Das Beste ist demnach eine wiederverwendbare Verpackung (Mehrweg) mit recyclingfähigem Design. Sie erlaubt die grösstmögliche Reduktion des Einsatzes von Verpackungsmaterial (ohne negative Beeinträchtigung des Produktschutzes). Dabei sollten Monomaterialien forciert werden oder es kommen recyclingfähige Materialkombinationen zum Einsatz. Eingefärbt wird nur sparsam mit EuPIA-konformen Druckfarben und Lacken. Verwendete Klebstoffe sollten die Sortier- und Recyclingprozesse nicht beeinträchtigen. Aufziehhilfen und Verschlüsse werden mit der Verpackung fest verbunden, um Kleinteile zu vermeiden. Für das MHD und Chargennummern kommt eine Lasergravur zum Einsatz. Ausserdem sollte die Verpackung eine möglichst gute Restentleerung erlauben.

Im Sinne des «Design for Recycling» sollten Verpackungen so ausgeführt sein, dass im Falle einer notwendigen Trennung einzelner Verpackungskomponenten bei der Entsorgung die Mitwirkung der Endverbraucherinnen und Endverbraucher nicht notwendig ist. Zu vermeiden gilt es seltene Materialien, die nicht rezyklierbar sind und/ oder nur in geringen Mengen am Markt bestehen, ebenso Additive, die das Rezyklat qualitativ beeinträchtigen. Farbstoffe auf «Carbon-black»-Basis könnten die Sortierung stören, weshalb alternative Färbungen zu wählen sind.

Auswahlhilfe für Material, Dekoration und Verschluss
Auf einer noch spezifischeren Detailstufe enthält das Dokument Empfehlungen für Materialien wie Kunststoffe, Papier, Glas, Weissblech und Aluminium, aber auch seltene Kunststoffe oder Verbundmaterialien mit Kunststoffanteil. Es folgen konkrete Guidelines für gängige Verpackungstypen wie Tuben, Schalen, Dosen, Faltschachteln oder flexible Verpackungen. Diese gliedern sich jeweils nach drei Hauptaspekten: Material, Dekoration und Verschluss. Innerhalb dieser drei Kategorien hilft ein Ampelsystem, die favorisierte grüne, die mögliche gelbe oder die zu vermeidende rote Gestaltungsvariante zu erkennen.

Am Beispiel der bekannten PETFlaschen heisst das im Detail: Beim Material ist die Ampelfarbe grün, wenn transparentes Mono-PET verwendet wird. Eine Barriere sollte aus Siliziumoxid (SiOx), Aluminiumoxid (Al2O3) oder bei farbigen Flaschen mit einem Carbon Plasma Coating realisiert werden, da diese die Qualität des Rezyklats nicht massgeblich beeinträchtigen

Nicht jede PET-Flasche ist willkommen
Die Ampel schaltet beim Material auf Gelb, wenn blasses, helles, dunkles oder opakes Material verwendet wird. Hier verläuft das Recycling weniger hochwertig als beim transparenten Material. Additive wie UV-Stabilisatoren, optische Aufheller und Sauerstoff-Absorber sollten nur falls nötig zugesetzt werden. Rot ist die Materialampel bei einer Dichte von weniger als 1 g/cm3 sowie bei dichteverändernden Additiven im Polymer, weil das die PETSortierung stört. Ferner schädigen Sauerstoff-/bio-/oxo-abbaubare Additive und Nanopartikel das Rezyklat.

Für die Dekoration wiederum sollte, damit die Ampel grün leuchtet, eine direkte Bedruckung auf dem Packmittel möglichst vermieden werden. Wenn doch, wären Druckfarben zumindest EuPIA-konform und nichtblutend zu wählen, um eine potenzielle Kontamination zu vermeiden. Etiketten und Sleeves sollten maximal 50 Prozent der Verpackung bedecken und aus einem Material mit einer Dichte von weniger als 1 g/cm3 (z. B. PP, PE) bestehen, damit sie sich im Sortierprozess abtrennen lassen.

Störungsfreies Recycling im Fokus
Rot wird die Ampel bei einer umfangreichen Bedruckung des Packmittels, da abgelöste Druckfarben die Klarheit des Rezyklats beeinträchtigen beziehungsweise den Recyclingstrom über abgelöste Druckfarben im Waschwasser verunreinigen können. Schlecht sind auch anhaftende, metallhaltige oder aluminiumhaltige Materialien. Sie können zu einer ungewollten Aussortierung in die Metallfraktion führen.

Der Verschluss wiederum besteht am besten aus PP, HDPE oder anderen Materialien, die im Recyclingprozess von PET abgetrennt werden können. Unerwünscht sind Komponenten aus Metall, aluminiumhaltige Materialien und Duroplasten. PS, POM und PVC gelten als Störstoffe, da sie die Sortierung und Wiederaufbereitung des Materials stören und unter anderem Extruder und Geräte beschädigen können.

Alexander Saheb  
 

Kartonverpackung gewinnt Marktanteile
Der globale Verpackungsmarkt dürfte in Zukunft weiterhin um rund fünf Prozent jährlich wachsen. Das wird sein Volumen von aktuell 825 Milliarden Euro bis 2024 auf 993 Milliarden Euro anschwellen lassen. Den grössten Marktanteil hat derzeit Karton mit 38 Prozent. Plastik wird aber am schnellsten Marktanteile gewinnen und bis 2024 auf rund 35 Prozent kommen. Geografisch dürfte die Asien-Pazifik-Region etwa die Hälfte des Verpackungsmarktes darstellen und bis 2024 eine stärkere Wachstumsrate von 6,6 Prozent jährlich erreichen. Das sind Erkenntnisse aus der Studie «Sustainable Packaging Solutions: Trend Radar» vom August 2021, welche die Unternehmensberatung Roland Berger erstellt hat.

Innerhalb des Verpackungsmarktes wächst der Anteil nachhaltig produzierter Verpackungen. Aktuell dürfte er mit 205 Milliarden Euro knapp ein Viertel ausmachen. Innerhalb dieses Anteils erreichen wiederverwendbare Verpackungen in vielfältiger Ausprägung einen Anteil von 40 Prozent. In Zukunft dürften insbesondere Plastik und Kunststoff von Kartonmaterialien abgelöst werden, wo immer das möglich ist. Gründe dafür sind das zunehmende Umweltbewusstsein der Gesellschaft, aber auch regulatorische Notwendigkeiten. Gleichzeitig substituiert Plastik wiederum metallbasierte Verpackungen. Glas behält dank seiner guten Wiederverwendbarkeit einen hohen Anteil im Getränkemarkt, kommt aber wegen der CO2-Intensität der Produktion unter Druck.

 

Mehr in dieser Kategorie: « Zirkulär, digital und klimaneutral
Nach oben