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Verantwortung, Transparenz, Nachhaltigkeit

«Strategien und Prioritäten für nachhaltige Wertschöpfungsnetzwerke» lautete der Titel des 9. GS1 Business Day. Das Thema Nachhaltigkeit boomt und stellt alle Beteiligten vor grosse Herausforderungen, bietet aber auch Chancen, um entlang der Supply Chain Verantwortung zu übernehmen und Transparenz zu schaffen.

(jh) «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.» Mit diesen Worten begrüsste Robert Vogel, Präsident von GS1 Schweiz, die Teilnehmer im Hotel Lake Side in Zürich. Um den Begriffen «globale Verantwortung » und «Nachhaltigkeit» gerecht zu werden, braucht es klare und glaubwürdige Strategien seitens der Unternehmen, denn Produkte werden von Konsumenten gekauft, und in deren Macht liegt es, per Kaufentscheid die Nachhaltigkeit einzufordern.

Spielen, Kreativität und Fakten

«Wenn wir den Herausforderungen unserer Zeit begegnen wollen, müssen wir den Blick nicht nur auf globale Phänomene wie den Klimawandel oder weltwirtschaftliche Ungleichgewichte richten, sondern auf unser eigenes, alltägliches Verhalten», so Stephan Siegrist, Leiter von W.I.R.E. (Web for Interdisciplinary Research & Expertise). Er ging sogar weiter und behauptete in seinem Referat, Nachhaltigkeit brauche Spiel und Experimente. Spielen schafft Vergnügen und sorgt für körperlichen und psychischen Ausgleich. Für Siegrist ist klar: Spielen ist die Quelle für Kreativität und schafft somit wichtige Voraussetzungen für den technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt. Und genau hier besteht für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein erhebliches und bislang brachliegendes Potenzial.
Dass Kreativität verlangt wird, zeigten auch die nackten Tatsachen im Vortrag von Daniele Ganser. Der Leiter des Instituts für Friedensforschung und Energie konfrontierte die Teilnehmer mit Zahlen zum Erdölverbrauch. «Fakt ist, wir verbrauchen täglich 88 Millionen Fass Erdöl und sind somit kollektiv erdölsüchtig. Mit Nachhaltigkeit hat das nichts mehr zu tun», so Ganser. In vielen Ländern ist das Fördermaximum – der Peak Oil – erreicht, die Produktion bricht ein, das Erdöl wird knapp und somit teuer. Um die weltweite Energieversorgung in Zukunft mit erneuerbaren Energiequellen sicherzustellen, braucht es Mut, viel Zeit, Geld und Kreativität, das Energiesystem umzubauen. Die Energiewende ist nicht nur ein technischer und wirtschaftlicher Prozess. Sie muss auch in der Gesellschaft und in den Köpfen der Bürger verankert sein, denn sie entscheiden als Stimmende, Konsumenten und Investoren über die Energiezukunft.

Erkennen und handeln

Die Ressourcenverknappung und der Klimawandel werden das zukünftige Wirtschaften entscheidend beeinflussen und verändern. Hinzu kommt, dass der Konsument von Unternehmen erwartet, dass sie Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette bis hin in die Beschaffungsmärkte übernehmen. Peter Teuscher, Geschäftsführer der BSD Consulting, betonte in seinen Ausführungen, dass jedes Unternehmen die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Wirkungen in der eigenen Wertschöpfungskette erkennen und Strategien entwickeln muss, um nachhaltig Wertschöpfung zu erzielen.
Zum Thema Nachhaltigkeit hat GS1 Schweiz zusammen mit dem Partner BSD Consulting Schweizer Unternehmen und Konsumenten befragt. Valentin Wepfer, stellvertretender Geschäftsführer von GS1 Schweiz, präsentierte die Resultate der Befragung und zeigte sich erfreut, dass der Begriff Nachhaltigkeit sowohl bei Unternehmen als auch bei Konsumenten einen hohen und wichtigen Stellenwert einnimmt. Beide Gruppen setzen den Begriff mit Umweltschutz, nachfolgender Generation und verantwortungsvollem Handeln gleich.
Auch wenn Nachhaltigkeit in aller Munde ist, so zeigt die Umfrage auch die Hürden und die Gründe, weshalb Unternehmen auf Nachhaltigkeit verzichten. Das Gros der befragten Unternehmen gibt an, über keine oder nicht genügend personelle und finanzielle Ressourcen zu verfügen, oder führt das fehlende Interesse der Kunden auf. Und was hindert eigentlich die Konsumenten daran, nachhaltige Produkte zu konsumieren? Aufklärung scheint hier wichtig. Beide, sowohl Konsumenten als auch die Produzenten und Händler, können den nachhaltigen Konsum fordern und fördern.
Der erste Teil der Tagung sensibilisierte die Teilnehmer und lieferte einen guten Einblick in das Thema. Zu den weiteren Gästen gehörten Sabine Ritter, Executive Vice President des Consumer Goods Forum, Hans-Peter Egler, Leiter Handelsförderung, Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beim SECO, und Markus Hurschler, Geschäftsleiter von Foodwaste.
Der Nachmittag gab einen Überblick über die Nachhaltigkeitsaktivitäten einzelner Unternehmen. Mit dabei waren Unilever Schweiz GmbH, Coop, Morga AG und Coca-Cola. Die Referenten zeigten mit ihrem Engagement, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten Verantwortung für mehr Nachhaltigkeit übernehmen kann.
Nachhaltigkeit ist als Thema präsent. So vielfältig wie die Themenstellung war auch der 9. GS1 Business Day. Auch Fernsehmann Stephan Klapproth wusste in seiner Tagungsmoderation das Thema aufzunehmen und variierte zwischen aktuellen, historischen, aber auch amüsanten Bezügen.

Joachim Heldt

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