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Ich will Nachhaltigkeit, du willst Nachhaltigkeit, wir…?

Nachhaltigkeit beschäftigt Wissenschaft, Wirtschaft und Konsumenten gleichermassen. Was erwarten die Konsumenten? Und wie können Unternehmen nachhaltiger werden? Der GS1 Report 2014 hat bei Unternehmen und Konsumenten nachgefragt. Fazit: Die Frage nach dem «ob» stellt sich nicht, sondern die Frage nach dem «wie».

(kb) Zum zweiten Mal nach 2009 ist der GS1 Report dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Im Gegensatz zum GS1 Report 2009, der den Titel «Nachhaltigkeit schafft Sicherheit» trägt, liegt das Hauptaugenmerk der Ausgabe von 2014 auf «Nachhaltigen Wertschöpfungsnetzwerken » in der Schweiz. Valentin K. Wepfer, stellvertretender Geschäftsführer von GS1 Schweiz und Mitautor der Studie, erläutert die Unterschiede: «Der Report 2009 hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit eng mit Sicherheit zusammenhängt. Sicherheit meint hier die Verfügbarkeit oder Rückverfolgbarkeit von Produkten. Jetzt wollten wir wissen, wie es um die Umsetzung in den Supply Chains steht. Inzwischen wurden viele Standards geschaffen und die Nachhaltigkeit hat eine neue Dimension gewonnen.»

Lebensfreude statt Verzicht

In der Tat stehen Endverbraucher, Hersteller, Händler und Dienstleister dem Thema positiv gegenüber. Für diese siebte Auflage des GS1 Reports, den GS1 Schweiz in Zusammenarbeit mit BSD Consulting erarbeitet hat, wurden mehr als 500 Konsumenten sowie über 100 Unternehmen befragt. Beide Gruppen erkennen, dass neben der ökologischen auch die soziale und ökonomische Komponente zum Tragen kommen. Dass Nachhaltigkeit mehr mit Lebensfreude als mit Verzicht verbunden wird, zeigt die positive Einstellung.

Die Gretchenfrage

So weit, so gut. Doch an wem liegt es nun, das Heft in die Hand zu nehmen? Nach Meinung der Konsumenten sind das in erster Linie sie selbst. Ganz anders die Unternehmen, die vor allem andere in der Verantwortung sehen: Sie sind der Meinung, dass es zunächst an den Konsumenten, den Medien und der Politik liegt, nachhaltigen Konsum zu fördern. Doch auf der anderen Seite beklagen Konsumenten das fehlende Angebot nachhaltiger Produkte. Zu wenig Wissen über Labels und Angebote sowie kein Vertrauen sind für sie weitere Hindernisse für Nachhaltigkeit. Auf Unternehmerseite werden fehlende personelle und finanzielle Ressourcen angeführt. Widersprüchlicherweise wird mangelndes Interesse der Kunden ebenfalls genannt.

Bessere Produkte kaufen, Risiko beherrschen

Konsumenten sind an nachhaltigen Produkten interessiert, das zeigt nicht nur die Tatsache, dass sie das fehlende Angebot am häufigsten als Hinderungsgrund nennen. 88 Prozent wünschen sich qualitativ bessere Produkte für einen gesunderen Lebensstil. Den ökologischen Fussabdruck und die soziale Ungerechtigkeit zu mindern, sind weitere Beweggründe für über 80 Prozent. Auf Unternehmensseite gestaltet sich die Motivation anders: Sie möchten allem voran das Risiko beherrschen und ihren Ruf pflegen. Den Anforderungen verschiedener Interessengruppen, beispielsweise auch der Kunden, gerecht zu werden, ist ein drittes zentrales Element.

Blick über den Tellerrand

Valentin K. Wepfer, stellvertretender Geschäftsführer von GS1 Schweiz: «Auch wenn der Wille zur Nachhaltigkeit vorhanden zu sein scheint: Bei der konkreten Umsetzung besteht noch Nachholbedarf.»Egal, weshalb Unternehmen sich für nachhaltiges Wirtschaften entscheiden – das Thema sollte in jedem Fall strukturiert angegangen werden. Der GS1 Report bietet dafür einige Hinweise. Um nicht von Komplexität und Weite von Nachhaltigkeit überwältigt zu werden, empfiehlt sich ein auf Anspruchsgruppen und Unternehmenstätigkeit fokussiertes Vorgehen. Eine regelmässige Wesentlichkeitsanalyse kann hier hilfreich sein. Wichtig sind die Verankerung auf strategischer Ebene und die kontinuierliche Umsetzung von Massnahmen. Am effektivsten sind diese mit kollaborativen Ansätzen. Nicht zuletzt sind vor- und nachgelagerte Produktionsstufen einzubeziehen und Fort- sowie Rückschritte transparent zu kommunizieren. Zahlreiche Frameworks, Gremien und Initiativen können Unternehmen dabei als Hilfsmittel dienen.
Gemäss dem GS1 Report beschränkt sich das Engagement der Unternehmen tendenziell auf den eigenen Betrieb. Jedoch sollten auch in den Bereichen Beschaffung und Logistik Massnahmen ergriffen werden: Lieferanten zur Einhaltung von Nachhaltigkeitskodizes verpflichten, kollaborative Modelle anwenden sowie kurze Transportwege wählen, um nur drei Beispiele zu nennen. Die Zahlen zeigen, dass hier Nachholbedarf besteht. Es ist ein grosses Ungleichgewicht festzustellen zwischen den Unternehmen, die sich zur nachhaltigen Beschaffung verpflichtet haben, und jenen, die weitere Massnahmen zu deren Umsetzung ausgearbeitet haben. Und nur weniger als ein Viertel zieht die Konsequenzen, wenn soziale und ökologische Anforderungen nicht erfüllt werden, und löst die Verträge auf. Handlungsbedarf besteht nicht zuletzt im Hinblick auf die Angebotspalette, um den Kundenwünschen nach mehr nachhaltigen Produkten entsprechen zu können.

Und jetzt?

Die Ergebnisse des GS1 Reports 2014 zeigen, dass die Bedeutung des Themas grundsätzlich erkannt ist. Fast alle Unternehmen sind vom Handlungsbedarf überzeugt. Die Umsetzung in der Supply Chain erfolgt jedoch noch nicht ganzheitlich, vor- und nachgelagerte Prozesse werden noch nicht ausreichend in Betracht gezogen. Das bestätigen beispielsweise die Erkenntnisse zur Beschaffungspolitik. Zwar verstehen sowohl Konsumenten als auch Unternehmen den Begriff gleich und sehen neben der ökologischen auch die soziale und ökonomische Komponente. Doch Verantwortungsbewusstsein und Führung fehlen: Es gibt weder eine Übersicht über die Fortschritte noch eine Initiative, die die Umsetzung gezielt fördert. Und darüber, wer die Verantwortung trägt, besteht noch Uneinigkeit.
Auch wenn der Wille zur Nachhaltigkeit bei beiden Parteien vorhanden zu sein scheint: Bei der konkreten Umsetzung besteht Nachholbedarf. Es gibt also noch einiges zu tun.

Katharina Birk

GS1 Report 2014 ab Januar erhältlich
Der GS1 Report 2014 erscheint im Januar. Mitglieder von GS1 Schweiz können die Studie in elektronischer Form kostenlos beziehen. Für die gedruckte Version wird eine Gebühr von 50 Franken erhoben. Bestellungen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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