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Mehr Patientensicherheit dank Barcodes

Premiere bei den GS1 Events: Im Juni 2013 fand die erste Studienfahrt zum Thema Healthcare statt. Die zweitägige Reise führte die Teilnehmenden nach Holland. Auf der Agenda: Besichtigung der Spitäler Deventer Ziekenhuis und MC Rotterdam sowie Vorträge rund um die Themen Patientensicherheit, Effizienzsteigerung, Prozesse, Standards und Logistik im Gesundheitswesen.

Im ersten Spital, dem Deventer Ziekenhuis, führte Esther Peelen von GS1 Niederlande in die Thematik ein. Sie begleitete die Reisegruppe während des gesamten Aufenthalts und stellte eingangs kurz die Themenschwerpunkte von GS1 Healthcare vor: Patientensicherheit und Effizienzsteigerung.
Hierfür sollen sämtliche Personen, Gegenstände und Orte im Gesundheitswesen mithilfe von GS1 Standards identifiziert werden, die in der Konsumgüterbranche seit 40 Jahren erfolgreich eingesetzt werden. Für das Gesundheitswesen eignen sich unter anderem die GTIN (Global Trade Item Number), welche die eineindeutige Identifikation von Objekten ermöglicht, sowie die GLN (Global Location Number), die zur eineindeutigen Identifikation von Örtlichkeiten dient. Ein dritter Standard, die GSRN (Global Service Relation Number), identifiziert die Dienstleistungsbeziehung zwischen einem Leistungsempfänger, zum Beispiel einem Patienten, und einem Leistungserbringer, zum Beispiel dem Spital.

Digitales Spital
Das Deventer Ziekenhuis zeichnet sich durch die umfangreiche Verwendung des elektronischen Patientendossiers aus. Das medizinische Personal ist mit Tablets ausgerüstet, um die digitale Krankenakte konsultieren zu können. Sie umfasst sämtliche den Patienten betreffende Daten: von persönlichen Angaben über Laborwerte bis hin zu den Diagnosen.
Die Referenten berichteten ausserdem über den Einsatz von Barcode- Scanning zur Steigerung der Patientensicherheit. Dieses trägt zudem zur Optimierung der Logistik bei, um den steigenden Kosten- und Qualitätsansprüchen gerecht werden zu können.

Identifikation und Überprüfung
Die rund 25 Vertreterinnen und Vertreter von Spitälern, Lieferanten und Grosshändlern konnten im Rahmen der Führung durch die OP-Säle die Prozesse und insbesondere die Patientenidentifikation durch das sogenannte Bedside-Scanning genauer unter die Lupe nehmen. Der Grundstein wird bei der Ankunft des Patienten im Spital gelegt. Hier wird er zunächst fotografiert. Diese Datei wird dann der digitalen Akte beigefügt. Weiter erhält er ein mit einem Barcode versehenes Armband. Um Verwechslungen zu vermeiden, werden bei jeder Handlung am Patienten sowohl Foto als auch Barcode überprüft. Das Scannen des Codes und das Erfassen jeder Etappe im System schafft Transparenz in der spitalinternen Supply Chain und ist ein wichtiges Glied in der Kette für eine verbesserte Patientensicherheit. OP-Besteck und andere Utensilien werden vor ihrer Verwendung mittels Barcode-Scan dahingehend überprüft, ob sie mit dem vorgesehenen Eingriff am Patienten übereinstimmen. Fällt der Test negativ aus, wird der Vorgang im System vorerst blockiert. Weitere Buchungen und Handlungen sind dann nicht mehr möglich. Erst wenn der vordefinierte Prozess eingehalten wird, lässt das System weitere Erfassungen zu.
Diese Überprüfung und Protokollierung schafft ausserdem die Voraussetzungen für die Rückverfolgbarkeit der Medizinprodukte. Beim OP-Besteck werden jedoch nicht die einzelnen Teile identifiziert, sondern der Sterilisationskorb als Ganzes. Die Rückverfolgbarkeit beschränkt sich somit auf den Korb und kann nicht auf Ebene Skalpell angewendet werden.


«In Deventer und in Rotterdam wird ein umfangreiches Datenmanagement an den Anfang der Spital-Prozesse gestellt. Die Datenspezialisten entlasten mit ihrer Arbeit die nachfolgenden Kollegen, zum Beispiel im OP-Saal. Im Deventer Ziekenhuis hat mich beeindruckt, dass ein Prozess nur dann weiterläuft, wenn die hinterlegten Anforderungen erfüllt sind.»
Dr. Matthias Sonnenschein, e-mediat AG


Im pneumatischen Rohr fliesst Blut
Tag zwei der Studienreise stand im Zeichen des MC Rotterdam, das sich derzeit noch im Umbau befindet. Betriebliche Abläufe und IT-Systeme, unter anderem zur Verwaltung von Laborsystemen, wurden ebenfalls reorganisiert. Herzstück ist das pneumatische Rohrsystem, über das Blutlieferungen transportiert werden. Auch hier wird die Barcodierung für die Automatisierung und Rückverfolgbarkeit sowie zur Steigerung der Patientensicherheit eingesetzt: Durch Abgleichen des Patientenarmbands mit der barcodierten Blutprobe können Patienten- beziehungsweise Materialverwechslungen vermieden werden. Bei Unstimmigkeiten warnt das IT-System und blockiert weitere Schritte. In den Niederlanden ist dies ein wesentlicher Punkt, da hier laut Gesetz nur nach dem «Vier-Augen-Prinzip» Eingriffe am Patienten vorgenommen werden dürfen. Die Überprüfung mittels Scan ersetzt die bisher erforderliche zweite Person. Die verbleibende Pflegekraft muss sich im Rahmen des Prozesses durch das Scannen ihres Badges identifizieren, um die Handlung vollständig zu protokollieren.

Externes Lager
Im MC Rotterdam wird ausserdem die zentrale Lagerverwaltung getestet. Versorgung und Nachschub werden von einem Distributionszentrum aus, das sich ausserhalb des Spitals befindet, organisiert. Bereits hier werden die Labels und die Lesbarkeit der Barcodes überprüft. Die Ziele: Kostentransparenz, Erhöhung der Patientensicherheit durch Rückverfolgbarkeit und Reduktion der Lagerbestände. Die Zahlen der frühen Projektphase konnten bereits erste Erfolge belegen. Zum grossen Bedauern der Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgte der Theorie – im Gegensatz zum ersten Tag – keinerlei Praxis. Zwar erwies sich die folgende angeregte Diskussion als genauso interessant wie die Vorträge, sie konnte jedoch die fehlende Besichtigung nicht kompensieren.
Ausgestattet mit reichlich Diskussionsstoff konnte die Heimreise angetreten werden. Aufgrund der positiven Rückmeldungen wird GS1 Schweiz eine Neuauflage der Reise überprüfen.

Katharina Birk

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