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Ohne Stammdaten geht nichts

GS1 Systemtagung 2016 TeilnehmerDas Thema Stammdatenaustausch und Rückverfolgbarkeit bewegt Handel und Industrie. Rund 150 Personen profitierten an der 4. GS1 Systemtagung am 11. Mai 2016 von hochkarätigen Referenten und zahlreichen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch.

Eröffnet wurde die Tagung durch Daniel Müller, Leiter GS1 System. Er führte effizient und kompetent durch den Tag. Die Referate kreisten alle um das Thema Stammdatenaustausch und Rückverfolgbarkeit und beleuchteten je nach Position und Aufgabenbereich in der Supply Chain die unterschiedlichsten Perspektiven und Branchen.

Wir sind das Produkt
«Wann war dein letzter Tag ohne Internet? », so der Titel des Videos der Abteilung Medienwandel & Innovation der Universität Zürich. Die Fakten: Das Internet ist das wichtigste Informationsmedium überhaupt, und die Schweiz ist Breitband-Weltmeister. Eine Familie mit Kind verbringt im Jahr drei Monate im Internet, und zwei von drei Personen kaufen regelmässig in Onlineshops ein. Pro Jahr gibt eine Schweizer Familie fast 3500 Franken für Einkäufe im Internet aus.
Das Wichtigste aber: Die Schweizerinnen und Schweizer lieben mobiles Internet. Drei von fünf Seitenaufrufen aus der Schweiz stammen von mobilen Endgeräten. Jedes Jahr gibt es 50 Prozent mehr Datenverkehr über das Mobilfunknetz. Viele Apps sind kostenlos, allerdings bezahlen wir mit unseren Daten. Bewegungs- und Stammdaten sind Gold wert.

Stammdaten sind wichtig
Produktstammdaten begleiten uns im täglichen Leben, ob als Konsument beim Einkaufen im Supermarkt, beim Onlineshopping oder als Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette. Dabei kommt der eindeutigen Produktidentifikation eine grosse Bedeutung zu. Der Konsument ist kritischer geworden und verzichtet heute sogar auf einen Kauf, wenn ihm ungenügende, fehlerhafte oder gar falsche Produktinformationen angezeigt werden. Zentrale Datenpools übernehmen dabei eine wichtige Aufgabe.
Das gesteigerte Informationsbedürfnis und die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) haben zur Folge, dass die Anzahl der hinterlegten Produktattribute im Global Data Synchronisation Network (GDSN) regelrecht explodiert ist, erklärt Raphael Redder, Key Account Manager bei 1WorldSync GmbH. Das GDSN beschreibt mit bis zu 600 unterschiedlichen Attributen ein Produkt. Allein für den Austausch von LMIV-konformen Produktstammdaten werden bis zu 300 Attribute pro Artikel benötigt. Aufgrund dieser Tatsache wurde per Mai 2016 der GDSN Major Release 3 eingespielt. Aber Achtung: Die Aktualisierung ist mit der Vorgängerversion nicht kompatibel. Für die Schweiz stellt trustbox alle gesetzlich geforderten Produktattribute bereit. Diese sind mit GDSN vollständig kompatibel. «Wir haben sichergestellt, dass GDSN-Nutzer ihre Produktinformationen in trustbox publizieren können », bestätigt Domenic Schneider, Senior Business Development Manager bei GS1 Schweiz. trustbox erfüllt alle Anforderungen der neuen schweizerischen Gesetzgebung. Über trustbox können zurzeit 3240 Produkte abgerufen werden. «Einen regelrechten Schub erwarten wir mit dem Inkrafttreten des Lebensmittelgesetzes», sagt Domenic Schneider.

Mehrwert und Transparenz
Eindeutigkeit spielt auch in der Sendungsverfolgung eine wichtige Rolle. Im Jahr 1993 setzte Dachser erstmalig in der Logistikbranche auf den Serial Shipping Container Code (SSCC). Seither werden sämtliche Packstücke mit dem SSCC ausgezeichnet. Dadurch sind sie weltweit eindeutig identifizierbar. Konsequentes Scannen an den Schnittstellen sorgt dafür, dass das Logistikunternehmen stets über aktuelle Informationen zu jeder einzelnen Sendung verfügt. «Eine gute Supply Chain beginnt mit dem SSCC», so Hubert Reiser, Fachbereichsleiter IT-Organisation und IT-Marketing beim Hauptsitz von Dachser in Kempten (Allgäu).
Auch die Anwendung fTrace setzt auf Transparenz durch Information. Bei den vielfältigsten Herausforderungen kann fTrace eine Hilfestellung leisten, über die die gesamte Lieferkette durch intelligente Verknüpfung der GS1 Standards transparent und lückenlos dokumentiert und rückverfolgbar wird. fTrace steht in der Lieferkette für Fischereiprodukte im Einsatz. Über eine Smartphone-App können die Konsumenten wichtige Ereignisse und Zusatzinformationen einfach und bequem abrufen.
Mit einer lückenlosen Rückverfolgbarkeit will die Tabakindustrie dem illegalen Handel und der Fälschung von Zigaretten entgegenwirken. Laut Claudia Chmella von der Reemtsma Cigarettenfabrik GmbH ist die Überwachung der Lieferkette ab 2019 Pflicht. Für die Rückverfolgbarkeit sieht die Tabakindustrie die GS1 Standards vor.
Auch das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) setzt sich mit der GS1 Thematik auseinander. Laut Lorenz Kurth, Associate Senior Management Consultant bei GS1 Schweiz, soll durch den Einsatz der GS1 Standards die Leistung auf der «letzten Meile» verbessert, Transparenz geschaffen und die Verlässlichkeit der Informationen erhöht werden.

Digital in die Zukunft
Die Optimierung der Wertschöpfungskette ist bei der Migros ein steter Prozess. So werden im Rahmen des Migros-Tauschgeräte-Managements rund zehn Millionen Mehrweggebinde mit einer RFID-Etikette ausgerüstet, erklärt Marcel Ducceschi, Leiter Supplier Systems beim Migros-Genossenschafts- Bund. Bei der Kennzeichnung der Tauschgebinde setzt die Migros konsequent auf die GS1 Standards. Die Gebinde werden mit dem Global Returnable Asset Identifier (GRAI) eindeutig identifiziert. Der Nutzen entsteht dabei nicht durch den Einsatz einer bestimmten Technologie (RFID), sondern durch die eindeutige Identifikation der Tauschgebinde.

Zum Abschluss der Tagung wurde ein gelungener Blick in die Zukunft geboten: Die Zeitreise von Kai Arne Goldach, Zukunftsforscher am deutschen Business Think-Tank 2b Ahead, setzte einen erfrischenden Schlusspunkt mit vielen Anregungen und Ideen zum Leben, zum Arbeiten und zur Mobilität im Jahr 2026.

Joachim Heldt

Impressionen von der GS1 Systemtagung 2016

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