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Sparpotenzial im Gesundheitswesen

GS1 ortet grosses Sparpotenzial im GesundheitswesenDas diesjährige, vierte «Forum Effizienz im Gesundheitswesen», das am 20. Juni 2011 in Luzern durchgeführt wurde, stand unter dem Motto «Healthcare under Construction. Baustelle Gesundheitswesen – Standortbestimmung und Aufbruch». Das Gesundheitswesen in der Schweiz ist eine Dauerbaustelle.

(bs) Es ist aber ebenso ein grosser und schnell wachsender 60-Milliarden-Markt mit grossem Entwicklungspotenzial – und mit schnell steigenden Krankenkassenprämien, welche die Schmerzgrenze vieler Haushaltbudgets bereits überschritten haben.

GS1 Studie: Sparpotenzial von 2,6 Milliarden
Das müsste nicht sein, wenn man das Sparpotenzial ausnützen würde, das es laut einer GS1 Studie gibt. Nicolas Florin, CEO von GS1, wies bereits in seiner Eröffnungsrede zum 4. GS1 Forum Effizienz im Gesundheitswesen auf diese Studie hin. Danach beträgt das Sparpotenzial im Schweizer Gesundheitswesen 2,6 Milliarden Franken. Im Zentrum der Tagung standen denn auch diese Zahl und die daraus abgeleitete Frage: Wie können die Prozesse im Gesundheitswesen optimiert und wie die Akteure im Gesundheitswesen im Hinblick auf das Sparpotenzial besser eingebunden werden?

Schwierige Rahmenbedingungen
Das schweizerische Gesundheitswesen basiert auf dem Prinzip des «regulierten Wettbewerbs», einer Mischform zwischen Plan- und Marktwirtschaft. Das heisst: Einerseits beschränkt sich der Staat auf das Planen und Regulieren, wozu primär die Umsetzung des Grundleistungskataloges im Rahmen des Grundversicherungsobligatoriums gehört. Andererseits konkurrenzieren sich heute Versicherer auf dem freien Markt im Bereich der Zusatzversicherungen und der alternativen Versicherungsmodelle.

Diese Mischform erschwere eine optimale Effizienz, erläuterte Karl Ehrenbaum, ein exzellenter Kenner des Schweizer Gesundheitswesens und Berater, in seinem Referat am Forum. Er präsentierte eindrückliche Zahlen zum Ungleichgewicht im Gesundheitswesen, so zum Beispiel, dass die privaten Haushalte 65,8 Prozent der gesamten Gesundheitskosten tragen.

Es folgte Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung SPO Patientenschutz. Sie nahm aus Patientensicht zu den Sparvorschlägen Stellung und forderte, dass diese nicht zu einer Beeinträchtigung der Patientensicherheit führen dürfen.

DRG: Kostentreiber oder -senker?
Anfang 2012 wird im Spitalbereich mit den Fallpauschalen (DRG) ein neues Abrechnungssystem eingeführt, das – zumindest in einer Anfangsphase – zu Mehrkosten führen wird. Für Dr. med. Simon Hölzer, Geschäftsführer DRG, überwiegen aber die Vorteile. «Unsere Spitäler haben weltweit einen hohen Standard und eine sehr gute Pflege. Das gilt es zu erhalten.» Die DRG-Einführung werde zwar kurzfristig zu einem Kostenschub, langfristig aber zu einer Stabilisierung der Kosten führen, weil der zunehmende Wettbewerb die Preise drücken werde, und zwar ohne Abstriche am Angebot: «Der Patient wird mehr Leistungen erhalten als zuvor », resümierte er.

Dr. Christoph Bangerter (CEO KPT) brachte die Sicht der Versicherer auf das Gesundheitswesen ein. Er geht davon aus, dass die Gesamtmenge anmedizinischen Dienstleistungen weiter zunehmen werde.

Weitere hochkarätige Rednerinnen und Redner bestätigten im Wesentlichen die Thesen ihrer Vorredner: Das Gesundheitssystem habe zwar bei uns eine hohe Qualität, sei aber zu kompliziert, zu föderalistisch und zu teuer. Das unbestrittene Sparpotenzial müsse besser ausgenützt werden.

Grenzen der Effizienz
Thierry Carrel, Klinikdirektor an der Herzchirurgie am Inselspital Bern, einer der führenden Kardiologen weltweit, setzte an der Tagung insofern einen gewissen Kontrapunkt, als er auf die Grenzen der Effizienz hinwies: «Jeder Patient ist ein Unikat und kann nur begrenzt in eine Supply Chain integriert werden.» Er plädierte sogar «für eine gewisse Ineffizienz, damit der Mensch im Zentrum der Medizin bleibt und nicht ein System». Gleichwohl sieht auch er Sparpotenziale, zum Beispiel durch Optimierung der Abläufe und Prozesse. Gleichzeitig gab er aber zu bedenken: «MedizinischerFortschritt sollte nicht aus Kostengründen aufgehalten werden. Leistungseinschränkungen sind für mich als Mediziner nicht akzeptabel!»

Fazit
Der gemeinsame Nenner aller Referentinnen und Referenten war: Im Schweizer Gesundheitswesen ist ein grosses Sparpotenzial vorhanden, vor allem durch die Optimierung der Prozesse. Das setzt voraus, dass sich alle Akteure zusammensetzen und an der Optimierung arbeiten. GS1 plant deshalb eine Weiterentwicklung der vorgelegten Studie. Ein breit abgestützter «Rat der Weisen» soll helfen, die Studie aufzubauen und Resultate zu beurteilen.

Bernhard Stricker

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