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Jetzt, sofort, gleich

Der E-Commerce-Markt in der Schweiz wächst. Immer mehr neue Player steigen in den Onlinehandel ein. Die Betreiber sprechen vom E-Commerce-Hype, sind aber alle gleichzeitig stark mit der eigenen Konsolidierung beschäftigt. So das Fazit des 8. GS1 Forums Logistics & Supply Chain vom 6. März 2013.

(jh) E-Commerce boomt. Aufgrund rückläufiger Preise erwartet eine grosse Mehrheit der Schweizer E-Commerce- Anbieter wachsende Umsatzzahlen. Gemäss einer Studie der Universität St. Gallen setzte der Schweizer Onlinehandel im letzten Jahr 10,2 Milliarden Franken um. Zwischen 2010 und 2012 ist der Markt um 17 Prozent gewachsen.
Die Veranstaltung von GS1 Schweiz zum Thema «Take-off for E-Logistics» nahm den Onlinehandel und seine Ausprägungen unter die Lupe, beleuchtete verschiedene Aspekte, betrachtete aber auch die Kehrseiten des E-Commerce-Hypes. Hochkarätige Referenten präsentierten und diskutierten Herausforderungen und Trends rund um das Thema E-Commerce. Die beiden Moderatoren Nikolaus Hartig und Valentin Wepfer konnten in der Trafohalle in Baden gut 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüssen. Engagiert, aber auch mit viel Witz führten sie durch die Veranstaltung.

One hour

Als Keynote-Speaker ging Professor Dirk Morschett von der Universität Fribourg auf die Herausforderungen, Lösungsansätze und Konsequenzen der Logistik für E-Commerce ein. In Zukunft ist mit steigendem Güteraufkommen zu rechnen, die Lieferfrequenzen werden zunehmen, die Sendungsgrössen werden kleiner und die Zeitfenster enger. Patrick Kessler, Präsident des Verbandes des Schweizerischen Versandhandels, ging sogar einen Schritt weiter und konfrontierte das Publikum mit der Frage: Was würde im Schweizer Handel passieren, wenn jede Bestellung im Onlinehandel innerhalb von einer Stunde beim Kunden wäre?
Mit «Schrei vor Glück oder schick’s zurück » wird das Retourenproblem der E-Commerce-Branche auf den Punkt gebracht. Für David Schröder, Geschäftsführer von MyBrands Zalando Verwaltungs GmbH, ist klar, dass mit dem starken Wachstum auch die Probleme in den Bereichen Supply Chain und Logistik zunehmen werden. Zu den wichtigsten Herausforderungen gehören das Retourenhandling, die Lieferqualität und die Lieferkosten. «E-Commerce-Kunden erwarten eine schnelle und kostenlose Lieferung, andernfalls brechen sie den Kauf ab», gab er zu bedenken.

Ist die Logistik bereit für den B2C-Durchbruch? Die Veranstaltung «Take-off for E-Logistics» war mit 230 Teilnehmenden gut besucht.Passt nicht oder gefällt nicht

Sechs Vertiefungssessions boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich über einzelne Themen wie letzte Meile, Kommissionieren und Cross-Docking, Bestandsmanagement und Multi- Channel-Anlieferungen, Full-Outsourcing oder Retouren zu informieren. Im Onlinehandel machen die Retouren bis zu 50 Prozent aus; in Fachkreisen spricht man gar von bis zu 80 Prozent. Daher ist es nicht erstaunlich, dass die Session zu diesem Thema bis auf den letzten Platz ausgebucht war.
Einige Fakten zum Thema Retouren: Vier von zehn Kunden kalkulieren bereits beim Kauf bewusst die Rücksendung mit ein. Spannend auch, dass 40 Prozent der Händler die Kosten der Retouren nicht kennen. Die höchste Retourenrelevanz liegt bei Freizeitbekleidung und Schuhen. Die Gründe für die Rücksendung seien vielfältig, erklärte Milo Stössel, CEO der MS Mail Service AG. Ganz oben auf der Liste stehen «passt nicht» und «gefällt nicht». Weitere Argumente sind: defekt, falscher Artikel oder zu spät geliefert.

Avatar und Big Data

Um unnötige Retouren zu vermeiden, wird viel in höhere Prozess- und Artikelqualität investiert. Mit virtuellen Umkleidekabinen und der Möglichkeit zur Körpervermessung will die Modebranche der Retourenflut Einhalt gebieten. Auch Zalando testet virtuelle Fitting-Rooms. Mit «Jetzt anprobieren» sieht sich der Nutzer als «Avatar» im gewünschten Kleidungsstück. Feineinstellungen, wie die Eingabe weiterer Körpermasse, lassen sich ebenfalls vornehmen. Für jedes Mass erfolgt individuell auf Basis des Kleidungsstücks eine Einschätzung wie «guter Sitz», «zu eng» oder «zu gross».
Viel wird in die Vermeidung von Fehlkäufen und Retouren investiert. Die Technologien werden immer besser und einfacher, und der Nutzer ist bereit, die entsprechenden Daten wie Schuhgrösse, Körpergrösse und Bauchumfang zu erfassen. Und wie sieht es auf der Produktseite aus? Liegen die Daten der gewünschten Kleidungsstücke vor? Wie steht es mit 3D-Abmessungen? Sind die Hersteller bereit, die Daten zur Verfügung zu stellen? Um den wachsenden Anforderungen im Bereich E-Commerce und Multi- Channel-Vertrieb zu genügen, müssen Unternehmen ihre Produktdaten und den Datenaustausch auf dem höchstmöglichen Niveau halten. Dies betrifft Handel und Industrie für B2C wie für B2B gleichermassen. Big Data wird im Bereich E-Commerce einen festen Platz einnehmen. Aber Achtung: So trivial ist das Thema «Stammdatenmanagement » nicht.
GS1 Schweiz befasst sich eingehend mit dem E-Commerce. Verschiedene Roundtables und Arbeitsgruppen werden sich den Themen Retouren, letzte Meilen und weiteren Herausforderungen widmen und gemeinsame Lösungen erarbeiten.


Joachim Heldt

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