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Kampf der Baumärkte

Kampf der BaumärkteIn den letzten elf Jahren wurden in der Schweiz 24 neue Baumärkte eröffnet. Und weitere Expansionen sind geplant. Ein Überblick über die Branche der Baumärkte und die Antwort auf die Frage, ob die Baumaterialhändler beunruhigt sind.

(pr) Der Schweizer Bau- und Gartenmarkt befindet sich in einem starken Umbruch. Für anhaltenden Druck sorgen die forcierten Expansionsmodelle der (deutschen) Grossflächen-Baumärkte. Die jährliche Gesamtmarkt-Flächenexpansion von gut acht Prozent ist weiterhin ungebrochen und zeigt, wie hart der Schweizer Markt umkämpft ist.

Und dies, obwohl Branchenkenner der Meinung sind, dass die Sättigungsgrenze in vielen Regionen erreicht ist. Folglich wird sich der Verdrängungskampf mit jeder Expansion weiter verschärfen. lm Gegensatz zu Deutschland, Frankreich und England ist in der Schweiz der Anteil des Baumaterials, welches im Do-it-yourself-Verfahren von Privatpersonen verbaut wird, klein. Man spricht von einem Gesamtumsatz der Schweizer Baumarkt-Branche von 2,5 Milliarden Franken. Gründe dafür sind die noch immer tiefe Eigenheimquote, hohe Qualitätsansprüche, diverse Vorschriften, welche den Eigenbau einschränken, und die im europäischen Vergleich langen Arbeitszeiten.

Coop als Marktführer
Coop Bau + Hobby ist mit 68 Verkaufsstellen der grösste Anbieter im Baumarkt- und Do-it-yourself-Bereich in der Schweiz. 2007 konnte der Umsatz um 6,7 Prozent auf 685 Millionen Franken gesteigert werden. Gemäss eigenen Angaben zeichnet sich Bau + Hobby aus durch klare Sortimentsstrukturen, das breiteste Angebot von ökologischen Produkten und die Beratungskompetenz der Mitarbeiter. Eine neue, nationale Dienstleistung bietet Bau + Hobby in Zusammenarbeit mit «die-bauprofis.ch» an: Den Kundinnen und Kunden werden beim Kauf von Renovationsmaterialien regionale Handwerker zum Festpreis vermittelt.

Zwei unterschiedliche Strategiekonzepte
In der Branche der Baumärkte gibt es im Moment zwei ganz unterschiedliche Strategiekonzepte. Das eine setzt Landi mit ihren 320 Läden um: ein schmales Sortiment, aber gezielt ausgewählt  für Kunden mit eigenem Haus und Haustieren. Genau die konträre Strategie verfolgt Bauhaus, der seit Juni 2008 mit einer Verkaufsfläche von 11 400 Quadratmetern in Schlieren präsent ist. Dieser Laden ist rund dreimal so gross wie ein durchschnittlicher Bau- und Hobbymarkt von Coop oder zweimal so gross wie ein Obi. Bauhaus will die grösstmögliche Fläche an wenigen Standorten anbieten und sieht für sein Ladenformat ein Potenzial in zwölf Regionen der Schweiz. Das grösste Netz an grossflächigen Baumärkten betreibt Obi mit zehn Standorten.

Kundinnen immer wichtiger
Baumärkte sind längst nicht mehr nur eine Männerdomäne. Heute nutzen auch immer mehr Frauen ihre handwerklich- kreativen Fähigkeiten, um die eigenen vier Wände zu verschönern. Obi hat im letzten Jahr mit grossem Erfolg erstmals Heimwerkerinnen-Workshops durchgeführt. Die zur Maus Frères Holding gehörende Jumbo- Markt AG, die Nummer zwei im Schweizer Heimwerkermarkt, versucht durch Ausbau der drei Kernbereiche Do it yourself, Innen- und Aussendekorationen sowie Garten die Bedürfnisse der weiblichen Kundschaft optimal zu stillen.

Baumaterialhändler noch unbeeindruckt
Baubedarf und HG Commerciale sind die zwei grössten Baumaterialhändler in der Schweiz. In der deutschsprachigen Schweiz ist Baubedarf an 40 Standorten vertreten und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 440 Millionen Franken. HG Commerciale ist mit  38 Verkaufsstellen in der gesamten Schweiz vertreten. Wie Elisabeth Arm, Leiterin Marketing von HG Commerciale erklärt, nimmt man die Präsenz der Baufachmärkte ernst und beobachtet laufend, wie sich diese positionieren. Im Moment sehe man jedoch keinen Handlungsbedarf. Man würde aber, wenn notwendig, sofort in geeigneter Form reagieren.

Auch Harry Bosshardt, Geschäftsführer von Baubedarf, fürchtet sich nicht vor den Baumärkten. An diese habe sein Unternehmen bisher auch keinen Umsatz verloren. Gemäss seiner Einschätzung konkurrenzieren die neu auf den Schweizer Markt drängenden deutschen Baumärkte in erster Linie die bestehenden Fachmärkte von Coop, Jumbo und Migros. Die Baumärkte versuchen aber in vermehrtem Masse auch Kleinhandwerker als Kunden anzusprechen. Gemäss Bosshardt können die Baumärkte aber auch in diesem Segment nur in lokal sehr begrenztem Umfang erfolgreich sein. Denn die Handwerker fahren üblicherweise zum für sie nächstgelegenen Verkaufsort. Das ist in vielen Fällen ein Baumaterialhändler. Die Baumaterialhändler heben sich auch ab durch ihren professionellen Service, um den hohen Ansprüchen ihrer Profi-Kunden gerecht zu werden. Und zum Schluss meint Bosshardt: «Die neue Konkurrenz spornt uns an, unseren Service weiter zu verbessern und ständig den Bedürfnissen unserer Kunden anzupassen. »

Teure Schweizer Do-it-Märkte
Im Mai 2006 veröffentlichte die Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur eine Projektstudie zum Vergleich der Baumarktpreise in den Ländern Schweiz, Deutschland und Österreich. Identische Produkte sind in Deutschland 13 Prozent günstiger als in der Schweiz. Verlangt der Schweizer Konsument die Mehrwertsteuer zurück, erhält er in Deutschland die gleichen Baumarktprodukte sogar 19 Prozent günstiger. Es gibt jedoch auch Produkte, die in der Schweiz günstiger sind als in Deutschland. Die günstigsten Anbieter in der Schweiz sind Hornbach und Obi, beide liegen deutlich unter dem schweizerischen Preisdurchschnitt. Zusätzlich zu den identischen wurden auch 73 ähnliche Produkte verglichen, welche nach dem Prinzip der Funktionalität ausgesucht wurden. Ähnliche Produkte sind in Deutschland (mehrwertsteuerbereinigt) 16 Prozent billiger zu haben als in der Schweiz. Auf der Suche nach den Gründen für diese Preisdifferenzen zählten die Anbieter folgende Argumente auf: höhere Ansprüche in der Schweiz an den Kundenservice, kleinere Verkaufsflächen als im Ausland, höhere Lohn- und Gebäudekosten, gesetzliche Vorschriften bezüglich Produktbeschriftung und Beachtung der Verbraucherschutznormen.

Peter Rahm

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