gs1-neton-header-03.jpg

Helfen, aber effizient

Thomas Bögli, Mitglied der Geschäftsleitung von GS1 Schweiz, absolvierte 2012 seinen ersten Einsatz für das Logistik-Nothilfeteam des Schweizerischen Roten Kreuzes. GS1 network hat sich mit ihm über GS1 Standards in der humanitären Logistik unterhalten.

GS1 network: Inwiefern unterstützt GS1 Schweiz die humanitäre Logistik?

Thomas Bögli: GS1 Schweiz verfügt über ein grosses Netzwerk von Logistikern und hat das SRK dabei unterstützt, Freiwillige für die Logistikeinheit zu rekrutieren.

«Durch optimierte Waren- und Informationsflüsse die Lebensqualität der Menschen im Alltag verbessern», das ist die Vision von GS1 Schweiz. Was kann GS1 Schweiz im humanitären Bereich konkret tun?

Hier geht es nicht um «Lebensqualität verbessern», sondern um «Leben ermöglichen ». Mit GS1 Standards wäre das effizienter. Wir können das Bewusstsein dafür schärfen und den Dialog mit der internationalen Rotkreuzund Rothalbmondbewegung anstossen. Sie hat ihre Wurzeln in der Schweiz. Deshalb denke ich, dass wir als Schweizer GS1 Organisation für diese Vermittlerrolle prädestiniert sind.

Warum werden GS1 Standards in der humanitären Logistik noch nicht eingesetzt?

Lange stand die Frage nach der Effizienz nicht im Vordergrund. Es ging in erster Linie ums Helfen. Heute nimmt der Druck von aussen zu. Die Spender wollen wissen, wie ihre Mittel verwendet werden. Und vor allem wollen sie, dass nichts verschwendet wird.

Heute ist die humanitäre Supply Chain also nicht transparent?

Doch. Das SRK arbeitet für die Rückverfolgung von Hilfsgütern mit einem proprietären System. Das erfordert jedoch viel Handarbeit, eine Automatisierung ist unmöglich. Bei anderen Hilfsorganisationen ist das ähnlich.

Welche Vorteile brächte der Einsatz von GS1 Standards?

Ganz einfach: Die eindeutige Identifikation und Rückverfolgbarkeit von Hilfsgütern wäre sichergestellt. Ausserdem würden die globalen Standards Sprachbarrieren zwischen Helfern aus aller Welt abbauen. Langfristig würden sie auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Organisationen erleichtern.

Sie haben im Herbst vor der europäischen GS1 Gemeinschaft über GS1 Standards in der humanitären Logistik referiert. Wie waren die Reaktionen?

Die Rückmeldungen waren positiv. Das Thema wird künftig auf der Agenda stehen, wenn sich Geschäftsführer europäischer GS1 Länderorganisationen treffen.

Welche Entwicklungen sind in Bezug auf die Nutzung des GS1 Systems im humanitären Bereich zu erwarten?

Die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist eine föderalistische Organisation mit mehr als 180 Mitgliedern. Die Einführung der GS1 Standards wird ein Umdenken erfordern und nicht von heute auf morgen möglich sein.

Was ist Ihre Motivation, sich für das SRK zu engagieren?

In der Schweiz geht es uns extrem gut. In anderen Teilen der Welt ist das nicht so. Ich möchte einfach etwas zurückgeben.


Die Fragen stellte Katharina Birk.

Mehr in dieser Kategorie: « Wenn alles stillsteht
Nach oben