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Mit Grips zur Null-Fehler-Toleranz

Im Zentrum der aktuellen Forschung steht die Datenbrille, die den Kommissionierer auf kürzestem Weg durch die Kommissionierzone zum Entnahmeort navigieren soll.Flexibilität und Dynamik sind heutzutage Pflicht. Intelligente Automatisierungslösungen sowie völlig neue technische Errungenschaften bewegen die Unternehmen in der Schweiz vermehrt dazu, die Prozesse in der Kommissionierzone zu überdenken.

Die Kommissionierzone ist nicht nur der Dreh- und Angelpunkt der innerbetrieblichen Logistik – sie ist auch die wichtigste Schaltzentrale eines Unternehmens zum Kunden. In keinem anderen Bereich eines Lagers oder Warenverteilzentrums wird die Forderung nach Null-Fehler-Toleranz bei den Prozessen grösser geschrieben.

Neubau oder Modernisierung?
Standardprozesse, die noch vor Jahren als «state of the art» galten, genügen den heutigen Anforderungen in der Regel nicht. Es muss eine Vielzahl immer kleinteiliger werdender Bestellungen schnell zum Kunden geliefert wer- den. Flexibilität und Dynamik sowie zeitgemäss organisierte Abläufe zur Sicherung von Wettbewerbsvorteilen sind entscheidend. Lieferbereitschaft, Lieferflexibilität, Lieferqualität sowie Lieferzeiten stehen im Fokus.
Unternehmen in der Schweiz müssen die Option des kompletten Neubaus eines Logistikzentrums und jene der Modernisierung oder Erweiterung von bestehenden Kommissionierzonen mithilfe neuer Systeme sorgfältig gegeneinander abwägen. Um in diesem Fall die unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten richtige Entscheidung zu treffen, braucht es Kennzahlen und Informationen.
Kriterien wie die Anfangsinvestitionen und entstehende laufende Kosten sowie die Möglichkeiten der Skalierbarkeit der untersuchten Kommissioniermethoden müssen geprüft werden. Innovative Lösungen wie AutoStore von Swisslog bieten sich insbesondere bei Modernisierungen oder Erweiterungen an, da sich das Lager- und Kommissioniersystem platzsparend in bestehende Raumstrukturen integrieren lässt.

Vor- und Nachteile abwägen
Der grösste Vorteil manueller Pickmethoden, wie etwa der Person-zur- Ware-Kommissionierung, besteht in der gegenüber automatisierten Methoden deutlich niedrigeren Anfangsinvestition. Person-zur-Ware-Systeme gewährleisten kurze Das automatische Kleinteilelagersystem AutoStore ermöglicht die schnelle Abwicklung von Kleinteilebestellungen und Kommissionierung von Einzelstücken.Einarbeitungszeiten und bieten somit auch bei Saisonspitzen oder bei wechselnden Warensortimenten einen recht flexiblen Spielraum bei der Auftragsbearbeitung. Problematisch sind jedoch die damit verbundenen Auftragsdurchlaufzeiten, die langen und beschwerlichen Kommissionierwege sowie die hohen laufenden Kosten. Von den Lagerbetreibern wird als weiteres grosses Manko gegenüber automatischen Systemen immer wieder auch das deutlich höher liegende Risiko von Pickfehlern gesehen.
Wer regelmässige Diskussionen über falsche Lieferungen oder Fehlmengen mit seinem Kunden scheut, dem bietet sich die Möglichkeit, Person-zur-Ware- Kommissionierung durch licht- oder sprachgesteuerte Verfahren zu unterstützen. Beim Pick-by-Light-Verfahren werden dem Kommissionierer die zu pickenden Artikel und Mengen durch eine direkt über dem Entnahmefach angeordnete Leuchtanzeige übermittelt. Das Pick-by-Voice-Verfahren baut darauf auf, die Mitarbeiter via Headsets und Sprachbefehle zu den entsprechenden Entnahmefächern zu navigieren. Beide Verfahren sind zwar darauf ausgerichtet, die Entnahme und Mengenfehler bei der Person-zur- Ware-Kommissionierung deutlich zu reduzieren. Allerdings ist auch hier nicht zu übersehen: Das Problem der langen und unproduktiven Laufwege bleibt auch bei den licht- und sprachgesteuerten Kommissionierverfahren weiterhin bestehen.

Mehr Pickleistung mit Ware-zur-Person
Bei den dynamischen Kommissionierverfahren, die nach dem Prinzip Ware-zur- Person organisiert sind, geht den Mitarbeitern die Auftragsbearbeitung messbar schneller von der Hand. Bei den modernen Ware-zur-Person- Kommissioniersystemen, die Swisslog seinen Kunden zur Verfügung stellt, werden die Waren über Hängebahnen, Fördertechniksysteme oder fahrbare Roboter direkt zu fest installierten Pickarbeitsplätzen verbracht.
Die Intelligenz der Systeme trägt dazu bei, Laufwege beinahe vollständig aus dem Kommissionierprozess zu eliminieren. Messungen bei unseren Kunden vor Ort haben ergeben, dass die Mitarbeiter an den Ware-zur-Person- Arbeitsplätzen eine bis zu zehnmal höhere Pickleistung im Vergleich zu Arbeitskräften mit herkömmmlicher Kommissionierung erzielen können. Ausserdem bieten Ware-zur-Person- Systeme den Vorteil, Durchlaufzeiten von nur wenigen Minuten vom Auftragseingang bis zur Kommissionierung zu realisieren.

«Ware-zur-Person-Systeme sind ein erster Schritt in Richtung Automatisierung.»

Integrierte Ware-zur-Person-Systeme sind ein erster Schritt in Richtung Automatisierung – einer Zukunft, bei der in der Kommissionierzone weder Pickfehler noch kostenintensive Leerlaufzeiten eine Rolle spielen. Während sich das Personal bei der Ware-zur-Person- Kommissionierung in Stosszeiten voll und ganz auf das zügige Abarbeiten der Aufträge konzentrieren kann, bietet sich an den Kommissionierplätzen in auftragsärmeren Zeiten die Möglichkeit, das Kommissionierlager mit neuer oder vom Kunden retournierter Ware aufzufüllen. Gegenüber dem Personalaufwand und den systembedingten Leerlaufzeiten bei der manuellen Kommissionierung leisten automatisierte Kommissioniersysteme einen nicht zu unterschätzenden Beitrag, um die laufenden Kosten deutlich zu senken.
Automatisierte Kommissioniersysteme sind zudem auf ein Höchstmass an Ergonomie getrimmt. Sämtliche Warentransporte zu den Kommissionierarbeitsplätzen werden von Maschinen übernommen. Das Personal muss, über den gesamten Arbeitstag hinweg gesehen, weder schwere Lasten heben noch kilometerlange Wegstrecken zu- rücklegen. Auch dies hat auf der Betriebskostenseite einen spürbaren Effekt: Die krankheitsbedingten Ausfallzeiten liegen deutlich hinter den Ausfallzeiten bei der manuellen Kommissionierung zurück. Es sind so gut wie keine personellen Umorganisationen nötig, da das Personal erheblich konstanter verfügbar ist. Dank der sicheren und geräuscharmen Arbeitsweise der modernen lagertechnischen Einrichtungen ist das Personal darüber hinaus auch nicht durch hohe Geräuschpegel oder hohe Unfallrisiken beeinträchtigt.

Geringe Investitionsrisiken automatisierter Systeme
Automatisierte Ware-zur-Person-Kommissionierlösungen sind perfekt auf die Bedürfnisse der E-Commerce- Logistik, aber auch auf jene anderer Branchen mit einem vergleichsweise hohen Warendurchsatz abgestimmt. Während manuelle Kommissioniersysteme meist einer starren Planung sowie wenig flexiblen Veränderungsmöglichkeiten unterliegen, lassen sich automatisierte Kommissioniersysteme in der Regel platzsparend und mit überschaubarem Aufwand auf grössere Bestände oder erhöhte Durchsatzleistungen dimensionieren.
Investitionsrisiken, die auf rückläufige Bestellmengen oder fehlerhafte Annahmen bei der Planung zurückgehen, werden durch die Möglichkeit der Skalierbarkeit weitestgehend vermieden. Die Lösung Click&Pick von Swisslog wurde speziell für die Lagerlogistik im E-Commerce und im Multichannel- Retailing entwickelt. Die skalierbaren und flexiblen Lösungsdesigns ermöglichen eine genaue und schnelle Auftragsabwicklung.

Innovationen auf dem Prüfstand
Mit der fortschreitenden Automatisierung sind längst noch nicht alle Möglichkeiten der Effizienzsteigerung und der Verschlankung von Kommissionierprozessen ausgeschöpft. Unter dem Stichwort Augmented Reality arbeiten Forscher derzeit weltweit zum Beispiel daran, moderne Visualisierungsmedien in den Person-zur-Ware- Kommissionierprozess einzubringen. Im Zentrum der aktuellen Forschung steht eine Datenbrille, die den Kommissionierer auf kürzestem Weg durch die Kommissionierzone zum anvisierten Entnahmeort navigiert, ihm vor Ort Anweisungen über die geforderte Entnahmemenge gibt – und über ein integriertes Bildverarbeitungssystem am Ende der Prozesskette überprüft, ob der Kommissionierprozess fehlerfrei abgelaufen ist.
«Bring your own device» heisst eine ebenso neue wie interessante Idee. Der Kommissionierer ist dabei nicht mehr wie früher an teure und dedizierte Barcode-Geräte gebunden. Dank Apps und moderner Cloudtechnologie kann er bei der Kommissionierung vielmehr sein eigenes Smartphone nutzen.
Auch wenn die Alltagstauglichkeit derartiger neuer Denkansätze noch bewiesen werden muss, so lässt sich zusammenfassend dennoch sagen: Neue Technologien sind eine wichtige Basis für die Effizienzsteigerungen von morgen. Wer sich ihnen verschliesst, läuft leicht Gefahr, den Anschluss zu versäumen.

Daniel Hauser
Geschäftsführer Swisslog AG

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